Die „Spiegel“-Schreiber Nelles & Pitzke und der Versuch die Rede des US-Präsidenten zu diskreditieren  

Von Claudio Casula

Unter der Überschrift „Spalten statt Versöhnen“ analysiert „Spiegel Online“ Donald Trumps neue Rede zur Lage der Nation. Lesen wir mal kurz in dieses Paradebeispiel für deutschen Qualitätsjournalismus hinein. Oder jedenfalls in die Highlights. (Wer die Rede von Trump nachlesen will, sei die von Dushan Wegner ins Deutsche übersetzte Fassung der Trump-Rede empfohlen).

SpOn: „Mit seiner ersten Rede zur Lage der Nation wollte Trump die Amerikaner eigentlich einen. Doch er erreichte das Gegenteil.“

Nur Stunden nach Trumps Ansprache zur Lage der Nation haben die Spiegel-Autoren bereits feststellen können, dass die 323 Millionen Amerikaner gespaltener sind als vorher.

„Mit großem Gefolge und noch größerem Pomp…“

Stimmen wir uns schon mal auf diesen schmierigen Typen ein!

„Die meisten Demokraten klatschten demonstrativ nicht.“

Ein bedenkliches Zeichen. Normalerweise sind Oppositionspolitiker ja vom Präsidenten begeistert.

„Seine Beliebtheit ist auf einem historischen Tiefpunkt.“

Jedenfalls in den Redaktionen unserer Quantitätspresse.

„Trump beschwor seine nationalistischen Standardparolen ‚America First‘ und ‚Make America Great Again‘, und zählte seine vermeintlichen Erfolge auf.“

Dass dieser Nationalist das Wohl seines Landes in den Vordergrund stellt, macht Nelles und Pitzke fassungslos. So etwas sind sie aus Deutschland ja auch nicht gewohnt. Und Erfolge, die dieser unsägliche Mensch aufzählt, können selbstredend nur vermeintliche sein. Mal ehrlich: Schon diese Frisur…

„Das sorgte für Reflex-Applaus bei den Republikanern und der populistischen Basis, die Demokraten begeisterte das aber nicht.“

Weil die Republikaner dumm sind und die Demokraten super, soviel Differenzierung muss auch in einer stocknüchternen Analyse sein.

„Ähnlich seine Verzerrungen der Immigrationsdebatte.“

Ist das vielleicht doch ein Kommentar? Nein, da steht Analyse drüber. Wirklich.

„Da gab es sogar Buhrufe.“

Die man leider in einem Text nicht lauter stellen kann, so wie man es bei der in Sachen Seriosität über jeden Zweifel erhabenen „Tagesschau“ zu handhaben pflegt.

„Seine angeblich so tolle Wirtschaftspolitik…“

Es genügt nicht, Erfolge des Erzfeindes in Zweifel zu ziehen. Man muss es auch noch im Schülerzeitungsjargon tun.

„Auch im außenpolitischen Teil der Rede prahlte Trump vor allem mit vermeintlichen Erfolgen.“

Obama hätte seine Erfolge herausgestrichen, Trump prahlt. Dabei sind Trumps Erfolge natürlich gar keine. Bätschi!

„Außerdem drohte er allen Staaten, die Amerikas Außenpolitik kritisieren (etwa im Nahen Osten), mit der Kürzung von Finanzhilfen.“

Zwar verweigert die „Palästinenser“-Führung seit Jahren Friedensgespräche, erzieht die Jugend zum Dschihad und zahlt den Familien inhaftierter „Märtyrer“ fürstliche Pensionen, aber das kann doch nicht der Grund sein, Abu Mazen & Co. die Alimente zu kürzen!

„Noch seltsamer erschien jedoch die Instrumentalisierung von Privatpersonen für Propagandazwecke. Doch so schamlos wie diesmal war es noch nie. Besonders perfide wurde es, als er zwei New Yorker Familien vorstellte, deren Töchter von der mexikanischen Gang MS-13 ermordet worden waren.“

Wie schäbig und hundsgemein von Trump! Undenkbar bei Frau Merkel oder Herrn Steinmeier. Die brauchen ja schon ein Jahr für ein 08/15-Kondolenzschreiben.

„ ‚Wir können uns das Ausmaß eurer Trauer nicht vorstellen‘, sagte Trump, während die Eltern auf der Tribüne heulten.“

Und Nelles & Pitzke wollen sich es nicht vorstellen. Schon die Wortwahl verrät ihre kalte Verachtung für Hinterbliebene von Mordopfern der falschen Herkunft.

„Eine große, versöhnliche Geste wäre gewesen, wenn Trump in irgendeiner Form auf seine Kritiker zugegangen wäre. Etwa, indem er eigene Fehler in seinem ersten Amtsjahr eingeräumt hätte.“

Genau das ist ja auch die Aufgabe eines US-Präsidenten: in der Ansprache zur Lage der Nation Asche auf sein Haupt zu streuen, zu bereuen, „Mea culpa! Mea maxima culpa!“ zu barmen und die Kritiker um Vergebung zu bitten.

„Dies hat er aber nicht getan, Selbstkritik ist bekanntlich nicht seine Stärke.“

Während sein Amtsvorgänger jeglichen Anwandlungen von Selbstverliebtheit stets abhold war. So wie deutsche Edelfedern.

„In ersten Reaktionen kritisierten etliche Demokraten Trumps Rede scharf.“

Und nur die sind ja maßgeblich.

„Trump wird die Pose des einenden Staatsmannes wohl kaum lange durchhalten, üblicherweise dauert es bei ihm nach derartigen Auftritten nur wenige Tage, bis er wieder in wütenden Tweets auf seine Gegner losgeht.“

Ah – es war also doch ein staatsmännischer Auftritt! Jedenfalls warf er sich in die entsprechende Pose. Aber wenn schon. Natürlich wird dieser lächerliche Prahlhans umgehend wieder zu dem Proll zurückmutieren, der er ist. Wütende Attacken auf ihre Gegner zu reiten – das könnte Nelles und Pitzke, Meistern der sachlich-fairen politischen Analyse, im Leben nicht passieren.

Komplett zu lesen in der Druck- oder Onlineausgabe der Zeitung. Sie können die Zeitung „Jüdische Rundschau“ hier für 39 Euro im Papierform abonnieren oder hier ein Onlinezugang zu den 12 Ausgaben für 33 Euro kaufen.


Sie können auch diesen Artikel komplett lesen, wenn Sie die aktuelle Ausgabe der "Jüdischen Rundschau" hier online mit der Lieferung direkt an Sie per Post bestellen oder jetzt online für 3 Euro statt 3,70 Euro am Kiosk kaufen.

Brief an die Redaktion schreiben