März 4, 2016 – 24 Adar A 5776
Wer sind eigentlich die Tscherkessen?

image
  • März 4, 2016 – 24 Adar A 5776
  • Israel
  • 3103 mal gelesen

Von Monika Winter

Neben den Drusen dienen auch Angehörige des wenig bekannten Volkes der Tscherkessen in der israelischen Armee und stehen loyal zu Israel.

Doch wer sind eigentlich die Tscherkessen? Die Tscherkessen sind eine moslemisch geprägte Volksgruppe, die zur westlichen Gruppe der Kaukasusvölker gehört. Wahrscheinlich traten sie schon im Altertum unter dem Namen „Sychen“ auf. Es entwickelte sich ein Kultur- und Handelspunkt am Schwarzen Meer. Verbindungen bestanden zum antiken Griechenland, insbesondere zu Athen, wo die Tscherkessen auch an den Olympischen Spielen teilnehmen. Später bildeten die Tscherkessen aus einzelnen Stämmen eine Volksgruppe. Im 13. Jahrhundert wurden sie von den georgischen Königen unterworfen und konvertierten zum Christentum, 1424 errangen sie wieder ihre Unabhängigkeit. Damit blieben sie erst einmal außerhalb des arabischen und moslemischen Einflusses.

Erst Anfang des achtzehnten Jahrhunderts, während der russischen Invasion im Kaukasus und der Vertreibung der Tscherkessen, konvertierten diese zum Islam als sie eine Allianz mit den türkischen Ottomanen und den Krimtataren schlossen.

Urheimat Kaukasus
Fast 100 Jahre lang hatten die unterschiedlichen Stämme der Tscherkessen Widerstand gegen die russische Kolonisation des Kaukasus geleistet. Schließlich unterlagen sie der Übermacht des russischen Militärs, das mit größter Brutalität gegen die Menschen im Kaukasus vorging. Es kam zu Vertreibungen und Morden. Tscherkessen sprechen von einem Völkermord. Trotz alledem gelang es ihnen ihre Kultur und Sprache zu bewahren.

Heute sind die Tscherkessen ein Volk ohne eigenen Staat. Am ersten Tag der Olympischen Spiele in London protestierten junge Tscherkessinnen und Tscherkessen gegen die Olympischen Winterspiele 2014 im russischen Sotschi. Sotschi verkörpert für die Tscherkessen ihre historische Heimat, aus der sie von der zaristischen Armee 1864 vertrieben wurden. Heute fliehen sie aus dem Kriegsgebiet in Syrien. Viele der über 80.000 syrischen Tscherkessen wünschen sich in den Nordkaukasus zurückkehren zu können.

Tscherkessen in Israel
Über 4.000 Tscherkessen leben in Israel. Sie sind integriert im öffentlichen Leben und verrichten zuverlässig und loyal den Wehrdienst bei der israelischen Armee. Nach der Grundausbildung leisten sie ihren Eid auf den Staat Israel. 1958 forderte die tscherkessische Führung eine Einschreibung aller tscherkessischen Männer ins israelische Militär, manche Tscherkessen finden sich im israelischen Polizeidienst. Die Tscherkessen sind sunnitische Moslems und leben einen gemäßigten Islam.
Zwei tscherkessische Dörfer finden sich in Israel, nämlich Rihanya und Kfar-Kama, beide im Norden gelegen. Dort siedelten sie sich 1880 an. Die Tscherkessen in Israel hatten in der Vergangenheit sowie heute die Freiheit ihre Sprache Kultur und Traditionen zu pflegen. Sicherlich trägt auch die Sprache und Kultur, die sie sich mit jüdischen Einwanderern aus Russland teilen, in Israel zu den guten Beziehungen bei. In beiden Dörfern wird die tscherkessische Sprache im Schulunterricht gelehrt, dadurch wird für die junge Generation die Muttersprache erhalten.

Im Vergleich zu den Beziehungen zwischen den „Palästinensern“ und den Juden, ist die Beziehungen zwischen den Tscherkessen und Juden überhaupt nicht problematisch. Das größere Dorf Kfar-Kama hat jüdische Siedlungen als Nachbarn, während Rihanya näher zu arabischen Siedlungen liegt. In Kfar-Kama befindet sich sogar ein tscherkessisches Museum. (…)

Komplett zu lesen in der Druck- oder Onlineausgabe der Zeitung. Sie können die Zeitung „Jüdische Rundschau“ hier für 39 Euro im Papierform abonnieren oder hier ein Onlinezugang zu den 12 Ausgaben für 33 Euro kaufen.


Sie können auch diesen Artikel komplett lesen, wenn Sie die aktuelle Ausgabe der "Jüdischen Rundschau" hier online mit der Lieferung direkt an Sie per Post bestellen oder jetzt online für 3 Euro statt 3,70 Euro am Kiosk kaufen.

Brief an die Redaktion schreiben

Email This Page