September 5, 2015 – 21 Elul 5775
Wer von Geschichte keine Ahnung hat, hat auch von Politik keine Ahnung

Uwe Kekeritz will Israel bestrafen und verharmlost eine Diktatur

Von Monty Maximilian Ott

Nach den Gaza-Demonstrationen des letzten Jahres ist man es wieder gewohnt, dass Antisemitismus und einseitige Parteinahme gegen Israel ganz offen zu Tage treten. Diese Chance nutzte der
Bundestagsabgeordnete Uwe Kekeritz (Grüne), um die deutsche Geschichte neu zu schreiben. In seiner Geschichtsschreibung ist die deutsche Mauer „nur ein Spielzeug“ gegenüber dem, was in
Israel steht. Die Vorwürfe sind gar nicht mal so neu. Wer sich unter „antiimperialistischen Linken“
bewegt, wird sie wohl das ein oder andere Mal schon zu hören bekommen haben: Die Mauer/Zaun in Israel ist Zeichen des „Apartheidsstaates“, sie ist tausendmal schlimmer als der ehemalige Berliner Todesstreifen.

Etwas Ähnliches gab nun Uwe Kekeritz auf einer Podiumsdiskussion auf dem Evangelischen Kirchentag zum Besten. Bei dem Titel der Veranstaltung war allerdings schon fast klar, dass es zu einem solchen Eklat kommen würde: „Das Schweigen in der Politik brechen“. Diese Veranstaltung war Teil des Thementages „Gerechtigkeit schafft Frieden in Palästina und Israel“, die im Rahmen des evangelischen Kirchentages 2015 vom KAIROS-Palästinanetzwerk, der „Pax Christi“-Kommission Nahost und der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen in Baden-Würtemberg veranstaltet wurde. Die Leser der JÜDISCHEN RUNDSCHAU ahnen es schon. Gerechtigkeit muss geschaffen werden – ist also nicht vorhanden. Wer dafür verantwortlich ist, dürfte klar sein. (…)

Was folgt sind typische Ressentiments gegen Israel, in welchen nicht nur Israel mit der Diktatur DDR gleichgesetzt wird, sondern gleichermaßen alle Mauertoten (und jene, die „nur“ zum Krüppel geschossen wurden) auf eine unangemessene Art verhöhnt werden.
Wenn man ganz wohlmeinend auf Kekeritz‘ Aussagen schaut, kann man ihm zugute halten, dass die israelische Mauer in der Tat an einigen Stellen höher ist als die Berliner Mauer. Dass aber ein Parlamentarier so wenig Ahnung von den unterschiedlichen Charaktere dieser beiden
Bollwerke hat, ist erschreckend. In der Geschichte gab es viele Mauern, von der chinesischen über die US-Mexiko-Mauer bis zur israelischen Mauer. Ihnen allen ist gemeinsam, dass sie Menschen draußen halten wollten. Die Berliner war die einzige, die Menschen drinnen halten wollte,
sie einsperrte. Im Unterschied zur Berliner Mauer gibt es an der israelischen Mauer keinen
Schießbefehl, Menschen können sie passieren, sie ist nicht unüberwindlich. Es gibt keinen Todesstreifen. Es gibt auch nicht wie an der innerdeutschen Grenze Selbstschussanlagen oder Minen. Und im Gegensatz zum „Antifaschistischen Schutzwall“ ist die Mauer in Israel tatsächlich ein
„Schutzwall“. Seit seiner Errichtung ging die Zahl der Mordanschläge in Israel drastisch zurück. Alles Details, die Uwe Kekeritz unwichtig erscheinen. Dass Annette Groth, deren Partei vor nicht allzulanger Zeit noch SED hieß, nicht widerspricht, kann kaum überraschen.

Doch die Frage, die sich an Kekeritz’ Ausführungen mitanschließt ist die Folgende: Kekeritz erklärt, dass er seine Einstellungen dadurch gewann, dass er von „Misereor“ (katholische Kirche) und „Brot
für die Welt“ (evangelische Kirche) – man lese und staune, für was die Kirchen ihre Gelder aus Kirchensteuern und Staatsgeschenken ausgeben – zu einer Reise nach „Israel und in die Palästinensischen Gebiete“ eingeladen wurde. (…)

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