Der Judenstaat und seine Hilfe in Nepal  

Von Nikoline Hansen

Nepal ist ein bei israelischen Rucksacktouristen beliebtes Reiseland. So mutet es fast wie ein Wunder an, dass nur ein israelischer Jugendlicher, Or Asraf, bei dem großen Erdbeben in Nepal sein Le- ben verlor. Or Asraf konnte nur noch tot geborgen werden und seine sterblichen Überreste wurden am 5. Mai nach Israel gebracht, wo er unter großer Anteilnahme der Bevölkerung beigesetzt wurde. In Katmandu gibt es ein Chabad-Haus, das für die Juden und Israelis vor Ort nach dem Erdbeben einer der zentralen Anlaufpunkte wurde. Und in Israel werden wiederum nepalesische Gastarbeiter hoch geschätzt, sie arbeiten hier besonders im Bereich der Pflege älterer Menschen. (...)

Daher war es selbstverständlich, dass Israel auch nach dem katastrophalen Erdbeben, das am 25. April 2015 fast drei Millionen Menschen obdachlos machte, über 7.000 Menschen das Leben kostete, und etwa 13.000 Verletze hinterließ, tatkräftige Hilfe beisteuerte – und dabei im internationalen Vergleich mit an erster Stelle der Hilfeleistungen stand: Israel schickte in kürzester Zeit eine Delegation von 264 Personen und über 95 Tonnen an Hilfsgütern nach Nepal, darunter ein Feldlazarett. (...)

Trotzdem gab es insbesondere von iranischer Seite Bemühungen, Israels Einsatz in ein schlechtes Licht zu rücken. Dies dokumentierte etwa die Facebook-Gruppe „Freundschaft Deutschland-Israel“ am 11. Mai unter der Überschrift „Iran & Venezuela: Nepal Hilfe der Israelis nur wegen Babyhandel“: Dies war eine Anspielung darauf, dass homosexuelle Israelis in Nepal leichter als in anderen Ländern Kinder adoptieren können. In der Facebook-Gruppe wurde gekontert: „Wie auch immer man zum Thema Leihmutterschaft stehen mag …, die Berichte im Fernsehen von Venezuela und Iran sind von solcher Perversität, dass sie nicht unwidersprochen hingenommen werden sollten. Abgesehen von dem Fakt, dass keines der beiden Länder auch nur einen Cent für die durch das Erdbeben betrof- fene Bevölkerung Nepals ausgegeben hat, suhlt man sich jetzt in primitivstem Antisemitismus, wenn man den Israelis unterstellt, all die Hilfe lediglich geleistet zu haben, um den Kinderhandel zu fördern.“

In den deutschen Medien war die Kritik zwar moderater, trotzdem mischten die Medien einen faulen Beigeschmack in ihre Berichterstattung: Auch hier gab es Stimmen, die meinten, die israelischen Streitkräfte hätten sich in erster Linie um die israelischen Touristen und die nepalesischen Leihmütter bemüht. Auch wenn er Israel nicht explizit erwähnt, ist angesichts der allgemeinen Berichtslage doch deutlich, gegen wen sich der Präsident des kirchlichen Bündnisses „Entwicklung hilft“, Rainer Brockhaus, wendet, wenn er bezüglich der expliziten Hilfe für Touristen nach dem Erdbeben in Nepal von einer „Zwei-Klassen-Hilfe“ zu spricht. Das ist nun wirklich eine gänzlich unangemessene Kritik, denn was liegt näher als nach einer Katastrophe in einem Land die Touristen und damit natürlich besonders auch die eigenen Landsleute aus dem Erdbebengebiet herauszubringen und so auch die einheimische Bevölkerung etwa von Versorgungsengpässen zu entlasten? (...)

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