Sinti, Roma und Juden – eine Schicksalsgemeinschaft?  

Von Wolfgang Seibert

Nicht erst seit der Schoah ist bekannt, dass es zwischen Juden, Sinti und Roma viele Gemeinsamkeiten und Berührungspunkte gibt. Das Verhältnis zwischen beiden Völkern ist gut, entgegen der Meinung vieler Menschen. Es ist geprägt von Respekt und Achtung. Als Beispiel kann man folgende Tatsache anführen: In der Sprache der Sinti und Roma gibt es das Wort „Gadscho“. Mit diesem Wort werden Menschen bezeichnet, die kein Sinto oder Roma sind. Dieses Wort ist oft negativ besetzt, denn oft wurde den Sinti und Roma von Außenstehenden Unrecht angetan. Für Juden gilt diese Bezeichnung Gadscho nicht.

Geschichte der Roma und Sinti
Sinti und Roma kommen ursprünglich aus dem Pandschab, einem Gebiet im nordwestlichen Indien und im östlichen Pakistan. Bei ihren Eroberungszügen im 9. und 10. Jahrhundert verschleppten die Araber die dort lebenden Menschen, um sie zu versklaven oder als Soldaten gegen die römischen Legionen ins Feld zu schicken. Im 11. Jahrhundert nahmen die Araber bei ihren Feldzügen mehr als 50.000 Sinti und Roma als Gefangene mit. Die meisten von ihnen wurden als Sklaven in die Balkanländer verkauft.

Ihr erstes Auftreten in Deutschland wird in einer Urkunde aus Hildesheim aus dem Jahre 1407 erwähnt. König Sigismund stellte 1423 einen Schutzbrief aus, der die Sinti und Roma in Deutschland vor Übergriffen schützen sollte. Er sicherte ihnen sogar eine eigene Gerichtsbarkeit für Streitfälle untereinander zu.
1551 erging dann auf dem Reichstag zu Augsburg ein Erlass, dass alle Sinti und Roma das Land innerhalb von drei Monaten verlassen müssen. 1589 gab es Polizeiverordnungen mit dem Inhalt, dass die Polizei berechtigt war den Sinti und Roma ihr Hab und Gut zu nehmen und sie aus dem Land zu vertreiben. Diese Praxis des Staates breitete sich immer mehr aus. Sinti und Roma wurden gefangengenommen, vertrieben, erschlagen oder hingerichtet. So waren sie gezwungen von Ort zu Ort zu ziehen und zurückgezogen leben, oft lebten sie in Familiengruppen in Waldlagern. Im 30-jährigen Krieg von 1618-1648 waren sie aber dann als Soldaten wieder herzlich willkommen.

Im Zeitalter der Aufklärung, in der zweiten Hälfte des 18. und im 19. Jahrhundert, versuchte man etwas „Gutes“ für die Sinti und Roma zu tun – man versuchte sie seßhaft zu machen. Alles unter dem Motto „Eingliederung“. Damit sollte die Identität der Sinti und Roma als eigenes Volk gebrochen werden. Das Vorhaben scheiterte am Widerstand der Sinti und Roma, die nicht bereit waren ihre kulturelle Eigenständigkeit aufzugeben. Eindeutig eine Paralelle zu den Versuchen zur gleichen Zeit, die Juden zu „integrieren“.

Auch ein Versuch der österreichischen Kaiserin Maria Theresia den Sinti und Roma Saatgut zu schenken und sie Hütten bauen zu lassen, um sie sesshaft zu machen, scheiterte kläglich. Jugendliche Sinti und Roma mussten ein Handwerk lernen und danach sofort zum Militär. Natürlich wurden nur solche Handwerke ausgesucht, die andere Menschen nicht machen wollten. Zum Beispiel Kesselflicker. Viele Sinti und Roma lernten die Berufe des Gold-, Silber- oder Kupferschmieds. Entgegen der Pläne sie sesshaft zu machen, zogen sie mit ihren Berufen, die nicht zwangsläufig ortsgebunden waren, durch das Land und verkauften ihre Waren oder boten ihre Dienstleistungen an. Dabei kamen sie natürlich auch in Kontakt mit jüdischen Kollegen, oder Juden, die handelnd herumzogen. Es ist überliefert, dass die beiden Volksgruppen sich gegenseitig akzeptierten und sogar oft zusammenarbeiteten. (...)

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