Dezember 13, 2016 – 13 Kislev 5777
USA wählen Donald Trump ohne deutsche Erlaubnis

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Die deutschen Reaktionen auf Trumps Sieg sagen mehr über die Deutschen selbst aus als über Trump  

Von Ramiro Fulano (zuerst erschienen auf haolam)

Derlei politische Reflexe verraten eine Menge über Leute, die sich einer Rhetorik aus wahnhaften Träumen vom nahenden Weltuntergang und lustvollen Projektionen von einem neuen Faschismus hingeben. Jenes Amerika, das Donald Trump demokratisch gewählt hat, spielt für den Anti-Trump-Komplex jedoch so gut wie keine Rolle. Das widerlich Verlogene und abgrundtief Blöde an dieser ins politische gewendeten Idiotie ist vor allem, wie genau sie den emotionalen Bedürfnissen jener Milieus entspricht, die diesen staatspolitisch verordneten Unsinn erfinden, publizieren und nachkauen, weil sie davon leben.

Machen wir uns nichts vor, liebe Leserinnen und Leser: Donald Trump ist nicht der neue Hitler. Es wäre zwar für einige Leute sehr bequem, wenn es so wäre, aber es stimmt einfach nicht. Er ist ein Milliardär mit einem streckenweise etwas lautem und buntem Auftreten, aber während laute und bunte Auftritte beim linksalternativen Straßenfest in den derzeit angesagten Szenevierteln des deutschen Kleinbürgertums groß in Mode sind, sind sie natürlich völlig Tabu für US-Präsidenten. Da wünscht sich das deutsche Gemüt eben die mystische Weihe des Wahlkaisertums, so groß ist die angstbesetzte Lust auf „die mächtigste Position der westlichen Welt.“

Aus diesem Grund ist es aus germanischer Sicht absolut nicht opportun, dass ein politischer Außenseiter dieses Mandat errungen hat – wo doch Außenseiter sonst so toll sind. Minderheiten sind das A und O der politischen Szene links der CDU, aber bei Donald Trump wird eine Ausnahme gemacht. Denn Minderheitenschutz gilt natürlich nur für politisch opportune Minoritäten: islamistische Terroristen, internationale Sozialisten und linksalternative Ökopathen. Die dürfen selbstverständlich machen, was sie wollen, denn die sind dazu selbstermächtigt. Alle anderen nicht. Nicht wahr, liebes uffjeklärtes Milieu?

Doch es wird nicht nur mit zweierlei Maß gemessen, sondern es ist auch anzumerken, dass das politische Establishment mal wieder keine Ahnung hat, wovon (vor allem aber: mit wem) es spricht. So ist das eben, wenn die Wirklichkeit dem Wahn angepasst werden muss. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass Herr Trump mir als Chef einer inhabergeführten Firma wie ein recht typischer Vertreter der Gattung Chef vorkommt. Er gehört offensichtlich zu einer Sorte Mensch, die es gewohnt ist, sich ihre Meinung selbst zu bilden, weil er auch die Konsequenzen seiner Entscheidungen selbst verantworten muss.

Derlei hat man im Germany der linksalternativen Konsensdiktatur inzwischen verlernt und mag auch nicht verstehen, wieso jemand aus der urgemütlichen Nestwärme der alternativen Harmoniehütte und des linken Gruppendenkens ausbrechen will. Zwar ahnen sogar manche Linke, dass nicht das ganze Leben aus Sozialpädagogik besteht. Aber wieso muss der Trump so unbequem sein?

Ich kann mich an ein paar bequeme Chefs erinnern. Die meisten haben nicht nur sich, sondern vor allem ihre Mitarbeiter innerhalb kürzester Zeit arbeitslos gemacht. Vielleicht wünscht man sich das im linksalternativen Milieu, denn noch mehr Menschen von staatlichen Almosen abhängig zu machen, vergrößert die politische Kundschaft der Sozis und Ökopathen. Zudem bedient soziales Elend jene politischen Phantasien vom Ende des Kapitalismus, die im linken, bei „Vater Staat“ beschäftigten oder per Sozialhilfe alimentierten Milieu besonders beliebt sind. Auch dieser Aspekt des Anti-Trump-Komplexes verrät mehr über den, der spricht, als über den Gegenstand seiner Rede.

Erfolgreiche Menschen sind immer unbequem, denn wenn Erfolg eine ganz bequeme Angelegenheit wäre, dann hätte ihn jeder. Bequeme Menschen hingegen sind meist nicht sehr erfolgreich, sondern lassen sich lieber von anderen durchfüttern. Und es ist natürlich nur zu bequem, sich sein subjektives Scheitern als Konsequenz zu hehrer politischer Ideale im Angesicht der zionistischen Weltverschwörung und des Klimawandels zu erklären, nicht wahr, liebe Linksalternative?

Wer bis jetzt der Meinung war, dass die deutsche Reaktion auf Donald Trump sich durch ein besonderes Maß an Selbstgefälligkeit und Blödheit auszeichnet, könnte nach dem Auftritt der deutschen Bundeskanzlerin versucht gewesen sein, den Glauben an die Menschheit zu verlieren. Da stellt sich diese Person doch tatsächlich vor ein Mikrofon und bietet sich im Ernst an, den Amerikanern die Demokratie zu erklären – unter deutscher Führung, versteht sich.

Das ist bereits aus historischen Gründen peinlich. Aber sehen wir uns doch mal die aktuellen Errungenschaften der deutschen Bundeskanzlerin an: Germany ist das Zentrum eines internationalen Krisengebietes namens EU, in dem seit einem Jahrzehnt Millionen von Menschen keine wirtschaftliche Perspektive mehr haben, weil die Folgen von „Mehr Europa“ durch „Noch mehr Europa“ korrigiert werden.

Zudem hat Frau Dr. Merkel rund anderthalb Millionen „Refugees“ zu sich eingeladen und den Steuerzahlern recht üppige Kosten ans Bein gebunden. Vor allem, damit die „Willkommens-Kultur“ sich gut fühlt; in nächster Zeit werden dafür zwischen 15 und 20 Milliarden Euro pro Jahr fällig (genau weiß es keiner). Danke, Angie! Ich glaube, Sie haben uns jetzt wirklich genug geholfen, Frau Dr. Merkel. So eine tolle Bundeskanzlerin wie Sie hat niemand verdient.

Die Arroganz und Borniertheit deutscher Außenpolitik wird nur durch ihre abgrundtiefe Blödheit und unverbesserliche Idiotie übertroffen. Kann sein, dass die deutsche Bundeskanzlerin zudem auch erschreckend schlecht beraten wird. Wie war das noch mal mit dem NATO-Beitrag von 2 % des BIPs? Germany zahlt seit Jahren nur etwa die Hälfte davon. Was das bedeutet, will Ursel aus dem Ei natürlich nicht wahrhaben – andere Leute schon.

Werfen wir einen kurzen Blick in die Zukunft. Bei den anstehenden Präsidentschaftswahlen in Frankreich zeichnet sich ein deutlicher Rechtsruck ab. Selbst wenn nicht davon auszugehen ist, dass es demnächst eine Madame la Présidente geben wird, erscheint es höchst unwahrscheinlich, dass „Mehr Europa“ (zudem noch unter deutscher Führung) in Paris dieselbe Priorität genießen wird, wie die dringend benötigte Reform des französischen Arbeits- und Sozialrechts sowie die Sanierung des Staatshaushaltes. Das „Projekt Europa“ wird ein politisch zweiter oder dritter Punkt auf der Tagesordnung und man wird es sich im Palais de l‘Elysee in Zukunft zweimal überlegen, ob man lieber mit den Deutschen über Mülltrennung und Windmühlen diskutieren möchte oder jene Probleme lösen will, die zum Beispiel der islamistische Terrorismus verursacht.

Währenddessen baut sich das Vereinigte Königreich eine pragmatische und ideologiefreie Position im Welthandel auf; nicht zuletzt dank jener Handelsabkommen mit Indien, China und den USA, die „Europa unter deutscher Führung“ nicht auf die Reihe gebracht hat. Meine Prognose: Am Vorabend der Bundestagswahl im September 2017 wird Germany außenpolitisch sowohl in Europa als auch in der Welt deutlich isolierter dastehen, als im Jahrzehnt zuvor – schlecht für eine Export-Nation. Danke, liebe Sozis: Schlafwandler auf dem deutschen Sonderweg – mal wieder!

Während die Bilanz der offiziellen Politik also mehr oder weniger bescheiden ausfällt, und damit recht typisch für ein Krisengebiet, will die Linke jetzt den Populismus entdecken. Denn merke: Genau, wie bunte, laute Außenseiter eine feine Sache sind, solange sie „unsere“ bunten, lauten Außenseiter sind, wird daraus ein „Horror-Clown“, wenn Herr Trump dasselbe macht. So denkt der gemeine Schrebergärtner politisch linker Couleur sich das, wenn er dazu ansetzt, die Menschheit auf sein (subjektiv meist bescheidenes) Einheitsmaß zurechtstutzen, um nicht als einziger als jener Depp dazustehen, der er/sie/es vermutlich ist.

Die papiergewordene Realität dieser Idiotie ist eine in Hamburg publizierte Peinlichkeit namens „Morgenpost“. Das ist deutsche Journaille wie sie leibt und schreibt. Interessant wird es nur, wenn in diesen Reihen die Beobachtung gemacht wird, dass „der Trump“ doch „irgendwie ein zweiter Hitler“ wäre. Ich will mal dahingestellt sein lassen, dass man, wenn man an Klimawandel und die zionistische Weltverschwörung glaubt, eigentlich auch an politische Wiedergänger glauben sollte (und sei es auch nur um der eigenen Verrücktheit willen, liebe „MoPo“). Aber ich möchte doch anmerken, wie peinlich diese Hitler-Vergleich mich immer wieder berühren.

Wer in Trump einen zweiten Hitler sieht, muss nachsitzen. Denn er/sie/es hat nicht nur den Geschichtsunterricht verpennt (was im Germany der GEW leider nur zu oft das Beste ist, was man damit anfangen kann), sondern weiß vor allem noch immer nicht, was Faschismus wirklich ist. Zudem hat er/sie/es das Verhältnis zur Wirklichkeit und Proportion verloren. Hier hat keiner zur Ermordung Andersdenkender aufgerufen oder angekündigt, dass er ein ganzes Volk vernichten wird. Hier strebt auch keiner einen Rachefeldzug gegen „die Plutokratien des Westens“ an, und niemand fordert Revanche, weil er sich symptomatisch zu kurz gekommen wähnt.

Ich persönlich kann auch nichts besonders Verwerfliches darin erkennen, wenn ein Staat das Leben seiner Bürger schützt und generell Bedingungen herstellt, unter denen seine Finanziers (vulgo: Steuerzahler) ihren rechtmäßigen Geschäften unbehelligt nachgehen können, sodass es ihren Kindern eines Tages bessergeht, als ihnen selbst. Aber ich bin eben auch kein Linker.

Was das linke Milieu und sein politisches Establishment in Germany offenbar derartig in Aufregung versetzt, ist, dass man in Zukunft für die Folgen seiner Entscheidungen wieder selbst verantwortlich sein wird. Man wird die Konsequenzen seines Tuns und Lassens in Zukunft nicht mehr so einfach abspalten und auslagern können. Man wird individuelles und soziales Scheitern nicht mehr so leicht anderen in die Schuhe schieben und auf Kosten (unbeteiligter) Dritter entsorgen können. Man wird es dennoch versuchen, denn man ist unverbesserlich.

Aber die deutsche Ideologie wird es in Zukunft etwas schwerer haben. Bereits jetzt schreien Medien und Politik wie Junkies auf Entzug, weil die Wähler in den USA ihnen ihr Lieblingsspielzeug weggenommen haben. Wie wär’s, wenn die üblichen Verdächtigen in Medien und Politik sich jetzt einfach mal einen schönen starken Kräutertee kochen und dann endlich das lernen, was sie zeitlebens versäumt haben: einen konstruktiven Umgang mit der Wirklichkeit. Oder kurz gesagt: erwachsen werden. Sonst geht die chronisch prekäre und inzwischen mal wieder recht problematische Beziehung zwischen Deutschland und der Wirklichkeit nämlich zum dritten Mal in hundert Jahren zu Lasten Germanys aus.

Abschließend möchte ich die Beobachtung einer befreundeten Psychologin zitieren, die sich mir gegenüber sehr gewundert hat, weil sich seit Trumps Sieg die meisten ihrer Beratungsgespräche nur noch um „Trump“ drehen (oder vielmehr das, was ihre KlientInnen sich darunter vorstellen). Verrückte Menschen machen sich eben gerne verrückt, sonst wären sie genauso langweilig wie der Rest. Und dazu ist ihnen jedes Mittel recht.

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