Juli 6, 2015 – 19 Tammuz 5775
Schalom, Herr Wachtmeister!

image

Jüdische Polizisten im Nachkriegsdeutschland  

Von Wolfgang Seibert

(…) Walter Blender, 52 Jahre, ist Vorsitzender des Landesverbandes der Jüdischen Gemeinden von Schleswig-Holstein, Kriminalhauptkommissar, seit 38 Jahren bei der Polizei und Leiter eines Sachgebietes für Schwerkriminalität. Er hat verschiedenste Funktionen bei der Polizei gehabt, war Straßenpolizist, dann bei einer Spezialeinheit und bei der „Sitte“.

„Ich bin zur Polizei gegangen weil ich ein starkes Gefühl für Gerechtigkeit habe. Die 10 Gebote sind für mich sehr wichtig, besonders die Wahrung des Eigentums und die körperliche Integrität und Unversehrtheit von Menschen.Zu Beginn spielte der jüdische Glauben bei meiner Berufswahl überhaupt keine Rolle. Das hat sich aber später geändert. Nach ungefähr 10 Jahren Dienst suchte ich Parallelen zu meinem Glauben.
Meine Kollegen wussten zu Beginn nichts davon, dass ich Jude bin. Als sie es erfahren haben, stellten sie fest, dass sie überhaupt keine Ahnung vom Judentum hatten, sie fragten dann aber viel nach, was dann auch dazu führte, dass ich immer mehr über mein Judentum nachdachte. Heute spielt mein Glaube eine immer größere Rolle in meinem Berufsleben, ich kann immer mehr die Arbeit damit verknüpfen, es funktioniert immer besser.

Besondere Erlebnisse? Klar, am Anfang versuchte ich immer der Erste zu sein der unter der Gemeinschaftsdusche war, damit niemand sah, dass ich beschnitten bin. Das führte dazu, dass ich ein sehr guter 5.000-Meter-Läufer war, weil ich ja eben immer der Erste unter der Dusche sein wollte!
Im Dienst hört man viel, bzw. nimmt es sensibel wahr, was die Kolleginnen und Kollegen z.B. über Israel denken. Da kann ich viel Überzeugungsarbeit leisten, gleichzeitig realisiert man aber auch, dass das nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist. Nach vielen Gesprächen und Diskussionen haben sich aber einige Kollegen entschlossen, Israel zu besuchen.Einige kamen auch zur Synagoge und sie begannen sich für einen Glauben zu interessieren, der zu Deutschland gehört, der ein Teil der deutschen Geschichte ist.

Übrigens, meine Kollegen freuen sich immer, dass ich bereit bin Dienste an Weihnachten, Ostern und anderen christlichen Feiertagen zu übernehmen, dafür übernehmen sie dann Dienst für mich an den jüdischen Feiertagen.

Jungen jüdischen Menschen, die eventuell zur Polizei wollen, kann ich nur sagen: Macht es! Der Beruf ist nicht nur spannend und sehr vielseitig, es gibt ja die verschiedensten Möglichkeiten einer Laufbahn:Man kann Streifenpolizist werden, Taucher, Techniker, Hundeführer oder Kriminalbeamter mit vielen verschiedenen Fachrichtungen, um nur einige Beispiele zu nennen. Man weiß an keinem Tag, was am nächsten Tag passieren wird, er ist ein typischer Erfahrungsberuf und man arbeitet immer mit Menschen.Meine größte Angst ist meine Pension, ich möchte einfach weiterarbeiten.“

Gregor H.,59 Jahre, ist Kriminalhauptkommissar in Braunschweig. Er möchte nicht, dass sein voller Name genannt wird und auch nicht, dass ein Bild von ihm veröffentlicht wird, weil er in einem Bereich arbeitet „wo das nicht gut wäre.“

„Tja, warum bin ich zur Polizei gegangen? Vielleicht liegt das bei mir in den Genen, mein Opa war schon Polizist in Stralsund bis 1933, dann haben sie ihn rausgeschmissen, weil er Jude war. Er ist dann nach dem damaligen Palästina ausgewandert, mein Vater war Polizist in Israel, bis er in den Jahren um 1960 wieder nach Deutschland kam. Außerdem gibt es ja auch jüdische Ganoven, da kann man doch auch jüdischer Polizist werden, oder? (…)

Komplett zu lesen in der Druck- oder Onlineausgabe der Zeitung. Sie können die Zeitung „Jüdische Rundschau“ hier für 39 Euro im Papierform abonnieren oder hier ein Onlinezugang zu den 12 Ausgaben für 33 Euro kaufen.


Sie können auch diesen Artikel komplett lesen, wenn Sie die aktuelle Ausgabe der "Jüdischen Rundschau" jetzt online für 3 Euro statt 3,70 Euro am Kiosk kaufen.

Brief an die Redaktion schreiben