Juli 3, 2015 – 16 Tammuz 5775
Warum überlebten die Juden von Bulgarien?

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Obwohl deutscher Verbündeter der ersten Stunde, gab es kaum Antisemitismus in dem Schwarzmeerland  

Von Karl Pfeifer

Obwohl Bulgarien am 1. März 1941 dem Dreimächtepakt (Deutschland, Italien und Japan) beitrat, diente es während des Feldzuges gegen Jugoslawien und Griechenland lediglich als Besatzungsmacht im Rücken der Wehrmacht. Allerdings wurden aus diesen Gebieten fast 12.000 Juden von den Bulgaren in die Vernichtungslager geschickt, hingegen überstanden die ungefähr 50.000 bulgarischen Juden und diejenigen, die nach Bulgarien geflüchtet waren, trotz der Allianz mit Hitlerdeutschland den Krieg.

Bulgarien war das einzige Land im deutschen Einflussbereich, in dem 1945 mehr Juden lebten als 1940, denn der Antisemitismus war nur Sache einer kleinen Minderheit. Karl Hoffmann, Polizeiattaché und Vertreter des Reichssicherheitshauptamts (RSHA) in Bulgarien, stellte in einem Brief an seine Vorgesetzten in Berlin vom 5. April 1943 fest, dass in Bulgarien „weder die ideologischen noch die rassischen Voraussetzungen“ existieren, „um eine breite Unterstützung für Deportationen zu erlangen“.
Bis 1878 stand Bulgarien unter osmanischer Herrschaft, im Ersten Weltkrieg kämpfte es auf der Seite Deutschlands, Österreich-Ungarns und der Türkei (Osmanisches Reich) und musste deswegen - wie von den Siegern festgelegt - Gebiete abtreten sowie hohe Reparationszahlungen leisten. Es war eine konstitutionelle Monarchie mit einem Parlament, in dem linke, liberaldemokratische und nationalistisch rechte Parteien vertreten waren.

Wichtige Entscheidungen wurden von Zar Boris III., der seit 1935 das Land regierte, allein getroffen. Seine persönliche Autorität war unbestritten und er konnte sich auf die Armee und den Staatsapparat stützen. In Bulgarien gab es keine faschistische Massenbewegung, die Druck auf den Zaren hätte ausüben können.
Durch die Zustimmung zum deutschen Truppendurchmarsch und die Beteiligung an der Okkupation Griechenlands und Jugoslawiens wurde Bulgarien Kriegsteilnehmer auf deutscher Seite und erklärte im Dezember 1941 Großbritannien und den USA einen „symbolischen“ Krieg. Doch weigerte sich der Zar dem Sowjetreich Stalins den Krieg zu erklären oder Truppen dorthin zu senden. Die antijüdische Politik Deutschlands beeinflusste natürlich auch die bulgarische Politik, doch Maßnahmen konnten nur mit Zustimmung des Zaren getroffen werden. (…)

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