Unterwegs mit den Musikern der Band „Jewish Monkeys“  

Von Michael G. Fritz

Ronni Boiko treffe ich nach dem Auftritt der „Jewish Monkeys“ auf dem Musikfestival InDnegev, wo mitten in der Wüste über drei Tage hinweg einhundert Bands aus Israel zu erleben sind.
Wir räumen Plätze frei, um uns an eine lange Tafel im Schatten unter Bäumen und aufgespannten Netzen setzen zu können. Er hat drei Kinder. Ein Sohn ist an seiner Seite, der den Vater auf der Bühne erleben will. Ronni, der Sänger und Textschreiber, ist noch ein wenig gezeichnet von seinem Auftritt. Ich meine, neben Jiddisch und Englisch auch Worte gehört zu haben, die an den Balkan erinnerten. „Ganz einfach, mein Vater war Rumäne, da liegt es auf der Hand, Sprache und Musik dieser Region einfließen zu lassen.“ Während ich sage, dass ich Rumänien liebe, hellt sich sein Gesicht auf. Als junger Mann sei ich jahrelang Sommer für Sommer durch dieses Land getrampt: quer durch die Karpaten und immer bis zum Schwarzen Meer, das unser Mittelmeer war.

Die Jewish Monkeys vereinen Musik des Mittelmeerraumes, des Balkans und jüdische Melodien mit Punk und schräger Zirkusmusik zu einer Musik voller Tempo und Überraschungen, die einen ausgeprägten Sinn für Unsinn hat – eine anarchisch-chaotische Undergroundmusik, die von der Vielgestaltigkeit jüdischer Wurzeln lebt. „Im Grunde sind die Monkeys Satiriker“, sagt Ronni. Sie sehen sich in der Tradition jüdischer Neurotiker wie Woody Allen. Nach einiger Zeit erfuhren sie, dass Jewish Monkeys ein bereits existierender Begriff ist: ein unflätiges Schimpfwort der Araber für Juden, aber der Name war mittlerweile ein eingeführtes Label, so dass sie gar nicht daran dachten, ihn zu ändern. „Juden dürfen sich selbst so nennen. Außerdem tut uns etwas Selbstironie ganz gut“, sagt er und streicht sich die Haare zurück.

Mittlerweile kommt Jossi Reich dazu, der alerte Mann trägt wie Ronni Jeans mit abgeschnittenen Hosenbeinen. Er schlägt seinem Freund auf die Schulter und erzählt, wie sie sich kennengelernt haben: mit zehn Jahren im Synagogalchor in Frankfurt am Main. Aber Ronni hatte einen gefährlich großen deutschen Schäferhund, vor dem sich Jossi fürchtete. „Er hieß Blondi“, sagt Jossi Reich genüsslich und grinst. „Glaub das bloß nicht“, wendet Ronni ein. „Jedenfalls musste ich erst einmal meine Furcht überwinden, was mir schließlich gelungen ist, wie man sieht“, ergänzt der Freund.

Was ist das? Ist das jüdischer Humor, die Fähigkeit, über sich selbst lachen zu können?
Ronni Boiko, inzwischen promovierter Tierarzt, und Jossi Reich, sowohl Schriftsteller als auch Unternehmer, wandern 1997 nach Israel aus. In Tel Aviv treffen sie auf den Psychologen Gael Zaidner und beschließen, eine Band zu gründen. Es entsteht ein Gesangstrio, das politisch unkorrekte Texte singt. Damit war der Grundstein der Jewish Monkeys gelegt, zu denen nun acht Mitglieder zählen, die Akkordeon, Klavier, Posaune und Gitarre einsetzen.
Jossi und Ronni musizieren in einer israelischen Band, sie sprechen zwar bestens Hebräisch, aber alle wissen, dass sie aus Deutschland kommen. Werden sie nicht gefragt, weshalb sie in Israel leben?

Warum lebst Du nicht in Deutschland?
„Nein“, sagt Ronni, „im Gegenteil, sie fragen, warum ich nicht in Deutschland lebe. Mir ginge es dort besser, meinen sie, und sie haben recht.“ Und warum lebt er hier? „Nicht aus patriotischen Gründen, das gewiss nicht. Der Zusammenhalt ist es, er ist stärker, die Menschen sind im Umgang miteinander herzlicher. Du kommst aus dem Osten. Die Leute hier sind ein bisschen wie bei euch, ich habe einige kennengelernt: Die Karriere ist nicht so wichtig, auch das Geld nicht, irgendwie kommt man schon zurecht, ansonsten hilft man einander.“ (…)

Zum Autor:
Michael G. Fritz, Schriftsteller und Publizist, geboren 1953 in Ost-Berlin, schreibt Romane, Erzählungen, kurze Prosa.
Zuletzt erschienen die Romane „Adriana läßt grüßen“ und „Ein bißchen wie Gott“.  Fritz lebt in Dresden und Berlin.

www.michaelgfritz.de

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