Die American Hebrew Academy bietet auch Schülern aus Deutschland die Möglichkeit ein Auslandsjahr in einem jüdisch-amerikanischen Umfeld zu verbringen 

März 8, 2019 – 1 Adar II 5779
AHA: Das neue jüdische Internat in den USA

 

Von Gitta Kleinberger

Die Nachfrage für ein High-School-Jahr ist ungebrochen. Im Schuljahr 2016/2017 waren über 16.000 Schüler für mindestens 3 Monate im Ausland. Jüdische Familien taten sich bisher schwer, ihren Kindern solch ein Auslandsjahr zu ermöglichen, weil ein Großteil der Programme die Unterkunft bei nicht-jüdischen Familien beinhaltet. Sie befürchten, dass sich ihre Kinder nicht wohl fühlen oder auf Unverständnis treffen.

Bis zu seiner Schließung im Jahr 1997 gab es das exklusive jüdische Carmel College. Seitdem jedoch boten sich wenig Alternativen. Eltern schicken ihre Kinder zu Verwandten in die USA oder nach Kanada oder nutzen das Naale Programm der Jewish Agency – ein Schul-Programm, das in Israel bis zum Abitur führt.

Die American Hebrew Academy will nun diese Lücke schliessen. Sie ist nach eigenen Angaben das weltweit einzige High-School-Internat in den USA. Allein in diesem Schuljahr besuchen sechs Schülerinnen aus dem Bundesgebiet das Internat in Greensboro/North Carolina. Schüler aus 38 Ländern lernen gemeinsam auf dem 40 Hektar großen Campus, unabhängig davon, welcher jüdischen Richtung ihre Familien in den Heimatländern angehören.

Ilana aus Düsseldorf und Joelle aus Frankfurt gehen seit einem halben Jahr auf die AHA, wie sie von den Schülern genannt wird. Die 16-jährige Ilana wünschte sich ausdrücklich, ihr Auslandsjahr in einem Internat zu verbringen. Die Gymnasiastin hatte von den Erfahrungen ihrer Schulkameraden gehört, die Pech mit ihrer Gastfamilie hatten, und wollte unter keinen Umständen in eine fremde Familie. Auch die Idee einer internationalen Schule mit kleinen Klassen sowie den Schwerpunkten Naturwissenschaften und Sport hatte sie begeistert, weil sie an ihrem Heimatgymnasium die Leistungskurse Latein und Biologie belegen wollte. „Ich habe hier meinen eigenen Labor-Arbeitsplatz und kann die unterschiedlichsten Bio-Kurse besuchen“, berichtet sie Stolz.

Andere Menschen am eigenen Erfolg teilhaben lassen

Chico Sabbah, ein erfolgreicher US-Unternehmer, eröffnete die Schule vor 18 Jahren mit dem Ziel, auch jüdischen Schülern ein Internat mit hohem intellektuellem Niveau anbieten zu können. Jüdische Graduates sollten die Ivy-League-Universitäten besuchen können und erfolgreich in Wissenschaft, Wirtschaft und Politik sein und den humanistisch-philanthropischen Gedanke verfolgen: Andere Menschen am eigenen Erfolg teilhaben lassen. Daher bietet die AHA mit ihren Stipendienprogrammen möglichst vielen guten Schülern die Möglichkeit einer privaten High-School.

Als hervorragende Schülerin, die auch sozial sehr aktiv ist, erhielt die Frankfurter Schülerin Joelle als erste Deutsche das renommierte Stipendium der American Hebrew Academy Honor Society. Joelle geht auf die Lichtigfeld-Schule, die seit einem Jahr mit der AHA kooperiert: „Überzeugt hat mich, dass die AHA ein Internat ist. Im Internat hat man Zimmerkameraden, mit denen man sich anfreunden kann und immer jemanden an seiner Seite.“

Für die sportbegeisterte Joelle ist die AHA genau die richtige Schule; Tennis- und Fussballplätze, Schwimm- und Sporthalle lassen keine Wünsche übrig. Inzwischen ist sie im Basketball-Team und will im Sommersemester zudem ihr Tennisniveau verbessern. Ihre Eltern hat das „Gesamtpaket“ überzeugt: „Wir sind traditionelle Juden. Joelle kann sich herauspicken, was sie an Religion braucht. Die Bildung ist ausgezeichnet, es gibt amerikanische und internationale Kinder – was will man mehr?“ zeigt sich ihr Vater Gidy zufrieden.

Rabbi Elieser Sneiderman ist Leiter des jüdischen Fachbereichs der American Hebrew Academy: „Wir sind eine pluralistische Schule. Unser Ziel ist es, die intellektuelle Neugier und Forschungsfähigkeit der Schüler zu entwickeln, die biblische Literatur zu würdigen und die Schüler zu ermutigen, ihre eigenen Erkenntnisse anzuwenden.“

Die Schüler können aus vier verschiedenen jüdischen Gottesdiensten wählen

Die High School bietet neben den Schwerpunkten Naturwissenschaften, Mathematik und Sport auch eine große Bandbreite zu den Themen der jüdischen Religion. Ob liberal, konservativ, orthodox oder sephardisch – den Schülern stehen am Freitagabend vier Gottesdienste zur Verfügung, aus denen sie wählen können. Fern von zu Hause sind die Kinder frei und suchen sich ihre eigenen Richtungen aus. Wer aus einem Reform-Elternhaus kommt, besucht vielleicht den sephardischen Gottesdienst oder den konservativen oder umgekehrt. Die jüdischen Feiertage werden gemeinsam gefeiert und die Schüler lernen ihre Religion neu zu entdecken, weil sie unterschiedliche Traditionen kennenlernen. Die AHA ist offen auch für die Schüler, bei denen nur der Vater jüdischen Glaubens ist. (…)

Wer Interesse hat, mehr über das jüdische Internat zu erfahren, kann sich an einem der Info-Tage informieren:

Anmeldungen: americanhebrewacademy@online.de

Berlin 6./7. April

Frankfurt 8. April

Düsseldorf 9. April

Amsterdam 15. April

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