Von Anastasia Iosseliani

Martin Lejeune schrieb als Journalist (diese Berufsbezeichnung ist nicht geschützt) früher für die „taz“, den österreichischen „Standard“ & die bis 2016 von einem früheren Stasi-Mitarbeiter geführte ehemalige FDJ-Zeitung „junge Welt“. Nun wurde er selbst für diesen Personenkreis zu einer unsicheren Hypothek. Heute verfasst er vor allem Facebook-Posts für seine 80.000 Abonnenten, bei denen es sich mehrheitlich um Erdogan-Fanboys & sonstige Islam-Apologeten handelt.

Ein ums andere Mal blamiert sich der junge Mann bei seiner „Arbeit“. Zuletzt geschah dies während des Halbmarathons in Berlin. Es war nicht so schlimm wie damals als er die Schoah in Frage stellte. Trotzdem machte er sich durch sein Verhalten beim Marathon zur Lachnummer für halbwegs vernunftbegabte Menschen & zum Märtyrer für seine Anhänger/Abonnenten.

Aber ich will mich mit meinem Beitrag nicht über einen Menschen lustig machen, der meiner Meinung nach dringend professionelle Hilfe benötigt. Vielmehr frage ich mich, wie es kommen konnte, dass jemand in einem Umfeld, das für Diversität, Progressivität & Antirassismus steht, zu einem – meiner Meinung nach – islamophilen Regime-Apologeten werden konnte, der um den Beweis der Friedfertigkeit des Islams zu erbringen, zuerst zum Islam konvertierte & danach die Schoah in Frage stellte.

Meiner Meinung nach hat dies sehr, sehr viel mit zwei Problemen innerhalb des linksliberalen Mainstreams zu tun: Einerseits mit dem konstanten Relativismus bei regressivem Gedankengut & Verhalten bei Menschen mit islamischem Background, d.h. man lässt einem muslimisch sozialisierten Menschen Homophobie, Sexismus, Rassismus & Antisemitismus durchgehen & entschuldigt & relativiert das mit der Kultur des betreffenden Menschen. So konnte man zum Beispiel Erdogan zum Reformer der Türkei hochstilisieren.

Andererseits – ich habe diesen Begriff hier schon angeschnitten – liegt es am fehlenden Bewusstsein für Antisemitismus. Ja, man kann mit seinem türkischen Gemüsehändler befreundet sein & trotzdem antisemitische Ressentiments pflegen. Ja, man kann Mohammed heißen, einen Migrationshintergrund in der MENA-Region haben, in Mitteleuropa Opfer von Diskriminierung & trotzdem ein glühender Judenhasser sein. Ja, man kann, wie Horst Mahler vom Links- zum Rechtsextremismus wechseln & ja, man kann auch für die „taz“ schreiben & dort zu einem Islam-Apologeten werden, der Juden verachtet.

Das fehlende Bewusstsein für Antisemitismus ist derzeit leider ein großes Problem innerhalb des linken Mainstreams. Die Angst von uns Juden vor islamischem, aber auch linkem Terror wird nicht ernstgenommen, oder gar als Rassismus von jüdischer Seite diffamiert. Bei gleichzeitigem Relativieren von konkreten Problemen innerhalb der muslimischen Gemeinschaft sorgen diese antisemitischen Ressentiments für ein toxisches Umfeld, in welchem sich naive & labile Geister fanatisieren können. Obwohl besagtes Umfeld es doch nur gut gemeint hat.

Die Autorin bloggt unter www.pinkkoshernostra.org

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