März 31, 2017 – 4 Nisan 5777
Makkabi Deutschland ist angekommen!

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Der Sportverband eröffnet ein neues Büro an Frankfurt  

Von Mike Delberg

Frankfurt am Main: „So ein Tag, so wunderschön wie heute...“. Nur einen Steinwurf von der Frankfurter Commerzbank-Arena entfernt, hat Makkabi seinen rechtmäßigen Platz neben den Größen des deutschen Sports eingenommen. Mitte März weihte der jüdische Sportverband samt zahlreichen Gästen aus Politik, Sport und dem jüdischen Leben, sein neues Büro ein – und das an keinem geringeren Ort als der Otto-Fleck-Schneise 12 – dem ehrwürdigen „Haus des Deutschen Sports“. Zu Makkabis Nachbarn zählen von nun an unter anderem der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) und die Deutsche Olympische Akademie (DOA). Selbst der Deutsche Fußballbund (DFB) hat seinen Sitz um die Ecke. Makkabi ist also dort angekommen, wo sie sich immer gewünscht haben zu sein – im Herzen des deutschen Sports.

Doch bis dahin war es ein langer Weg. Mit 37 Ortsverbänden und über 4.500 Mitgliedern ist Makkabi Deutschland die größte jüdische Sportorganisation des Landes. Im Jahr 1903 von deutsch-jüdischen Sportvereinen als Dachverband gegründet, war Makkabi Deutschland sogar Gründungsmitglied der Makkabi Weltunion, die 1921 als Weltsportverband jüdischer Sportler etabliert wurde. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurden der jüdische Sportverband und seine Mitgliedsvereine aus dem deutschen Sport ausgeschlossen. Von nun an konnten sie nur noch untereinander wetteifern.

Als am 9. November 1938, der Reichspogromnacht, das Büro des Präsidenten des deutschen Makkabi-Verbandes Hans Friedenthal zerstört wurde, wähnte man sich am Anfang vom Ende des jüdischen Sports in Deutschland. Der jüdischen Bevölkerung wurde jeglicher Vereinssport verboten, Makkabi wurde aufgelöst.

Erst 20 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Makkabi Deutschland als nationaler Dachverband am 23. Mai 1965 in Düsseldorf neugegründet. Der jüdische Sportverband wurde wieder in den Deutschen Sportbund als Mitglied aufgenommen und nahm 1969 erstmals seit 1932 an der Makkabiah, den Weltfestspielen jüdischer Sportler in Israel, teil.

Heute, knapp 50 Jahre später, ist Makkabi Deutschland ein nicht wegzudenkender Teil der deutschen Sportlandschaft geworden. Mit der eindrucksvollen Austragung der European Maccabi Games 2015 in Berlin oder der Deutschen Makkabi-Meisterschaft 2016 in Duisburg hat man ein wichtiges und weitreichendes Zeichen gesetzt – Makkabi Deutschland ist endgültig im nationalen und internationalen Sport angekommen.

„Die Einweihung des neuen Büros an dieser prestigeträchtigen Adresse, ist nun ein weiterer Schritt in Richtung eines neuen offenen, deutsch-jüdischen Selbstverständnisses“, so Alon Meyer, Präsident von Makkabi Deutschland. Es sei nicht nur die Ankunft in der Mitte des deutschen Sports, man sei nun ein Teil davon – auch physisch.

Zu diesem Anlass lud Makkabi zu einem Umtrunk ein. Neben den neuen Nachbarn und zahlreichen Makkabäern aus dem ganzen Land, gehörten der Frankfurter Bürgermeister Uwe Becker, DFB-Vizepräsident Dr. Rainer Koch und Zentralratsvizepräsident Mark Dainow zu den hochkarätigen Gästen. Selbst Brüssel entsandte mit Katharina von Schnurbein eine offizielle Vertreterin der Europäischen Kommission.

Der Einzug von Makkabi in das Haus des Deutschen Sports sei „ein Stück außergewöhnlicher Normalität und der Beginn einer tollen Zusammenarbeit“, sagte Michael Vesper, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Olympischen Sportbundes, in seinem Grußwort. Er ist froh und stolz die neuen Mieter im Haus und auch in Frankfurt willkommen zu heißen. Ebenso sieht es Bürgermeister und Stadtkämmerer Uwe Becker: „Makkabi trägt dazu bei, dass Frankfurt seinen Namen als Sportstadt zurecht trägt“, betonte der langjährige Unterstützer des jüdischen Sportverbandes und Förderer des jüdisch-israelischen Lebens in Frankfurt.

Neben warmen Worten gab es auch Geschenke. So brachte Dr. Rainer Koch nicht nur die offiziellen Glückwünsche des Deutschen Fußballbundes vorbei, sondern auch ein unterschriebenes Trikot der Fußballnationalmannschaft mit. Ein Präsent, welches sicherlich einen Ehrenplatz im frisch eingerichteten Büro erhalten wird.

Apropo frisch eingerichtet: Da Makkabi Deutschland ein jüdischer Verband ist, wollten die Verantwortlichen es bei einem solchen Anlass nicht missen zu dem feierlichen Festakt ein Stück jüdischer Tradition beizusteuern. Daher bat man die Frankfurter Gemeinderabbiner Avichai Apel und Julian-Chaim Soussan eine speziell aus Israel angelieferte Mesusa, als Zeichen der Einweihung eines jüdischen Zuhauses, am Türpfosten der neuen Heimat von Makkabi anzubringen. Mit Gesang und viel Freude wurde das festliche Ritual gemeinsam mit allen Gästen und Beteiligten vollzogen, woraufhin Makkabi zur erstmaligen Besichtigung der neuen Räumlichkeiten einlud. Bis zum kommenden Sommer bleibt Köln weiterhin der offizielle Sitz des einzigen jüdischen Sportverbandes in Deutschland. Danach soll es phasenweise zum kompletten Umzug nach Frankfurt kommen. Doch bis dahin wird Makkabi Deutschland an mehreren Standorten aktiv sein – sowohl in bürokratischer, als auch in sportlicher Hinsicht.

Neben dem Umzug, liegen noch weitere große Aufgaben vor dem jüdischen Sportbund. In weniger als vier Monaten findet in Israel die 20. Maccabiah statt. Mit einer Delegation von über 200 Sportlern, Betreuern und Helfern, wird Makkabi Deutschland an den anstehenden Spielen teilnehmen. Die Maccabiah ist mit über 10.000 Sportlern aus insgesamt 80 Ländern, nach den Olympischen Spielen und den Paralympics, das drittgrößte Sportereignis der Welt. Nach den hervorragenden Ergebnissen und dem ersten Platz im internationalen Medaillenspiegel bei den European Maccabi Games in Berlin, hofft Makkabi Deutschland nun auf weitere Medaillen aus Israel. Besonders in den Sportarten Schach, Tischtennis und Fechten macht man sich Hoffnungen. Neben den etablierten Sportarten gehen in diesem Jahr auch neue Teams für Deutschland an den Start. So nimmt beispielsweise erstmalig ein neu formiertes Eishockey-Team am internationalen Wettbewerb teil.

Am 2. Juli heißt es dann Abflug zum eigens organisierten Pre-Camp, bei welchem sich die deutsche Delegation nochmals konzentriert auf die anstehenden Spiele vorbereiten wird. Daraufhin muss das Makkabi-Deutschland-Team vorerst voneinander Abschied nehmen, denn es verteilt sich auf seine Unterkünfte und Spielstätten von Haifa bis nach Jerusalem. Nach der offiziellen Eröffnung am 6. Juli im Jerusalemer „Teddy-Kollek-Stadion“ beginnen die Wettkämpfe. Für all diejenigen, die es nicht nach Israel schaffen, bleibt Makkabi Deutschland am Ball: Ein eigens zusammengestelltes Medien-Team wird dafür Sorge tragen, dass jedes Ergebnis und jeder Eindruck von vor Ort seinen Weg ins Netz und auch nach Deutschland findet. Unter www.makkabi.de oder auf der Makkabi Deutschlands Facebookseite www.facebook.com/MakkabiDeutschland bleiben Sie immer auf dem Laufenden. In diesem Sinne wünschen wir allen deutschen Makkabi-Sportlern viel Erfolg in Israel und allen Makkabäern ein herzliches „Makkabi Chai“!

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