Interview mit Ursula Subatzus vom Jüdischen Museum in Rom über die älteste jüdische Gemeinde außerhalb Israels  

JÜDISCHE RUNDSCHAU: Frau Subatzus, sie arbeiten im Jüdischen Museum von Rom…?

Subatzus: Das ist richtig, ich arbeite seit 1996 im Museum der Synagoge in Rom. Wir sind hier gut besucht, Besucher aus Deutschland kommen zu uns, Schulklassen und andere Gruppen, um das Museum hier zu bestaunen.

JÜDISCHE RUNDSCHAU: Es ist schon etwas Besonders, wenn man als Deutscher sagen kann ‚Ich lebe in der Ewigen Stadt‘. Was an dieser Stadt hat Sie angezogen?

Subatzus: Der Grund war eigentlich mein Mann. Ich habe meinen Mann 1973 kennengelernt und bin dann 1974 nach Rom gekommen. Mein Mann ist Amerikaner, er ist aber in Italien aufgewachsen. So sind wir eigentlich eine ganz internationale Familie [lacht]. Rom ist eine faszinierende Stadt, in der ich mich gerne niedergelassen habe.

JÜDISCHE RUNDSCHAU: Das Judentum in Rom ist einzigartig. Sie haben hier im Museum einen besonderen Einblick in ihre Geschichte. Was zeichnet das Judentum in Italien und in Rom aus?

Subatzus: Die Tatsache, dass die Juden nie aus Rom vertrieben wurden. Die ersten Juden kamen im 2. Jahrhundert v.d.Z. nach Rom und sind seither präsent. Sie wurden in ein Ghetto gesteckt, sie wurden verfolgt – alles das stimmt – aber nie wurden sie ausgewiesen. Das bedeutet, dass die jüdische Gemeinde Roms, als älteste Gemeinde von Anfang an durchgängig existiert. Das ist etwas phantastisches und es gibt daher viel über das Judentum hier zu erzählen.

JÜDISCHE RUNDSCHAU: Die älteste Synagoge in Europa ist die Synagoge in Ostia (die alte Hafenstadt von Rom). Die Synagoge hier in der Innenstadt ist etwas neuer. Könnten Sie etwas über diese Synagoge erzählen?

Subatzus: Diese Synagoge wurde 1904 gebaut. Sie ist im Augenblick die größte Synagoge von den 18 Synagogen Roms. Sie ist die erste Synagoge, die nach der Ghetto-Zeit gebaut wurde. Die Ghetto-Zeit dauerte in Rom von 1555 bis 1870. Das Ghetto löst sich auf, weil die Päpste mit der Einigung Italiens ihre politische Macht verloren hatten, was das Ende des Ghettos bedeutete. Im Ghetto gab es ein Gebäude mit fünf Synagogen, weil der Papst nur ein Gebetshaus erlaubte. So wurde die Lösung gefunden, alle Traditionen in einem Gebetshaus zu vereinen. Die verschiedenen Traditionen waren also alle dort zugegen. Aus diesen Synagogen stammt der Großteil dessen, was wir hier im Museum bewundern können.
Wir haben hier ungefähr 900 Stoffe, sehr wertvolle handgestickte Hoffe und sehr viel Silber, das aus der Ghetto-Zeit stammt und im Museum ausgestellt wird.

JÜDISCHE RUNDSCHAU: Die römischen Juden waren für ihre Stoffe sehr bekannt…

Subatzus: Ja, den Juden wurde damals vom Papst aufgetragen Lumpen zu sammeln. Wenn man sich die Stoffe heute ansieht, kann man erkennen, dass es sich keinesfalls um Lumpen handelt, sondern um gebrauchte Stoffe, die dann von den Frauen bestickt wurden.

JÜDISCHE RUNDSCHAU: Wurden die Stoffe auch exportiert?

Subatzus: Damals gab es noch kein Verhältnis zu anderen Gemeinden. Diese Stoffe sind alle in Rom entstanden und wurden hier in Rom gebraucht. Einige von diesen Stoffen wurden dann für große Feiertage verliehen.

JÜDISCHE RUNDSCHAU: Das erste Gebetshaus hatte fünf Synagogen in sich eingeschlossen. Wie sieht es mit der Synagoge heute aus? Gibt es noch Überreste dieser fünf?

Subatzus: Die fünf Synagogen wurden 1908 abgerissen, aber ein Großteil existiert noch heute, da sie in die heutige Synagoge mit eingebaut wurden – hier in der großen Synagoge und in der kleinen spanischen Synagoge in Rom. (…)

Komplett zu lesen in der Druck- oder Onlineausgabe der Zeitung. Sie können die Zeitung „Jüdische Rundschau“ hier für 39 Euro im Papierform abonnieren oder hier ein Onlinezugang zu den 12 Ausgaben für 33 Euro kaufen.


Sie können auch diesen Artikel komplett lesen, wenn Sie die aktuelle Ausgabe der "Jüdischen Rundschau" hier online mit der Lieferung direkt an Sie per Post bestellen oder jetzt online für 3 Euro statt 3,70 Euro am Kiosk kaufen.

Brief an die Redaktion schreiben