Das Judentum gehört zu Deutschland!  

Von Monty Maximilian Ott

(…) Das Fortschreiten der Emanzipation öffnete Bereiche, die für Juden lange Zeit verschlossen waren, wie Politik und Wirtschaft. Im Nachkriegsdeutschland wurde die akademische Erforschung des politischen Systems durch eine jüdische Persönlichkeit geprägt: Ernst Fraenkel, der Vater der modernen Politikwissenschaft. Als humanistischer Jude vor den Nazis in die USA geflohen, kam er über Korea zurück nach Deutschland und lehrte in Berlin. Und er war nicht der Einzige, der nach dem schrecklichsten Verbrechen zurückkam und entscheidende Akzente in der Gesellschaft setzte.
Nach einer dunklen Zeit, in der Kultur und Wissenschaft durch pseudo-arischen Stumpfsinn ersetzt wurden, kehrten mit den Exilanten viele kritische Stimmen zurück. Unter ihnen war auch der einflussreichste deutsche Literaturkritiker des 20. und 21. Jahrhunderts, Marcel Reich-Ranicki. Reich-Ranicki und das Literarische Quartett wurden zu Institutionen der bundesrepublikanischen Kulturszene und für die jüngere Generation bleibt sein Auftritt bei der Vergabe des deutschen Fernsehpreises 2008 unvergessen.

Für eine bunte Abendgestaltung sorgte nicht nur das Literarische Quartett, sondern auch der Berliner Nachtclubbesitzer Rolf Eden, der aus dem Nachtleben der Hauptstadt nicht mehr wegzudenken ist. Eden wurde als Kind einer jüdischen Familie in Berlin geboren, die im Anschluss an die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler in das britische Mandatsgebiet Palästina geflohen war. Edens Name steht heute für unvergessliche Partys und gäbe es im Lexikon einen Artikel zum deutschen Playboy, würde ein Bild von dem gebürtigen Berliner daneben abgebildet sein. Wendet man den Blick von Eden ab und betrachtet die Hauptstadt in Gänze, findet man ein Sammelsurium an jeckischer Jiddischkeit. Das beginnt schon bei der Sprache: seitdem Juden sich wieder in Berlin niederlassen durften, hielt Jiddisch Einzug in den Berliner Jargon. Meschugge? Ganz und gar nicht. Denn so wie die jüdischen Gemeinden von ihrer Umwelt geprägt wurden, gaben sie auch Einflüsse an diese zurück. Das hatte beim Einzug des Jiddischen ins Berlinerische unter anderem den Grund, dass Berliner Gemeinden seinerzeit stark durch osteuropäische Juden geprägt waren, was einem Stadtteil den Beinamen Charlottengrad zubrachte. (…)

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