April 6, 2018 – 21 Nisan 5778
Zedaka ist mehr als eine Spende

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Sie schafft das von G’tt gewollte Gleichgewicht  

Von Tom Brenner

Zedaka bezeichnet nach dem hebräischen Handwörterbuch von Wilhelm Gesenius das Richtige, Gebührende und schließlich das Recht selbst. Dies sind somit alles Begriffe, die versuchen eine Ordnung herzustellen. Wie dies auch Thomas Hobbes durch seinen Staatsvertrag zeigte. Er ist nötig, um den egoistischen und kriegerischen Naturzustand einzudämmen und friedliches menschliches Zusammenleben zu ermöglichen. Es bedarf einer rechtlichen Grundordnung, um ein friedliches Leben zu garantieren.

Verdeutlicht wird dies, wenn man das verwandte assyrische Wort sattukku, welches ein feststehendes regelmäßiges Opfer bezeichnet, anschaut. In dieser Vorstellung wird Gott ein Opfer dargebracht, um sich bei ihm beispielsweise für die gute Ernte oder den gewonnenen Krieg zu bedanken. Der Mensch versucht somit, in dem er Gott etwas zurückgibt, die Ordnung der Welt aufrecht zu erhalten.

Ein ähnliches Prinzip findet man in der ägyptischen Mythologie. Dort ist es die Göttin Maat, die für Wahrheit, Gerechtigkeit und Richtigkeit steht. Sie verkörpert das Gleichgewicht zwischen fruchtbarem Tal und Wüste genauso, wie den zwischen Gut und Böse. Man sagte, sie regiere, wenn die Menschen friedlich und gemäß der göttlichen Ordnung lebten. Somit behaupteten auch alle Pharaonen durch Maat zu regieren und auch sie zu erhalten.

Beispiele zu Zedaka finden sich aber auch in der Thora. Im Parashat Lech Lecha heißt es:

„Und er glaubte dem Ewigen. Und der rechnete es ihm als Gerechtigkeit an.“

Dieses Glaubensbekenntnis taucht in der Landes- und Sohnesverheißung G´ttes an Awraham auf. Es ist ein Verhältnisbegriff zur Bestimmung, wer sich dem bestehenden Gemeinschaftsverhältnis konform verhält. In diesem Fall findet man eine Anspielung auf das Bundesverhältnis, in dem G´tt gerecht ist, sowie er den Bund hält und der Mensch gerecht ist, solange er den Bund und die Gebote bejaht.

Ein weiterer Beleg findet sich in Parashat Ekew, in dem es heißt:

„Sprich nicht in deinem Herzen, da der Ewige dein G´tt, sie vertreibt vor dir, indem du sprichst: Um meiner Gerechtigkeit willen hat mich hergebracht der Ewige, einzunehmen dieses Land, da um der Ruchlosigkeit dieser Völker willen der Ewige sie vor dir vertreibet. Nicht um deiner Gerechtigkeit und deines Herzens Geradheit willen kommst du dahin, ihr Land einzunehmen, sondern um der Ruchlosigkeit dieser Völker willen vertreibt sie der Ewige, dein G´tt, vor dir und damit er aufrechthalte das Wort, welches der Ewige deinen Vätern geschworen, Awraham, Jizchak und Jaakow. So erkenne, dass nicht um deiner Gerechtigkeit willen der Ewige, dein G´tt, dir dieses schöne Land geben wird, es einzunehmen, denn ein hartnäckiges Volk bist du.“

Dieser Abschnitt beschreibt die Situation vor bzw. kurz nach der Landnahme. Das Volk Israel hat viel stärkere Völker – beispielsweise die Anakiter – mit Hilfe G´ttes niedergeschlagen. Aber das Volk Israel soll nicht denken, dass G´tt ihnen half, weil sie sich selbst wohlverhalten haben. Vielmehr wollte er die dortigen Völker wegen ihrer Verderbtheit verjagen, um Ordnung im verheißenen Land herzustellen.

Interessant bei den biblischen Beispielen ist, dass Zedaka immer in Verbindung mit dem verheißenen Land auftaucht. Dies verwundert aber nicht wirklich, denn eine Verheißung ist eine Vorsehung, also der Plan G´ttes. Dieser Plan soll gemäß der göttlichen Ordnung ablaufen. Entweder indem G´tt durch sein Volk wirkt oder Gott direkt in die Heilsgeschichte eingreift. Nach dem Verständnis der Thora ist Zedaka nur herzustellen bzw. einzuhalten, wenn sich das Volk Israel im verheißenen Land befindet.

In der hellenistischen Übersetzung der Septuaginta wird in den oberen beiden Abschnitten das Wort „dikaiosunae“ für Zedaka verwendet. Dieses Wort beschreibt neben der Gerechtigkeit auch die Rechtspflege bzw. die Tätigkeit, die von einem Richter ausgeführt wird.
In rabbinischer Zeit setzt sich dieses Prinzip weiter fort. In bAboth II,VII heißt es:

„… Mehr Thora, mehr Leben; mehr Schule, mehr Weisheit; mehr Beratung, mehr Einsicht; mehr Gerechtigkeit, mehr Frieden.“

Diesem Ausspruch geht Jesaja 32,17 voraus in dem es heißt:

„Und der Gerechtigkeit Frucht wird Friede sein und der Gerechtigkeit Nutzen wird ewige Stille und Sicherheit sein…“.

Somit ist Zedaka sowohl Garant für Ordnung als auch für Frieden. Ebenfalls in Pirke Aboth steht geschrieben: „R. Simon sagte: Borgen und nicht bezahlen, ob man von Menschen borgt oder von Gott borgt, denn es heißt: es borgt der Gottlose und bezahlt nicht, der Fromme aber ist gerecht und gibt. (bAboth II,XIV)“ Hier wird eine Verbindung geschaffen von dem Bund G´ttes mit seinem Volk Israel zu der Gemeinschaft der Menschen untereinander, denn beides ist gegen die Zedeka, die von G´tt geschenkte Ordnung. (…)

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