Februar 7, 2019 – 2 Adar I 5779
Uzi und „Uzi“

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Vor 95 Jahren wurde in Weimar Uzi Gal, der Erfinder des legendären israelischen Maschinenpistole, geboren 

Von Peter Lückimson

Auch derjenige, der nie mit Waffen in Berührung kam, hat sicher schon einmal diesen Namen gehört: „Uzi“. Und wer davon nichts gehört hat, sah diese kurze Maschinenpistole zumindest in Actionfilmen: Immer wieder, zu tausenden ist sie auf der Leinwand oder auf dem Bildschirm zu sehen, dieses beliebte „Spielzeug“ der Bodyguards von Präsidenten, der Sonderkommandos, der Gangster.

Mindestens so berühmt wie die russische „Kalaschnikow“, hat die Uzi verdient, dass ihre Geschichte, die Geschichte dieser legendären Waffe, erzählt wird. Es gibt auch einen aktuellen Anlass dazu.

Der große israelische Waffenentwickler Uzi (Uziel) Gal wurde am 15. Dezember 1923 in Weimar geboren und hieß damals Gotthard Glas. Sein Vater, Erich Glas, zog in den Ersten Weltkrieg, zunächst als Infanterist. Später wurde er Pilot der Luftwaffe und Fotograf, sodass er einer der Pioniere der Luftaufnahmen wurde.

Kurz vor dem Ende des Krieges wurde Erich Glas verwundet und daraufhin aus der Armee entlassen. Wieder zuhause, begann er zu zeichnen – zumeist seine Kriegserlebnisse. Bald wurde er in Deutschland als Illustrator bekannt. Da er häufig die Bücher über Kriegsgeschichte und historische Romane illustrierte, begann er, leidenschaftlich Waffen aller Völker aus allen Zeiten zu sammeln. So wuchs der kleine Gotthard in einem Haus auf, wo die Wände des Hauses von Schwertern, Degen, Schießbögen, Armbrüsten und anderen Waffen geschmückt wurden.

Diese Leidenschaft des Vaters für Waffen teilte der Sohn schließlich. Schon als Kind half Gotthard dem Vater oft, ein neu erworbenes Sammlerstück instand zu setzen. Beide nahmen die Waffen auseinander, säuberten sie, bauten verschiedenste Arten von Waffen wieder zusammen und studierten dabei deren Bauweise. Nicht selten probierten Vater und Sohn draußen ein neuerworbenes Exemplar aus, dort, wo es menschenleer war.

Später erinnerte sich Uzi Gal, wie er bereits mit 10 Jahren hervorragend schießen konnte – mit einem mittelalterlichen Schießbogen.

Der Vater verließ die Familie

1933, kurz vor der Machtergreifung durch die Nazis, verließ Glas senior urplötzlich seine Familie und zog mit einer anderen Frau nach „Palästina“ – damals unter britischem Mandat. Er wohnte im Kibbutz Yagur, änderte seinen Namen und hieß jetzt Uri. Dort lehrte er jüdischen Partisanen anhand von Luftaufnahmen arabische Dörfer und britische Militärobjekte auszukundschaften.

Gotthard blieb bei seiner Mutter Mila. Er hätte wohl das Schicksal hunderttausender deutscher Juden erlitten, wenn er nicht mit einigen hundert jüdischen Heranwachsender in ein jüdisches Sommercamp nach London gekommen wäre. Als sich herausstellte, dass die Rückkehr nach Deutschland gefährlich sein würde, war es möglich, junge Juden nach „Palästina“ zu schicken. Nun wohnte Gotthard im Hause seines Vaters im Kibbuz und konnte sich bald wieder seiner alten Leidenschaft widmen – zusammen mit einem Freund Waffen zu sammeln, wo immer man sie nur finden konnte. Jetzt jedoch sollte seine eigene Waffensammlung entstehen. So tauschten die Freunde ein Zeiss-Fernglas aus Militärbeständen gegen eine alte Beretta ihres Lehrers aus, die damals lange nicht so wertvoll war wie das Fernglas.

In der gleichen Zeit wurde Gotthard Mitglied der Untergrundorganisation Hagana und später des Palmachs, den Vorläufern der israelischen Armee. Dann hebraisierte er seinen Namen: Uziel, kurz Uzi. Gal anstelle von Glas wird er erst später, Anfang der 1950er Jahre, heißen.

Palmachs Kommandeure bemerkten recht schnell diesen Jungen, der sich mit verschiedensten Waffen bestens auskannte, und machten ihn zum Verantwortlichen für das über ganz „Palästina“ zerstreute geheime Waffenarsenal des jüdischen Untergrunds. Aber Uzi Glas führte nicht nur die Wartung der Waffen durch, sondern setzte auch seine Vision, neue Waffenarten zu entwickeln, in die Tat um.

1938 baute er eine Maschinenpistolen-Armbrust, die Salven von Pfeilen abschießen konnte. Als Nächstes dachte er an ein neues Maschinengewehr. Ab und an konnte er in die Schlosserwerkstatt des Kibbuz gelangen und Einzelteile seiner Traumwaffe ausschleifen. Eines Tages wurde Uzi Glas in der Werkstatt von den Erwachsenen erwischt und bekam eine ordentliche Tracht Prügel, was den jungen Erfinder allerdings nicht von seiner Leidenschaft abhalten konnte.

Die Israelis hatten nur schlechte englische Waffen

1943, mit 20 Jahren, wurde sein Traum, ein neues Maschinengewehr für die Palmach-Kämpfer zu konstruieren, zu einer fixen Idee. Und es war in der Tat enorm wichtig: Die nahezu einzige Waffe der jüdischen Einsatztruppen war zu dieser Zeit die englische Maschinenpistole Sten: Unbequem in der Handhabung, mit einer Schussweite von lediglich 100 Metern und einer niedrigen Schusskadenz – zudem klemmte sie ständig. (…)

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