Januar 11, 2019 – 5 Shevat 5779
Trachten-Mummenschanz im US-Kongress

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Der neueste Streich des arabischen Geschichtsrevisionismus ist die Erfindung einer angeblich „palästinensischen“ Tracht aus „vorbiblischer“ Zeit  

Von Tina Adcock (Mena Watch)

Die frisch gewählte amerikanische Kongressabgeordnete Rashida Tlaib gab bekannt, dass sie anlässlich ihrer Vereidigungszeremonie im Januar ein traditionelles „palästinensisches“ Gewand tragen werde. Ihre Vorfahren haben „palästinensisch“-arabische Wurzeln, ihre Mutter stammt aus dem Dorf Beit Ur al-Fauqa in der Nähe von Ramallah und ihr Vater wurde in Beit Hanina in Jerusalem geboren. Um ihre Wurzeln zu betonen, habe sie sich für das beschriebene Kleidungsstück entschieden, von dem sie mit folgenden Worten ein Foto auf Instagram postete: „Eine kurze Vorschau: Das ist es was ich zu meiner Vereidigungszeremonie im Kongress tragen werde. #PalestininensischesGewand #FürmeineMama“

CNN und Al Jazeera berichteten, dass das Kleidungsstück, die Thawb, typisch für „palästinensische“ Frauen sei und die jeweilige Stadt, aus der die Frau kommt, repräsentiere. Jedoch ist eben dieses Kleidungsstück im gesamten Nahen Osten verbreitet und es ist rein gar nichts spezifisch „palästinensisch“ daran. Am 30. November widmete auch „ARD Israel Palästina“ der Thawb ihre Aufmerksamkeit und veröffentlichte eine Kurzdokumentation mit dem Titel „Bunte Leidenschaft: Palästinensische Frauenkleider sind seit Jahrhunderten für ihre prachtvolle Strickerei bekannt“. 

Schnell wird klar, dass die porträtierte „Tracht“ eine politische Botschaft sendet – wird doch behauptet, dass sie auf „vorbiblische Zeiten“ zurückgehe: „Besonders an den palästinensischen Kostümen ist dieses Rot, wir nennen es ordschuani. Die Kanaaniter haben die Farben aus Muscheln bezogen.“ Was haben nun also die Kanaaniter mit den sogenannten „Palästinensern“ zu tun? Die Antwort ist: Nichts, denn die nationale Selbstbezeichnung als „Palästinenser“ wurde erst als politische Strategie unter Arafat eingeführt, zuvor verstanden sich die Bewohner der „palästinensischen“ Gebiete schlicht als Araber.

Doch noch nicht einmal der geographische Bezug auf diese „palästinensischen“ Gebiete trifft auf die genannte Praxis des Kleiderfärbens zu, wie der Journalist Stefan Frank in seiner Analyse des ARD-Berichts ausführt. Zwar existiert die Idee, dass das Volk, welches die Griechen als Phönizier bezeichneten, von den Israeliten „Kanaaniter“ genannt wurde. Doch Archäologen legten dar, dass diese Anschauung falsch ist: mit dem griechischen „Phönizien“ wurde die Küstenregion des heutigen Libanon bezeichnet, während „Kanaan“ in der hebräischen Bibel eine Bezeichnung für die Feinde Israels ist, und ihr Gebiet wird als weiter südlich sowie Richtung Jordan liegend beschrieben. Des Weiteren wurde die Purpurfarbe der Phönizier nicht für Volkstrachten verwendet, da sie viel zu teuer war. Die heutigen „Palästinenser“ stammen von verschiedenen Völkern der Region ab und nicht von einem bestimmten wie den Kaananitern, von denen noch nicht einmal klar ist, ob es sie jenseits der Fremdbezeichnung durch die Israeliten überhaupt je gab. Die Kleidung der Frauen jedenfalls ist heute völlig verschieden von der vor 3.000 Jahren. All das hält die „Palästinensische Autonomiebehörde“ aber nicht davon ab, hartnäckig das Märchen von der Abstammung der Kanaaniter zu verbreiten, um die Geschichte der Levante für die letzten Jahrtausende umzuschreiben.

Eine Boykott-Aktivistin im US-Repräsentantenhaus
Rashida Tlaib ist nun die erste Muslima mit „palästinensischen“ Wurzeln, die einen Sitz im US-amerikanischen Repräsentantenhaus gewann. Sie gilt als Kritikerin von Donald Trumps Politik und sagte gegenüber dem englischen Channel 4, dass sie entschlossen gegen amerikanische Militärhilfe für Israel stimmen werde. Nach ihrem Wahlsieg erklärte sie, in eine „palästinensische“ Flagge gewickelt: „Meine Stärke entspringt dem Fakt, dass ich Palästinenserin bin.“ Darüber hinaus gab sie bekannt, dass sie für eine Einstaatenlösung wäre – für einen bi-nationalen „palästinensischen“ Staat, der Israel ersetzen soll und damit den Konflikt beenden würde.

Tlaib gilt als explizite Unterstützerin der Israel-Boykottbewegung BDS und möchte eine Delegation leiten, die das Westjordanland besuchen soll: „Ich möchte, dass wir alle die Segregation sehen können, und wie sie uns daran hindert einen wirklichen Frieden in der Region zu erreichen. (…) Ich denke nicht, dass [das American Israel Public Affairs Committee (AIPAC)] die Realität zeigt und einen fairen Einblick in diese Angelegenheit gibt.“ Die Reisegruppe soll sich hauptsächlich auf Themen wie Israels „Inhaftierung von palästinensischen Kindern“, Bildung, Zugang zu Wasser und Armut fokussieren. Tlaib plant während ihres Trips weder Vertreter der israelischen Regierung zu treffen noch Vertreter der „Palästinensischen“ Behörde. Damit möchte sie ein Gegengewicht zu der ursprünglich von AIPAC geplanten Israelreise schaffen, die Treffen mit israelischen Geschäftsleuten, Regierungsvertretern, Militärs uvm. beinhaltete. Die Einschnitte und die Neuplanung dürften bereits viel über das Bild verraten, das Rashida Tlaib vermitteln möchte.

Ihre BDS-Unterstützung begründete Tlaib damit, dass die Bewegung den ökonomischen Boykott nutze, um die Aufmerksamkeit auf „Probleme wie Rassismus und die Verletzung von internationalen Menschenrechten, die Israel jetzt gerade begeht“ zu lenken. Im August veröffentlichte Tlaib mehrere Anti-Israel-Tweets und unterstützt offiziell die Zerstörung des einzigen jüdischen Staats der Welt. Auch unterhält sie enge Beziehungen zu der notorischen Antisemitin und Women‘s-March-Leiterin Linda Sarsour, und bekundete auf Twitter Sympathie für die „palästinensische“ Terroristin Rasmea Odeh. Die Wahl ihrer Kleidung für die Vereidigungszeremonie soll diesen Einsatz für die „palästinensische Sache“ und gegen Israel nun noch einmal öffentlich unterstreichen.

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