Der unzumutbare Status quo von Hebron lässt erahnen wie es den Juden in einem geteilten Jerusalem ergehen würde  

Von Stefan Frank

Eine Zeitlang war es um Hebron recht ruhig geworden – zumindest, was die Wahrnehmung der Stadt in der internationalen Presse betrifft. Diesen Monat wurde wieder Notiz von ihr genommen: Auf Antrag einiger arabischer Länder hat die UNESCO Hebron und die Grabstätte der Patriarchen zum „gefährdeten“ „palästinensischen Weltkulturerbe“ ernannt.
 
Der archäologische Dschihad gegen Israel und die Juden geht weiter. Schon seit langem streitet die UNESCO den Juden jedes Recht an ihren Heiligtümern ab, sei es die Höhle der Patriarchen, Rachels Grab, der Tempelberg oder die Westmauer. Juden werden ihrer Vergangenheit beraubt – so, wie die Nationalsozialisten Heinrich Heines „Lied von der Loreley“ zum „Volkslied“ eines „unbekannten Verfassers“ machten, um jegliche jüdische Spur zu tilgen.

Hebron ist eine der ältesten jüdischen Städte, schon vor Jahrtausenden lebten dort Juden. Im 2. Buch Samuel, Kapitel 2 lesen wir: „Nach dieser Geschichte fragte David den HERRN und sprach: Soll ich hinauf in der Städte Juda’s eine ziehen? Und der HERR sprach zu ihm: Zieh hinauf! David sprach: Wohin? Er sprach: Gen Hebron.“ Und weiter heißt es: „Die Zeit aber, da David König war zu Hebron über das Haus Juda, war sieben Jahre und sechs Monate.“

Jüdischer als Hebron kann eine Stadt wohl nicht sein. Und doch – oder vielleicht gerade deshalb? – bringt kaum etwas die Feinde Israels so in Rage wie Juden, die in Hebron leben, in ihrer ureigensten Stadt. Das ist auch deshalb so merkwürdig, weil der Status Hebrons ja in einem bilateralen Abkommen geregelt ist, das der damalige israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu 1997 mit Jassir Arafat, dem seinerzeitigen Präsidenten der Palästinensischen Autonomiebehörde, geschlossen hat. Es war eines der wenigen konkreten Abkommen, zu deren Unterzeichnung Arafat bereit war.

Das war kein Wunder: Ihm wurde etwas gegeben, was er vorher nicht besessen hatte (die Kontrolle über 80 Prozent von Hebron), ohne dass er irgendeine Gegenleistung hätte erbringen müssen. Das passte in die Strategie des im Juni 1974 von Zentralkomitee der PLO verabschiedeten „Phasenplans“, der vorsieht, dass die PLO die Kontrolle über jedes Gebiet antritt, das sie durch bewaffneten Kampf „befreit“ hat, um von dort aus den Krieg gegen Israel weiterzuführen.

Arafat lehnte alle Angebote ab
Als Netanjahu und Arafat vor 20 Jahren den Vertrag über die Aufteilung Hebrons unterzeichneten, galt dies als Meilenstein der bilateralen Verhandlungen und Muster für zukünftige Abkommen über die Aufteilung von Territorien und den Verlauf der Grenzen. „Einmal mehr haben die Kräfte des Friedens über eine Geschichte des Zwistes gesiegt“, kommentierte der damalige US-Präsident Bill Clinton. Doch bekanntlich weigerte sich Arafat danach beharrlich, über einen weitergehenden Friedensvertrag auch nur zu verhandeln. Als Clinton ihn im Sommer 2000 zusammen mit dem israelischen Ministerpräsidenten Ehud Barak nach Camp David einlud, um kurz vor Ende von Clintons Amtszeit noch ein Friedensabkommen zu besiegeln, lehnte Arafat nicht nur Baraks großzügiges Angebot ab, einen arabisch-„palästinensischen“ Staat mit Ostjerusalem als Hauptstadt zu gründen; er selbst machte nicht einmal einen Gegenvorschlag. Der damalige amerikanische Vermittler Dennis Ross erinnert sich:

„Tatsächlich hat er selbst während der 15 Tage keine einzige Idee vorgebracht. … Die einzige neue Idee, die er in Camp David vorgebracht hat, war, dass der Tempel nicht in Jerusalem gestanden habe, sondern in Nablus.“

Das ist symptomatisch: Vielleicht fasste Arafat just in Camp David den Plan, den Juden international jegliche Verbindung zu ihrem Land streitig zu machen. Die Welt, das wusste Arafat, bestraft nicht seine Weigerung, irgendeine diplomatische Verständigung zu suchen, sondern bestraft immer nur die Israelis. Das zeigt sich auch darin, dass die Juden überhaupt keine Anerkennung dafür bekommen, dass sie 80 Prozent von Hebron weggegeben haben.
Selbst die 20 Prozent, die der von Arafat mitunterzeichnete Vertrag den Juden zuspricht, gönnt man diesen nicht. (Was das für eine hypothetische Aufteilung Jerusalems bedeuten würde, ist klar. Je mehr Territorium Israel abgibt, desto aggressiver drängen seine Feinde nach).

Die „Siedler“
Juden, die in Hebron leben, werden in der europäischen Presse fast immer „Siedler“ genannt. In einem Beitrag über die Entscheidung der UNESCO schreibt „Spiegel Online“: „Hebron ist seit 1998 geteilt – ein Teil wird kontrolliert von der Palästinensischen Autonomiebehörde und ein Teil von Israel. Dort, geschützt vom israelischen Militär, mitten im Zentrum, wohnen 800 jüdische Siedler. Eine einzigartige Situation, denn andernorts im Westjordanland haben sie separate Siedlungen auf palästinensischem Grund errichtet. Laut UNO verstoßen sie damit gegen internationales Recht.“

Gerne würde man genauer erfahren, gegen welchen Artikel des „internationalen Rechts“ sie eigentlich verstoßen. Wenn überhaupt ein juristisches Argument angeführt wird (in der Regel geschieht das nicht), dann wird meist auf Artikel 49 der Vierten Genfer Konvention Bezug genommen, die den Schutz von Zivilisten in Kriegszeiten regelt. Er lautet:

„Zwangsweise Einzel- oder Massenumsiedlungen sowie Deportationen von geschützten Personen aus besetztem Gebiet nach dem Gebiet der Besetzungsmacht oder dem irgendeines anderen besetzten oder unbesetzten Staates sind ohne Rücksicht auf ihren Beweggrund verboten.“

Zukünftige Genozide verhindern
Trifft diese Beschreibung auf die Situation in Hebron und den übrigen Teilen von Judäa und Samaria zu? Eli Hertz, Autor zahlreicher Bücher über den israelisch-arabischen Konflikt und Betreiber der Website Myths & Facts, kommentiert: „Es ist schwer, die haltlose Behauptung des Internationalen Strafgerichtshofs zu glauben, wonach Israel, das einzig freie und demokratische Land im Nahen Osten ‚Deportationen’ und ‚zwangsweisen Umsiedlungen’ seiner eigenen Bevölkerung in die ‚besetzten Gebiete’ vornähme.“ (…)

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