Mai 11, 2016 – 3 Iyyar 5776
Wie stehen die britischen Juden zum Brexit?

image

Europas zweitgrößte Gemeinde in der britischen Parteienlandschaft  

Von Marius Bischoff

Als der britische Premierminister David Cameron (Conservative and Unionist Party) am 23. Januar verlauten ließ, dass es zu einer Abstimmung über die EU-Mitgliedschaft Großbritanniens, dem so genannten Brexit, am 23. Juni 2016 kommen wird, löste dies vor allem innerhalb der Europäischen Union heftige Kritik aus. Seitdem sind vor allem die Wirtschaft und die Menschen ausländischer Herkunft in Großbritannien verunsichert.

Offiziell setzt sich Cameron für einen Verbleib in einer „flexibleren, anpassungsfähigeren und offeneren“ EU ein. Nach Ansicht des Premiers wird es dazu kommen, dass Großbritannien aus der Europäischen Union driften wird, sollte es nicht zu grundlegenden Veränderungen und tiefgreifenden Reformen innerhalb der Staatengemeinschaft kommen. Auch in der britisch-jüdischen Gemeinde hat sich eine Debatte um einen möglichen Brexit entfacht.

Wer sind die britischen Juden?
Mit 300.000 Mitgliedern stellt Großbritannien die zweitgrößte jüdische Gemeinschaft in Europa nach Frankreich mit seinen 600.000 Juden dar. Zwei Drittel aller Juden lebt im Großraum London, besonders im Norden der Stadt, sowie im Ballungsraum Manchester. Laut des britischen Zensus aus dem Jahr 2011 haben britische Juden im Durchschnitt ein höheres Bildungsniveau und Qualifikationen im Vergleich zur allgemeinen Bevölkerung: Mit einer 80-prozentigen Wahrscheinlichkeit haben sie „eine höhere akademische Ausbildung“.

Wo stehen die britischen Juden politisch?
Gemäß einer Umfrage des „Jewish Chronicle“ von Anfang 2015 neigen britische Juden dazu, politisch eher konservativ zu sein. Es ist deutlich erkennbar, dass von den befragten britischen Juden 69 % für die Conservative and Unionist Party stimmen, während nur 22 % für die linke Labour-Partei stimmen würden. Es gab wenig jüdische Unterstützung für die UK Independence Party (UKIP) um Nigel Farrage oder die Liberaldemokraten mit nur jeweils um die 2 %. Dies steht im signifikanten Gegensatz zum Rest der wahlberechtigten britischen Bevölkerung, bei der nach einer BBC-Umfrage Konservative und Labour jeweils etwa ein Drittel der Stimmen auf sich vereinigen konnten.

Juden sind in der Regel Teil der britischen Mittelklasse, die traditionell eher Heimat der Conservative and Unionist Party gewesen sind, wohingegen die Anzahl der Juden in der Arbeiterschicht, vor allem in London, in den letzten Jahren zurückgegangen ist. Zurzeit wählt der Hauptwählerblock der ärmeren Juden in Großbritannien – in erster Linie Ultraorthodoxe – en masse die konservative Partei Camerons. Es ist wichtig zu beachten, dass die Einstellung gegenüber Israel bei 75 Prozent der britischen Juden eine durchaus wichtige Rolle spielt. Laut dem „Jewish Chronicle“ genießt Cameron in erheblichen Maße Unterstützung innerhalb der jüdischen Gemeinde: 64 Prozent der Befragten gaben in der Umfrage an, dass Cameron die beste Haltung gegenüber dem britischen Judentum vertritt. (…)

Komplett zu lesen in der Druck- oder Onlineausgabe der Zeitung. Sie können die Zeitung „Jüdische Rundschau“ hier für 39 Euro im Papierform abonnieren oder hier ein Onlinezugang zu den 12 Ausgaben für 33 Euro kaufen.


Sie können auch diesen Artikel komplett lesen, wenn Sie die aktuelle Ausgabe der "Jüdischen Rundschau" hier online mit der Lieferung direkt an Sie per Post bestellen oder jetzt online für 3 Euro statt 3,70 Euro am Kiosk kaufen.

Brief an die Redaktion schreiben