Mai 13, 2015 – 24 Iyyar 5775
Tom, der Brückenbauer

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Ein Koch ist der berühmteste Deutsche in Israel  

Von Chaya Tal

Als er diesen Satz sagt, lächelt Tom Franz verschmitzt, so, als sei sein Übermut bei der israelischen Koch-Show „Masterchef“ damals noch, 2013, eine richtige Chutzpe gewesen. Und seien wir ehrlich – war es denn etwa keine? Ein deutscher Koch aus dem Rheinland, frisch zum Judentum konvertiert, tritt in der beliebtesten israelischen Koch-Show gegen Meister/-innen der mediterranen Küche an, und will den Juden beibringen, wie man koscheres Weltklasse-Essen herzaubert.
Als er diesen Plan tatsächlich umsetzt, und den „Masterchef“ gewinnt, bleiben viele Münder offen und es bricht eine Begeisterungswelle aus – bei den Israelis, bei den Deutschen. Und der hochgewachsene Mann mit dem blonden Pferdeschwanz und dem resoluten Blick wird über Nacht zu Israels Lieblingskoch und Lieblingsdeutschem.
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Chaya: Wie kamst du zur Teilnahme bei „Masterchef“?

Tom: Ich habe erst in der dritten Staffel mitgemacht. Meine Frau arbeitet in der Gastronomiebranche, sie wusste natürlich sofort von der Show, und sagte „das ist was für dich!“. Ich meinte da nur – „kannst du vergessen!“. Ich selbst habe seit 15 Jahren keinen Fernseher gehabt und ich mag Reality-Shows nicht. Ich habe die Sendung selbst kaum gesehen. Als ich sie mir schließlich doch angesehen habe, fand ich sie klasse. Diese Show ist für die ganze Familie, wie „Wetten, dass...“ in seinen besten Jahren. Es wird von allen Alters- und Sozialschichten geschaut.
Auch bei der zweiten Staffel meinte meine Frau, ich solle doch mitmachen. Meine Reaktion: „Kannst du vergessen.“ Zwischen der zweiten und der dritten Staffel hatten wir eine schwere Zeit in der Familie. Meine Frau ist bei der Geburt des ersten Kindes fast gestorben, ich war einen Monat praktisch allein mit dem Kleinen, es gab Riesensorgen. Nachdem meine Frau wieder gesund geworden war, sagte sie zu mir, „du hast einen Monat für uns geopfert, jetzt mach das hier für dich. Vielleicht öffnen sich für dich dadurch Türen.“ Irgendwo war ich noch immer widerwillig, habe es dann aber doch gemacht.
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Tom: Ich habe bei ‚Masterchef‘ eine Art Ansage gemacht. Ich will beweisen, dass man koscheres Essen auf Gourmet-Niveau kochen kann. Die meisten denken, das sei nicht möglich. Das koschere Essen hat einfach nicht diesen Ruf. Eigentlich gibt es dafür aber gar keinen praktischen Grund mehr. Heute bekommt man alle Produkte in ihrer höchsten Qualität, man bekommt alles, was man will.

Chaya: Gibt es denn keine entwickelte koschere Küche in Israel?

Tom: In Israel gibt es keinen Chefkoch, der nur koscher kocht. Sie kochen alle unkoscher. Sie bereiten dir vielleicht etwas Koscheres zu, weil man ihnen dafür zahlt, aber per se sind sie unkoscher. Ich bin der einzige bekannte Koch, der durchgehend koscher kocht. Bei mir wollen die Leute aber essen, weil sie mein Essen gut finden! „Koscher“ ist dann nur der Zusatz.
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Chaya: Damit wären wir bei der deutschen Küche und deutschen Spezialitäten. Dass das Schnitzel in Israel eine große Rolle im Alltagsmenü spielt, ist bekannt. welche anderen Gerichte aus deutschsprachigen Ländern sind regelmäßig auf israelischen Tellern anzutreffen?

Tom: Da müsste ich nachdenken. Die aschkenasische Küche ist hier ziemlich verlorengegangen. Was sich erhalten hat, das sind die Sachen mit Hering, oder das, was mit Quiche zu tun hat… aber das ist schon wieder Französisch. Etwas, was man tatsächlich im Streetfood wahrnehmen kann, eher nicht. Die klassische Küche, im Großraum Deutschland, Österreich und Ungarn beheimatet, ist zum Teil vernichtet worden. Diejenigen, die hierhergekommen sind, waren entweder noch zu jung, um sie zu kennen und kochen zu können, oder haben es einfach schleifen gelassen. Die Aschkenasen in Israel haben andere Berufe ausgeübt. Die Küchenberufe waren größtenteils von den Sepharden besetzt, und diese haben ihre Gerichte hineingebracht, und sich nicht die Mühe gemacht, andere Rezepte zu lernen.
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Tom: Ich bekam auch Rückmeldungen von Jecken (deutschstämmigen Juden), sie meinten sogar, ich hätte bei Masterchef mit meinen Gerichten ihrer Küche die Ehre zurückgegeben.

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