April 2, 2015 – 13 Nisan 5775
„Wir haben unsere Klagemauer errichtet“

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Kaum jemand half den kleinen Leuten von Chaschtschuwate  

Von Irina Marmer

An die untenstehenden Informationen ist die „Jüdische Rundschau“ ganz zufällig gekommen. Es fing damit an, dass unsere russischsprachige Schwesterzeitung „Evrejskaja Panorama“ in ihrer ersten Ausgabe eine kurze Agenturnachricht über eine Gedenkstätten-Eröffnung in dem ukrainischen Dorf Chaschtschuwate abdruckte. Gleich danach rief bei der Redaktion eine aufgebrachte Leserin an, die den Redakteuren der Faktenverdrehung beschuldigte. Bei dem Gespräch bestritt die Frau vehement die Behauptung, dass die jüdische Gemeinde und die Kommunalverwaltung vor Ort die Errichtung des Mahnmals tatkräftig unterstützt hätten. Wir haben die Leserin um Kontaktvermittlung gebeten und freuen uns, unseren Lesern die von der ukrainischen Journalistin Irina Marmer erzählte Geschichte von der Errichtung eines den größten Mahnmale Europas für ermordete Juden präsentieren zu können.

So lange ich lebe, gab es noch nie eine solche Situation: Dass wir an den Gräbern unserer unschuldig ermordeten Vorfahren stehen und nicht daran denken, wie wir deren Andenken verewigen, sondern darüber, ob heute noch weitere unsere Landsleute umgebracht und unsere Häuser zerstört werden. Bei so einem traurigen Hintergrund empfindet man das Geschehen vor 73 Jahren in dem kleinen Dorf im Kirowograder Gebiet, wo mehr als tausend friedlichen jüdische Menschen – Frauen, Greisen und Kindern – umgebracht wurden, als besonders symbolisch auch für die Gegenwart.
1945 ging der Krieg zu Ende und die Männer kehrten von der Front nach Chaschtschuwate zurück. Dort haben sie weder ihre Häuser noch ihre Familien vorgefunden. Aus dem selben Lehm, in dem ihre Eltern, Frauen und Kinder begraben wurden, haben sie auf dem Ort der Tragödie ein kleines Denkmal errichtet, das da bis heute steht.

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Keine einzige Wohltätigkeitsstiftung, keine einzige jüdische Einrichtung, kein einziger ukrainischen Oligarch jüdischer Abstammung und keine staatliche Institution wollte das Projekt unterstützen. Die ukrainischen Rentner und deren in unterschiedlichen Ländern lebende Kindern haben das Projekt in Eigenregie gemeistert, wofür jedem von ihnen tiefe Dankbarkeit gebührt. Sie haben eine gute Tat geleistet. Leider nur sie…

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Alle Leser der „Jüdischen Rundschau“, die mehr über die Gedenkstätte in Chaschtschuwate erfahren möchten oder bereit sind, das Projekt zu unterstützen, verweisen wir auf den Leiter der ukrainischen gemeinnützigen Stiftung „Die Gedenkstätte der Tragödie in Chaschtschuwate“, Herrn Efim Marmer, erreichbar unter der Email-Adresse marmer.st@gmail.com.

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