Februar 8, 2016 – 29 Shevat 5776
Was ich schon immer mal zu Hebron sagen wollte

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Juden rein und wieder raus  

Von Chaya Tal

„Hebron, die geteilte Stadt“, pflegt man normalerweise die Schlagzeile zu wählen, wenn man in den westlichen Medien über eine der ältesten nachweislich jüdisch geprägten Städte spricht. Die Teilung wird dabei nicht etwa zugunsten ihrer antiken Bewohner angeprangert, welche seit 85 Jahren darum kämpfen, in diese Stadt zurückzuziehen (seit dem Massaker an der jüdischen Bevölkerung 1929 wohlgemerkt). Nein, die Teilung dieser Stadt in zwei Verwaltungsbezirke – einen arabischen und einen israelischen – wird dem israelischen Staat und seinen Bürgern zur Last gelegt. Insbesondere an denjenigen israelischen Bürgern, die den Anspruch in der Stadt ihrer Vorväter zu leben in die Tat umsetzen wollen und in ehemalige jüdische Häuser, Wohncontainer oder andere Wohnmöglichkeiten ziehen (auf einer Gebietsfläche von etwa 3 % der eigentlichen Stadt Hevron), wird kein gutes Haar gelassen. Das gilt sowohl für die internationale Presse als auch für die Mainstreampresse in Israel, denn eines haben sie gemeinsam mit den internationalen Medien – sie mögen es nicht, wenn Juden die Dreistigkeit haben, Besitz zu fordern – womöglich noch zurückzufordern!

Über Hebron/Hevron habe ich mich mittlerweile viel in meinem Blog www.diesiedlerin.net ausgelassen. In diesem Beitrag geht es nun um etwas anderes:

Am 21. Januar wurde öffentlich, dass Juden in Hebron zwei von ihnen zuvor gekaufte Häuser nahe der Patriarchenhöhle in der Altstadt Hebrons bezogen haben. Der Kauf fand im Geheimen statt, um den Verkäufer nicht in Gefahr zu bringen und die Aufmerksamkeit der Presse nicht auf sich zu ziehen und auch die Gemüter innerhalb der arabischen Bewohner Hevrons ruhig zu halten.

Die Mehrheit von Land- und Gebäudeverkäufen von Arabern an Juden findet heimlich über Privatpersonen oder sogenannte Pseudoorganisationen statt, welche durch ihre Kooperation mit den jüdischen Käufern ihr Leben riskieren! Im israelischen Fernsehen wurde vor einigen Wochen in einer Fernsehreportage ein sogenannter „Menschenrechtsaktivist“ – sein Name ist Ezra Naui – entlarvt, der unter dem Deckmantel des „Friedensaktivismus“ Indizien über arabische Landverkäufer sammelte, diese an die Palästinensische Autonomiebehörde weitergab, welche diese für die „Straftat“ foltern und töten würden, um dafür Geld von sogenannten „Menschenrechtsorganisationen“ kassieren, welches zum überwiegenden Teil von europäischen Regierungsinstitutionen stammte. Ezra Naui wurde verhaftet, als er versuchte, einen Tag nach der Ausstrahlung der Sendung aus dem Land zu fliehen.

Der aktuelle Hauskauf in Hevron, so behaupten die jüdischen Käufer, wurde rechtmäßig durchgeführt. Zur Besiedlung eines Hauses, dessen Türen aufgebrochen werden mussten, da es zuvor verriegelt und unbewohnt dastand, wurden offenbar auch die notwendigen Dokumente vor Ort beigebracht. Die israelische Regierung bestritt die Rechtsgültigkeit des Kaufes selbst nicht. Mehrere Knessetabgeordnete, darunter auch der Knessetsprecher (Likud-Partei) Yuli Yoel Edelstein, beglückwünschten die neuen Einwohner und die Durchführung der waghalsigen Avantüre:

„Das ‚Rachel‘- und das ‚Leah‘-Haus, die heute in Hevron ausgelöst wurden, finden sich nun in einer Reihe von befreiten (erlösten) Gebieten wieder, die für volles Geld über Generationen lang erworben wurden. Diese Gebäude wurden ganz nach Recht und Gesetz gekauft.
(Knesset-Abgeordneter Yuli Edelstein auf Facebook)

Offensichtlich gab es somit zumindest für die offiziellen Stellen keine Probleme mit dem Erwerb der Gebäude, welche mitten in der Hevroner Altstadt, zwischen der Patriarchenhöhle, dem jüdischen und auch moslemischen Heiligtum, und dem neuen jüdischen Viertel liegen – im sogenannten H1-Gebiet, welches Teil des C-Gebietes von Judäa und Samaria ist und entsprechend der Oslo-Obkommen von 1994 unter israelischer Militärverwaltung steht.

Alles in Ordnung also! „Frohes Einziehen“, könnte man sagen! Tatsächlich fanden sich die ersten Familien, die das innen recht vernachlässigte Gebäude bezogen, und in Stand bringen wollten.

Am nächsten Tag aber füllten ganz andere Nachrichten die israelischen Schlagzeilen: „Die Siedler, die gestern in das Haus in Hevron einbrachen, werden geräumt“, titelte Ynet. Und tatsächlich: So schnell, wie die jüdischen Bewohner in das Haus gelangten, so schnell katapultiere der israelische Verteidigungsminister Moshe Ya’alon die „Eindringlinge“ wieder heraus, und zwar mit der folgenden Begründung:

„Die Behauptung, die Häuser wären mit Recht erworben worden, wird ebenso wie die politischen und sicherheitstechnischen Aspekte überprüft werden, bevor die Einzugsgenehmigung erteilt wird. Wer gegen das Recht vorgeht, hilft der Besiedlung nicht, sondern fügt ihr schweren Schaden zu. (Ma’ariv, 22. Januar 2016)

Wie Quellen aus dem israelischen Sicherheitsapparat in der Presse am Morgen des 22. Januar mitteilten, habe es für einen rechtmäßigen Einzug an bestimmten bürokratischen Prozeduren gefehlt. Kauf hin oder her – im Haus aufhalten dürfe sich kein Jude, beschloss der israelische Sicherheitsapparat, und der Verteidigungsminister ordnete prompt den Rauswurf der Käufer aus ihrem Haus an.

Außer der entrüsteten Siedler meldeten sich auch zahlreiche führende Politiker aus dem Likud, der Partei von Ya’alon – und nicht nur die als „Siedlerpartei“ bekannte „Jüdisches Heim“ – zu Wort, wie z.B. der Einwanderungsminister Ze‘ev Elkin, der oben erwähnte Knessetsprecher Yuli Edelstein, der drusische Abgeordnete Ayoob Kara und Tourismusministerin Miri Regev, die scharf die Entscheidung Ya’alons kritisierten. Es drängte sich dabei die Frage auf, ob diese demonstrative Geste der staatlichen Gewalt gegen die „Rechtsbrecher“ ausgerechnet jetzt erfolgen musste, wo sich doch die Juden von Judäa und Samaria momentan jede Woche die Wunden nach jedem weiteren Toten und Verletzten aus ihren Reihen lecken müssen.
War etwa erneut das Argument aufgekommen, „was würde die Welt sagen?“, wenn ein durch Juden von Arabern gekauftes Haus von diesen besiedelt werden würde – und das in Hevron, der allseits bekannten „geteilten Stadt“? (...)

Doch anstatt das Leben der Einwohner von Judäa und Samaria zu vereinfachen, zumindest im bürokratischen Sinne, fördert die israelische Regierung die Komplexität immer weiter, auch und vor allem gegenüber den eigenen Leuten.
Orit Struck, ehemals Knesset-Abgeordnete von der Partei „Jüdisches Heim“, stellte es bildhaft in ihrem Kommentar zur Ausweisung aus dem Haus in Hevron dar:

„Eine ‚Quelle aus dem Sicherheitsapparat‘ gab in der Presse bekannt, den Käufern hätten drei Bescheinigungen gefehlt: ‚Geschäftsbescheinigung‘, ‚Sicherheitserlaubnis‘ und ‚staatliche Bescheinigung‘. Den Käufern wurden diese nicht gegeben, und daher würden sie ausgewiesen (und weniger euphemistisch formuliert – vertrieben) werden. (…)
Liebe ‚Quelle‘, schäme dich! Zuerst einmal, wenn ein Araber ein Haus in Hevron kauft und diese drei Bescheinigungen nicht benötigt, ein Jude aber doch – dann ist das ein Armutszeugnis für dich und für die israelische Regierung. Und zweitens, verstecke dich nicht hinter deinem eigenen Rücken. Diese drei Bescheinigungen liegen in deiner Hand – gib sie ihnen!“ (...)

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