April 11, 2016 – 3 Nisan 5776
Versagt haben immer die anderen!

Ausgerechnet die Deutschen, in deren Land die 9/11-Täter hausen konnten, machen den Belgiern Vorwürfe

Von Manfred Haferburg

Die Einschüsse kommen näher. Diesmal wurden in Brüssel Reisende zum Opfer islamistischen Terrors. Die Täter waren wieder keine Buddhisten, keine Juden, keine Atheisten und keine Christen. Die Mörder beriefen sich einmal mehr auf die Religion des Friedens. Da könnte womöglich noch jemand auf die Idee kommen, dass sich unter die 700.000 frisch eingereisten jungen männlichen Zuwanderer einige Terroristen gemischt haben. Also wird die Relativierungs- und Schuldzuweisungsmaschine angeworfen.

Ausgerechnet der NRW-Justizminister Jäger kritisierte am Dienstag die belgischen Sicherheitsbehörden. Der Salafismus im Brüsseler Stadtteil Molenbeek sei seit vielen Jahren gewachsen „und man hätte möglicherweise eher eingreifen müssen“. Und weiter: „Es geht nicht um einzelne, sich selbst organisierende Täter, sondern es wurde strukturiert und abgesprochen vorgegangen. Das setzt Zellenbildung voraus. Es ist leichter, solche Zellen zu entdecken, als radikalisierte Einzeltäter. Und das ist das Erschreckende, dass eine solche Zelle dort nicht entdeckt werden konnte.“

Auch die „Welt“ regt sich über die vermeintliche Unfähigkeit der belgischen Sicherheitsbehörden auf. Sie titelte nach der Verhaftung von Abdeslam: „Sind Belgiens Terrorfahnder totale Amateure? Der Logistik-Chef der Pariser Attentate hat sich monatelang im Brüsseler Stadtteil Molenbeek versteckt“.

Bei Plasberg wurde räsoniert, dass es „in Deutschland ja solche rechtsfreien Räume wie den Brüsseler Stadtteil Molenbeek nicht gäbe. In Molenbeek wurde sehr lange weggeguckt und nicht konsequent genug durchgegriffen“, erklärt ARD-Gewaltforscher Holger Schmidt, „Belgien hat im Verhältnis zur kleinen Bevölkerung mehr gewaltbereite Personen, als das in Deutschland der Fall ist - bei einem gleichzeitig nicht leistungsfähig genug aufgestellten Sicherheitsapparat.“

In Deutschland sind die Zustände also noch nicht ganz so schlimm. Da können wir ja beruhigt ausgehen oder verreisen. Da fragt sich der erstaunte Leser: Sind die selbst so einfältig und haben das Versagen der deutschen Sicherheitsorgane vergessen? Oder halten sie die Bürger für so umnachtet, dass sie alles schon vergessen haben?

Kamen nicht schon die Attentäter des elften Septembers aus ihrem sicheren Terrornest in Hamburg? Und sind nicht mehrere Attentäter der schrecklichen Terrorakte des Pariser Novembers über Deutschland als „Flüchtlinge“ getarnt und in deutschen Flüchtlingsunterkünften registriert nach Frankreich eingereist? Kamen die tödlichen Kalaschnikows nicht aus oder über Deutschland nach Frankreich? Was ist eigentlich aus dem Montenegrer geworden, der in Deutschland mit einem ganzen Kleinwagen voller Kriegswaffen aufgegriffen wurde? Was machte Abdeslam in der Nacht vom zweiten auf den dritten Oktober in einer Flüchtlingsunterkunft in Ulm? Wo sind die drei Syrer, mit denen er sich dort traf und die seither verschwunden sind?
Noch sind die Hintergründe der Brüsseler Untaten nicht umfassend bekannt. Was werden die Vorverurteiler der belgischen Sicherheitsbehörden sagen, wenn Terroristen in Deutschland zuschlagen?

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