Die Nationalsozialisten und der Islam – Teil drei der Serie  

Es war zu erwarten: solange der deutsche Vormarsch dauerte, waren alle begeistert von der Kampfkraft der moslemischen Ostlegionen. Doch als die mächtigen Gegenangriffe der Roten Armee begannen, beanstandeten deutsche Offiziere die Mentalität der „Osttürken“, ihren mangelnden Sinn für Pünktlichkeit und ihren angeborenen, sprichwörtlichen „Hang zur Übertreibung und Phantasterei“, der in ihren Berichten und Meldungen zum Ausdruck kam.

Wegen der „gesteigerten Erotik dieser Leute“ befürchteten sie „rassische Komplikationen“ und deswegen sollten Moslems auch nicht innerhalb Deutschlands eingesetzt werden. Die Ideologie des Panturkismus war für die Ostlegionen nicht attraktiv – sie hielten an ihrem Nationalismus fest, womit auch die Streitigkeiten unter Usbeken, Turkmenen, Kasachen u.a.m erklärt wurden. Die Nationalsozialisten wollten die Turkvölker ausnützen und das wussten auch diejenigen, die noch knapp vor dem Krieg als „Untermenschen“ qualifiziert und an der Ostfront verheizt wurden.

Der größte Teil der turkestanischen Waffengruppe desertierte im Dezember 1944 in der Slowakei zu den Partisanen. Begründet wurde dies in deutschen Berichten mit der Tatsache, dass diese Soldaten bei der slowakischen Zivilbevölkerung untergebracht wurden, mit der sie sich gut auf Russisch verständigen konnten. Außerdem hat natürlich der bevorstehende militärische Zusammenbruch des NS-Regimes auch dazu beigetragen.

Von Heinrich Himmler zum „SS-Gruppenführer“ ernannt, hatte Mufti el Husseini bei der Rekrutierung von moslemischen Freiwilligen für die Wehrmacht und die Waffen-SS eine Schlüsselrolle gespielt. Während der letzten drei Kriegsjahre bekam er vom Außenamt (AA) monatlich 90.000 Mark und hielt sich jede Woche ein bis zwei Tage in Berlin auf. Dort bewohnte er eine Suite im Hotel Adlon, wofür ebenfalls das AA aufkam. Als Gegenleistung propagierte er den Endsieg des Dritten Reiches. Er verstand es – „mit den verschiedensten Propaganda- und Rekrutierungsaufgaben für die SS“ betraut– aus den Spannungen zwischen Ribbentrop und Himmler seinen Profit zu schlagen. Für seine Tätigkeit bezog er „erhebliche Gelder“ sowohl aus dem Fonds der SS als auch aus dem „Sonderfonds“ Ribbentrops. „Sogar noch im April 1945“ erhielt der Mufti 50.000 RM vom AA. Zum Vergleich, der durchschnittliche deutsche Monatslohn entwickelte sich in den Kriegsjahren so: 1940 - 160,00 RM; 1941 - 161,00 RM; 1942 - 165,00 RM; 1943 - 162,00 RM und 1944 - 144,00 RM.

Während der letzten Kriegswochen flüchtete er in die „Ostmark“, wo er sich in Linz und dann in Bad Gastein aufhielt. Am 7. Mai 1945 floh er nach Bern, die Schweizer lieferten ihn aber sofort an die Franzosen aus.
Diese behandelten den Mufti äußerst pfleglich, er wurde in der Nähe von Paris in Hausarrest gehalten und konnte alle Annehmlichkeiten der Zivilisation genießen. Frankreich hatte noch ein Kolonialreich mit vielen Moslems und hoffte den Mufti einspannen zu können. Im Nahen Osten hatten 1945 die Briten das Sagen und auch sie hofften ebenfalls auf ein Arrangement mit dem Mufti, der unter Arabern nach wie vor populär war. Deswegen ersuchten sie nicht um seine Auslieferung. Jackson, der amerikanische Hauptankläger im Nürnberger Prozess, gab bekannt, dass Beweisstücke, die nur den Mufti belasten, vor Gericht nicht verwendet werden können; das Tribunal sei lediglich dazu befähigt, Kriegsverbrechern aus europäischen Ländern den Prozess zu machen. (…)

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