Jüdische Schicksale: Die zwei Leben der Yehudit de Toledo-Gruber

Ihr ermordeter jüdischer Vater aus Uruguay, der Weg über ihren DDR-Regierungsauftrag in Kuba bis in die jüdische Gemeinde von München nach dem Fall der Berliner Mauer

Von Viktor Fischmann

Über die herausragenden jüdischen Persönlichkeiten wurden tausende Bücher und noch mehr Artikel geschrieben. Ich hoffe sehr, dass auch die Lebensgeschichte der deutschen Jüdin Yehudit de Toledo-Gruber in dieser Enzyklopädie ihren Platz finden wird.

Wir trafen uns im Hause eines bekannten Münchner Musikers, des Klezmer-Interpreten Leonid Pejsach. Die beiden kannten sich schon seit fast 15 Jahren; damals hieß die Deutsche de Toledo-Gruber noch Wilma, und sogar bei unserem heutigen Treffen sprach Leonid Pejsach seine Bekannte mal mit Yehudit, mal mit Wilma an.

Ich bekam von ihr eine Visitenkarte überreicht und durfte die Dame „Yehudit“ nennen; auf der Visitenkarte stand der Name: Yehudit de Toledo-Gruber.

 

Fischmann: Welch ein komplizierter Name! Wie kommt‘s?

Yehudit de Toledo-Gruber: Die romantische Geschichte meiner Eltern ist außergewöhnlich. Unmittelbar vor dem Zweiten Weltkrieg kam mein Vater nach Deutschland – aus Uruguay, mitsamt seinem Zirkus. Wo und wie genau ihr Treffen stattgefunden hatte, weiß ich nicht; meine Mutter war aber zu der Zeit mit einem vermögenden und einflussreichen Mann, der viel älter war als sie, verheiratet. Die entflammte Liebe muss wohl so stark gewesen sein, dass sie sich über alle Verbote und Hindernisse hinwegsetzte; meine Mutter wurde schwanger. Alles Weitere hätte für ihren Ehemann großes Ärgernis und ernsthafte Probleme bedeutet. Sich meines Vaters zu entledigen, war ein Leichtes für ihn: Im Zuge der „Endlösung“ wurde mein Vater von den Nazis ermordet. Meine Mutter versuchte noch, ihre Schwangerschaft abzubrechen, was ihr aber nicht gelang, so wurde ich geboren – ein Kind, das niemand haben wollte.“

Fischmann: Ihr späterer Ortswechsel, von dem Sie in Ihren Artikeln so bildhaft und humorvoll erzählen, ist, wahrscheinlich, eine Fortsetzung Ihrer rastlosen Kindheit?

Yehudit de Toledo-Gruber: Es ist schwer zu sagen. Eher kam es dank meiner Neugierde und dem Wunsch, die Welt zu sehen, dazu. An der Berliner Humboldt-Universität studierte ich Germanistik...

Fischmann: Und Spanisch?

Yehudit de Toledo-Gruber: "Dies machte ich nur nebenher; später stellte sich jedoch heraus, dass ausgerechnet Spanisch mir sehr nützlich sein würde. Am 1. Januar 1959 ergriff die Regierung Fidel Castros die Macht und bat die gesamte sozialistische Weltgemeinschaft um Hilfe. Nach Kuba kamen verschiedene Fachleute aus den Ländern des Warschauer Paktes: Aus Polen Spezialisten der Landwirtschaft, aus der Tschechoslowakei Polizisten, aus Bulgarien Techniker, Ärzte aus der UdSSR und Deutschlehrer aus der DDR; unter den Letztgenannten war auch ich. Nicht nur mir fiel es schwer, mich mit dem Klima und dem Alltag anzufreunden; außerdem lebten wir stets unter Aufsicht der sogenannten sowjetischen Nomenklatura*. Konflikte waren unumgänglich, aber heute, nach so vielen Jahren, muss ich schmunzeln, wenn ich daran zurückdenke.“

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