Das vergessene Massaker an den Juden von Straßburg im Jahre 1349 

März 8, 2019 – 1 Adar II 5779
Blutiger Valentinstag

Von Monika Winter

Der Valentinstag wird alljährlich in vielen Ländern am 14. Februar als Tag der Liebe und Romantik gefeiert. Der Lieblingsmensch erhält dann rote Rosen oder sonstige persönliche Geschenke.

Valentinus, der ein Heiliger und Märtyrer war, bekam einen besonderen Gedenktag, der von Papst Gelasius im Jahre 469 für die ganze Kirche eingeführt wurde. 1969 wurde der Tag aus dem römischen Generalkalender gestrichen. Dennoch wird er heute noch vielerorts gefeiert.

Leider ist das Datum des 14. Februar auch ein sehr bitteres – nämlich in der jüdischen Geschichtsschreibung. In Straßburg fand am 14. Februar 1349 ein grauenvolles Massaker an 90 Prozent des jüdischen Bevölkerungsanteils statt. Etwa 2.000 Juden wurden im Verlauf von sechs Tagen lebendig verbrannt. Taufwillige und schöne Frauen ließ man entkommen.

Christlicher Judenhass war in der damaligen Gesellschaft tief verwurzelt. Ihnen wurden „satanische“ Verbrechen zur Last gelegt, wie Christenmord, Ritualmord, Weltverschwörung, Hostienschändung usw.. Die Ankläger waren in der Regel Handwerker, Bauern und Bürger, die die Juden auch deswegen loswerden wollten, da sie bei ihnen hoch verschuldet waren.

Aufgrund der Einflusskämpfe einzelner Fürsten war das „Heilige Römische Reich Deutscher Nation“ in den ersten Jahrzehnten des 14. Jahrhunderts durch Unruhen und Kriege gezeichnet. In Franken hatte sich schon Jahre zuvor eine neue Bewegung aus bäuerlichen und städtischen Unterschichten gebildet – die sogenannte Armleder-Erhebung, die in der Zeit von 1336 bis 1338 Massaker an jüdischen Gemeinden im Elsass und im süddeutschen Raum verübte.

In den Jahren der grassierenden Pest blieb auch das Elsass nicht verschont (lediglich ganz wenige Regionen wie Polen, die Städte Mailand und Brügge waren nicht betroffen). Sie tobte von 1347 bis 1351. Auf der Suche nach Schuldigen wurden wieder einmal die Juden ausgemacht.

Ein Massaker an Juden war nichts Außergewöhnliches im „Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation“. Das Massaker von 1394 hatte jedoch eine „besondere“ Bedeutung. Denn es stellte sich heraus, dass Juden weniger von der Pest betroffen waren als Christen. Das konnten die einfachen Leute unter dem antisemitischen Pöbel nicht verstehen – weil sie vorher noch nie von einem jüdischen Speisegesetz (Kaschrut) oder besonderen Hygienevorschriften der Juden gehört hatten.

Nun wurde den Juden vorgeworfen, die Pest durch Vergiftung aller Wasserstellen wie Quellen, Brunnen und Zisternen provoziert zu haben.

Die Wut war nicht mehr aufzuhalten und das Massaker im Elsass nahm seinen Lauf. Am frühen Morgen durchbrachen Kämpfer die Barrieren zum Eingang des abgeriegelten jüdischen Ghettos. Männer, Frauen und Kinder wurden abgeschlachtet, die Häuser samt Familien verbrannt.

Anschließend brachte man die Überlebenden zum Scheiterhaufen. Priester Jakob Twinger von Königshofen, der auch Geschichtsschreiber war, notierte:

„…am St. Veltlinstag verbrannte man die Juden auf ihrem Friedhof auf einem Holzgerüst. Man schätzt die Zahl der Getöteten auf 2000. Die sich aber wollten taufen lassen, ließ man am Leben… Was man den Juden schuldig war, wurde bezahlt und alle Pfandbriefe über Schulden wurden ihnen zurückgegeben, das bare Gut aber, das sie hatten, nahm der Rat und verteilte es unter die Handwerker nach der Kopfzahl. Das war auch das Gift, das die Juden tötete.“

Das Pogrom war also eine Aktion des Rats und der christlichen Handwerker. Auch wenn das Massaker vor fast 700 Jahren stattfand, sollten wir das grausame Ereignis dennoch nicht vergessen.

 

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