Gibt Israel nach, so kommt es erst recht zu arabischer Gewalt  

Von Dr. Nikoline Hansen

Es war eine Eskalation mit Ansage, deren trauriger Höhepunkt die Ermordung von Mitgliedern der Familie Salomon aus dem im Westjordanland liegenden Ort Halamisch war: Die Familie saß am Sabbattisch und erwartete Gäste, um die Geburt eines neuen Familienmitglieds zu feiern. Deshalb war man wohl in freudiger Stimmung und nicht auf den Attentäter vorbereitet, der vor der Tür stand.

Drei Menschen mussten sterben: Yossi Salomon (70) sowie seine Tochter Chaya (46) und Sohn Elad (36). Yossis Ehefrau Tova überlebte mit Verletzungen durch Messerstiche. Die Enkelkinder wurden durch diesen heimtückischen Mord zu Halbwaisen und selbst die deutschen Medien sahen sich zu der Formulierung gezwungen, die Familie habe „eigentlich“ nichts mit den Unruhen zu tun gehabt, die nach der Ermordung von zwei israelischen Polizisten durch arabische Attentäter am Tempelberg ausgebrochen waren.

So Lissy Kaufmann im „Tagesspiegel“:
„Familien wie die Salomons haben natürlich eigentlich nichts mit Metalldetektoren zu tun. Doch der Hass der Palästinenser richtet sich undifferenziert und schonungslos gegen alle Israelis“.

So wurden diese Toten aufgerechnet gegen die Toten auf „palästinensischer“ Seite, die von den Israelis nach den beiden Morden im Zuge der Selbstverteidigung erschossen wurden – etwa in der Pressemitteilung des Auswärtigen Amtes, das die Erklärung des Sprechers am 22.7. wie folgt einleitet: „Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes sagte zur Ermordung von drei israelischen Staatsangehörigen in der Siedlung Halamish im besetzten Westjordanland und zu den gewaltsamen Auseinandersetzungen in Ost-Jerusalem und Orten des Westjordanlands, bei denen drei Palästinenser getötet und Dutzende verletzt wurden heute“ … „Gewalt gegen Menschen ist durch nichts zu rechtfertigen“.

Es ist beunruhigend, wie undifferenziert die Wahrnehmung der Situation im Nahen Osten von der deutschen Regierung und den Medien erfolgt und der Öffentlichkeit präsentiert wird, denn so ergibt sich ein falsches Bild der Situation, in der es letztendlich um die Existenz eines Staates geht, der seinen Nachbarn ein Dorn im Auge ist. Dies ist der Grund, weshalb Rationalität in dem Konflikt kaum eine Rolle spielt, sondern Emotionen im Vordergrund stehen. Nur so ist zu erklären, weshalb Metalldetektoren mit der Vorstellung von „Kontrollverlust“ verbunden werden, der zu massiven „Protesten“ - bzw. „Unruhen“ führt. Es geht um Machtansprüche und um das Austesten, wie weit man gehen kann, ohne dass es zu bedrohlichen Reaktionen der Gegenseite kommt.

1967 durften die Juden erstmals seit 1948 an den Tempelberg
Der Tempelberg ist dabei zum Symbol geworden, an dem sich die Gemüter leicht erhitzen lassen. Es muss daran erinnert werden, dass 1967 der Augenblick war, an dem Juden erstmals seit der Staatsgründung Israels der Zugang zum Tempelberg wieder möglich war – durch den israelischen Sieg nach dem sogenannten Sechs-Tage-Krieg. In den anschließenden Friedensverhandlungen übernahm Jordanien die Verantwortung und Kontrolle des muslimischen Teils des Berges mit dem Felsendom und der Al-Aksa-Moschee. Es ist logisch, dass Niederlagen unangenehm sind und nicht gerne hingenommen werden. Insofern ist die Lage seitdem bekanntermaßen fragil und die Emotionalisierung mit der Erziehung zum Hass ist ein Phänomen, das viele der Probleme erklärt, mit denen sich die Region und die Weltöffentlichkeit regelmäßig konfrontiert sieht.

Es ist also logisch, dass der Friede nicht von realen Maßnahmen, sondern eher der gegenwärtigen Stimmungslage der Machthaber abhängt, darunter der religiösen Führung der „Palästinenser“, die zu „Gebeten“ aufruft, die sich in Demonstrationen, Proteste und Unruhen verwandeln. So auch wieder anlässlich des Freitagsgebets am 28. Juli. Es ist für die israelischen Sicherheitskräfte eine Herausforderung, diese gewaltsamen Ausschreitungen zu unterbinden, ohne dabei mehr politischen Schaden anzurichten, als durch die notwendigen Maßnahmen ohnehin entsteht – denn der Eindruck, der in der Weltöffentlichkeit mehrheitlich vermittelt wird, ist, dass die „palästinensischen“ Proteste aufgrund der „Besetzung“ der „palästinensischen Gebiete“ durch Israel gerechtfertigt sind.

Israel gibt nach – die Gewalt eskaliert dennoch
In den deutschen Medien finden sich dann Schlagzeilen wie „Zugang zum Tempelberg eingeschränkt“, „Konflikt um Tempelberg: Muslime setzen Boykott fort“ und „Israel schränkt Zugang zu Tempelberg wieder ein“, mit denen die „Tagesschau“ im öffentlich-rechtlichen Rundfunk ihre Zuschauer über die Lage auf dem Laufenden hält: „In den vergangenen Tagen war es in Jerusalem und dem Westjordanland immer wieder zu Unruhen gekommen. Auslöser waren zwischenzeitliche neue Sicherheitskontrollen für muslimische Gläubige am Tempelberg. Zwar baute Israel alle Kontrollvorrichtungen an den Zugängen ab. Dennoch war auch gestern die Gewalt eskaliert. Nach Angaben des Roten Kreuzes wurden 96 „Palästinenser“ bei Zusammenstößen mit israelischen Polizisten verletzt. Es flogen Steine, Tränengas und Gummigeschosse.“ lautet die Meldung der „Tagesschau“ am 28. Juli. Da wird dann sogar die Ursache wieder verkürzt und verfälscht dargestellt, denn begonnen hatte die gegenwärtige Eskalation mit der Ermordung von zwei israelischen Polizisten am Tempelberg – und das war der Grund für die Aufstellung der Metalldetektoren, denn auf dem heiligen Areal war ein Waffenlager gefunden worden, dessen erneutes Anlegen verhindert werden sollte. So wird die deutsche Öffentlichkeit für € 17,50 pro Wohnung und Monat fehl-informiert. Das ist nicht nur absurd sondern auch gefährlich, denn es schürt antiisraelische und oft auch antisemitische Ressentiments in der deutschen Bevölkerung. (…)

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