Juli 6, 2015 – 19 Tammuz 5775
Señor Kaplan – Eine tiefsinnige Komödie

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Der erfolgreichste uruguayische Film des Jahres hat Premiere in Deutschland  

Von Laura Külper

Montevideo, Uruguay. In der sonnenverwöhnten Stadt gerät der 76-jährige Jude Jacob Kaplan in eine tiefe Sinneskrise, denn die Frage nach dem Wert seines Vermächtnisses für die folgenden Generationen und die jüdische Gemeinde lässt ihn nicht los. Der Film des vielfach gelobten Regisseurs Álvaro Brechner ist der erfolgreichste uruguayische Film des Jahres und begleitet den Hauptcharakter Jacob Kaplan auf seiner Suche nach einer Bestimmung und dem Wunsch, der auch in vielen von uns sitzt: etwas Bedeutsames und Sinnvolles hinterlassen, bevor man unweigerlich das Zeitliche segnet und in Vergessenheit gerät. In Jacob Kaplans Fall nimmt dieses Ziel plötzlich rasant Gestalt an, als er von einem angeblichen deutschen Nazi, gespielt von Rolf Becker, hört, der am Strand eine kleine Bar betreibt. Schnell beschließt Jacob, dass die Festsetzung des Deutschen sein Beitrag für die jüdische Gemeinde und sein Vermächtnis werden könnte.

Brechners Komödie SEÑOR KAPLAN gibt dem Zuschauer die Gelegenheit Jacob Kaplan, gespielt von Héctor Noguera, wirklich kennenzulernen. Anstelle von derben Schenkelklopfern und zwanghaft lustigen Dialogen bietet der Film wunderbar eingefangene Momente und sorgfältig zusammengestellte Gespräche, die uns mehr über Jacob verraten. So zum Beispiel der Moment, in dem Jacob beim Augenarzt sitzt und beim Sehtest versucht hemmungslos zu schummeln, um seine Fahrerlaubnis nicht zu verlieren. Jacob hat Stolz, ist erfindungsreich und immer ein bisschen stur, doch leider kostet ihn ein unvorsichtiger kleiner Unfall dennoch die Fahrerlaubnis. Doch wie es im Leben manchmal ist, stellt sich dieses vermeintliche Unglück für Jacob dennoch als Glücksfall heraus, denn seine besorgte Familie verschafft ihm daraufhin einen Fahrer, den leicht heruntergekommenen aber herzensguten Ex-Polizisten Wilson. Wilson, gespielt von Néstor Guzzini, wird Jacobs Komplize für das geheime Abenteuer der Nazijagd und offenbart nach und nach erstaunliche Qualitäten.

Eine der lustigsten Szenen des Films ist vermutlich Jacobs Gespräch mit Freunden an der Bar bei einer Hochzeit. Mit Blick auf den Swimmingpool und den Sprungturm auf der Terrasse des Anwesens entwickelt sich schnell eine eigenwillige Diskussion, bei der Jacob von einem Freund zu hören bekommt, er wisse ja gar nichts darüber, da er ja selber nicht schwimmen könne. Und wieder ist da ein Moment, in dem man Jacob plötzlich sehr genau kennen lernt. Seine Augen blitzen, als er trotzig das Kinn hebt und verkündet, dass man ja überhaupt nicht Schwimmen können müsse. Schwimmen sei ein Überlebensinstinkt, den die Natur jedem Menschen eingepflanzt hätte und sobald er erstmal im Wasser wäre, würde der schon von ganz allein einsetzen.

Als ich Álvaro Brechner im Interview an einem sonnigen Donnerstagmorgen in Berlin auf diese Szene anspreche, lacht er: „Diese Situation basiert übrigens auf einer wahren Geschichte, die Swimmingpoolszene ist nahezu genau so meinem Großvater passiert. (…)

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