Die Initiative „meet2respect“ setzt islamische Täter und jüdische Opfer gleich  

Von Henryk Broder

Eine Initiative, die sich „meet2respect“ nennt, lädt mich dazu ein, „Vorurteilen gegen Juden und Muslime davon(zu)radeln“. Würde ich wahnsinnig gerne tun, weil ich schon lange überzeugt bin, dass Radeln das Allheilmittel gegen alle gesellschaftlichen Übelstände ist. Außerdem will ich auch, dass jüdische Schüler aufhören, muslimische Mitschüler zu mobben und dass junge Muslime sich in jüdischen Kiezen bewegen können, ohne Angst haben zu müssen, belästigt oder gar geschlagen zu werden, nur weil sie eine Kefiyah um den Hals tragen. Außerdem wünsche ich mir, dass Demos unterbleiben, auf denen Flaggen muslimischer Staaten und Glaubensgemeinschaften mit Füßen getreten und verbrannt werden. Das sind wir unseren muslimischen Mitbürgern schuldig.

Ich würde wirklich gerne an der „meet2respect“-Tandemtour 2018 teilnehmen und mir sogar ein Tandem mit der bezaubernden Lamya Kaddor teilen, wenn ich nicht gerade damit beschäftigt wäre, in der kanadischen Wildnis das Paarungsverhalten geschlechtsreifer Elche zu beobachten. So was bekommt man nicht alle Tage zu sehen, schon gar nicht in Berlin zwischen dem Holocaustmahnmal und dem Bebelplatz. Ein wenig stört mich auch, dass die Tandemtour 2018 „unter Begleitung von Polizei und Medien“ stattfinden wird. Müssen die Medien wirklich dabei sein, um die frohe Botschaft in die Welt hinauszutragen, dass „Imame und Rabbiner gemeinsam und freundschaftlich in die Pedale (treten)". Ja, wohin sollen sie denn sonst treten?

Also, ich bitte, mein Fernbleiben von der Demo zu entschuldigen. Dafür werde ich, sobald ich wieder in Berlin bin, an einer Sitzung der AG „Religion-LGBTI" teilnehmen, die „Begegnungen von Vertreter*innen aus muslimischen Gemeinden und der LGBTI-Community“ ermöglichen will. Dabei sollen „durch niedrigschwellige Gespräche Berührungsängste abgebaut“ werden. Ich wage kaum, es mir vorzustellen, wie es später, wenn man sich kennengelernt und Berührungsängste abgebaut hat, bei „hochschwelligen Gesprächen“ zugeht. Auf so eine Gelegenheit warte ich, seit ich „Fifty Shades of Grey“ in einer arabischen Übersetzung gelesen habe.

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