Juni 8, 2015 – 21 Sivan 5775
Wir müssen reden!

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Antisemitismus-Bekämpfer aus aller Welt trafen sich in Tel Aviv zum Gespräch  

  • Juni 8, 2015 – 21 Sivan 5775
  • Israel
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Von Karl Pfeifer

(…) Einige Reden zu verbieten bedeutet nicht, alle Reden zu verbieten. Es gibt seiner Meinung nach keinen Widerspruch zwischen dem Recht auf freie Rede und dem Recht auf Freiheit von Blasphemie.

Das Verbot von Blasphemie bedeutet, die Gläubigen zu schützen vor Beleidigung und uns zu schützen vor einer Verletzung des Friedens, die das Verbrechen der Beleidigung im Gläubigen provozieren kann. Ein Verbot der Aufstachelung zum Hass bedeutet seiner Meinung nach, uns vor denjenigen zu schützen, die aufgestachelt sind.

Ein Verbot der Aufwiegelung zum Hass schütze Menschen, ein Verbot der Blasphemie schütze nur Texte bzw. Lehrmeinungen.

Ein Grund die Meinungsfreiheit zu schützen, ist das Streben nach Wahrheit. Das Verbot der Blasphemie verhindert die Suche nach der Wahrheit. Ein Beispiel: Galileo wurde im 17. Jahrhundert der Blasphemie beschuldigt, aufgrund seiner Erkenntnisse, dass die Erde sich um die Sonne dreht. Wenn wir noch die während des 17. Jahrhunderts gültigen Blasphemie-Gesetze hätten, könnten wir bis heute gehindert werden zu sagen, dass die Erde sich um die Sonne dreht. Oder nehmen wir ein Beispiel aus der Medizin, die Erforschung der menschlichen Anatomie. Bis zum 17. Jahrhundert gab es nur die Theorie des griechischen Arztes Galen aus dem 2. Jahrhundert nach Christus, die auf der Sezierung von Affen basierte. Der Flame Vesalius kam im 16. Jahrhundert zu einer genaueren Anatomie – wie man erwarten könnte, durch die Autopsie von Menschen. Er wurde in Italien, wo er lehrte, mit Strafverfolgung wegen Blasphemie bedroht, weil das Überprüfen des menschlichen Körpers als ein Akt der Degradierung betrachtet wurde. Um der Inquisition zu entkommen, beendete er seinen Unterricht. Wenn die Blasphemie-Gesetze des 16. Jahrhunderts noch gelten würden, wäre die moderne Medizin unmöglich.

Die Aufstachelung zum Hass dient keinem ähnlichen Zwecke der Wahrheitssuche. Es ist eine absurde Position zu sagen, dass vielleicht rassistische Äußerungen wahr sind, dass die Juden die Welt kontrollieren, dass Schwarze weniger intelligent sind als Weiße und so weiter. Der bloße Vorschlag, dass diese Äußerungen wahr sein könnten, legitimiert sie, was wir nicht tun sollten.

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