Mai 11, 2016 – 3 Iyyar 5776
Vermischt, was nicht vermischt werden darf

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„Angezettelt“ – eine Ausstellung im Deutschen Historischen Museum  

Von Nikoline Hansen

Pünktlich zu Hitlers Geburtstag öffnete das Deutsche Historische Museum eine Ausstellung für das Publikum, die sich in Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität Berlin unter dem Titel „Angezettelt“ dem Thema „Antisemitische und rassistische Aufkleber von 1880 bis heute“ widmet. Nicht nur auf ersten Blick ist dieses Thema spannend, weil Aufkleber auch dem Volk die Gelegenheit geben, politische Meinungen kundzutun, die eben nicht unbedingt Staatsdoktrin sind.

Die Ausstellung im Deutschen Historischen Museum erweist sich allerdings als problematisch, weil sie weder aufklärerisch ist, noch einen roten Faden aufweist. Schon die Mischung der beiden Phänomene Antisemitismus und Rassismus ist nicht trivial, da es sich bei dem Antisemitismus eben nicht um Rassismus, sondern eine ganz andere Kategorie der Diskriminierung handelt. Ein Zusammenhang lässt sich allenfalls über die Ausgrenzung eines (vermeintlich) Anderen herstellen, der gerade in Zeiten, in denen die Wirtschaft nicht floriert, als Konkurrenz und Bedrohung wahrgenommen wird. Wir haben es also im weitesten Sinne mit menschlichen Urreflexen der Abwehr zu tun, die sich im spezifischen Fall des Antisemitismus Ende des 19. und im frühen 20. Jahrhundert in Deutschland gegen Menschen richteten, die gerade begonnen hatten sich zu integrieren und sich einzig durch das Ausüben einer anderen Religion von ihren Mitmenschen unterschieden.

Nun wäre, abgesehen vom erheblichen Umfang eines solchen Unternehmens, nichts dagegen einzuwenden, würden diese beiden Stränge, also der Antisemitismus und der Rassismus, parallel präsentiert. Dies ist offensichtlich nicht der Fall, sodass statt eines roten Fadens ein Knäuel entsteht, an dessen Ende für den unbedarften Besucher, der sich mit dem Thema nur oberflächlich befasst, die Schlussfolgerung entstehen kann, Muslime seien die „neuen Juden“. Das passt weder zum Antisemitismus noch zum Rassismus, der in der Ausstellung in den Kolonien seinen Ausgang nimmt – und auch hier lässt sich eine unverständliche Vermischung feststellen, die nur als Gesellschaftskritik interpretiert werden kann, wenn die Ausstellungsmacher von einer „Konsum- und Mediengesellschaft des 19. Jahrhunderts“ sprechen. Konsequent in die Gegenwart führen sie diese Gedanken leider nicht fort, denn dann müssten sie feststellen, dass wir von Sklavenarbeit heute auf globaler Ebene auch ohne Kolonien in erheblichem Maße profitieren. (…)

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