Die Berlinerin Margitta Aepfler erzählt gern von einer ganz besonderen Erfahrung in der israelischen Armee 



Margitta Aepfler nahm im Frühjahr am Sar-EL-Programm der israelischen Armee teil. Für die JÜDISCHE RUNDSCHAU hat Frau Aepfler ihre spannenden Erlebnisse zu Papier gebracht.

Ich fliege oft nach Israel, aber heute bin ich schon etwas nervös. Das Taxi kommt pünktlich. Um 4 Uhr nachts klingelt es unten an der Tür. Schnell greife ich meinen Koffer und renne zur Straße hinunter. Im Taxi gehen mir viele Gedanken durch den Kopf, unter anderem dazu, wie sich der Dienst in der israelischen Armee anfühlen wird und wie die Begegnungen mit den Soldaten vor Ort sein werden. Denn ich fliege dieses Mal nicht wie sonst als Touristin nach Israel, sondern um für drei Wochen einen Dienst als Freiwillige bei der israelischen Armee zu leisten.

Gegen 12 Uhr Ortszeit lande ich auf dem Flughafen Ben-Gurion bei Tel Aviv. Ich hatte einen angenehmen Flug. Die Passkontrolle geht schnell, und ich habe auch nur Handgepäck dabei, was mir das lästige Warten am Gepäckband erspart. In der Haupthalle schaue ich mich um. Eine größere Gruppe Menschen befindet sich am vereinbarten Treffpunkt. Ich frage nach, ob ich richtig sei, was die Gruppe bejaht. Eine etwas ältere Dame stellt sich mir als Mitarbeiterin vor; ihr Name ist Pamela. Sie kümmert sich vor Ort um die organisatorischen Belange des Sar-El-Programms. Ihr gebe ich meine Unterlagen.
Sie sagt, es wäre noch ein Deutscher in meiner Gruppe, die anderen kommen aus Kanada und den USA.

Gruppentreff am Flughafen
Pamela weist den Freiwilligen ihren Madrichot (so nennt man die Soldatinnen, die für die Freiwilligen verantwortlich sind) der jeweiligen Basis zu. Und dann geht alles ganz schnell. Mein Landsmann – sein Name ist Ben aus Süddeutschland, Raum Stuttgart – und ich verloren plötzlich unsere Soldatin aus den Augen. Ich denke nur: „Oh je, das fängt ja schon mal gut an.“ Zum Glück steht Pamela noch am selben Ort in der Empfangshalle des Flughafens. Dort ist sie noch mit einer Soldatin, die uns zum richtigen Bus bringt. Im Bus erfahren wir dann, wo ungefähr und auf welcher Basis wir eingeteilt sind. Es heißt, es sei ein ganz besonderes Kommando, und wir sind alle schon ganz gespannt und aufgeregt.

Nach einer Stunde Fahrt kommen wir auf der Basis an.

Wir stellen uns gegenseitig vor. Dann gehen wir mit der Madricha zu unserer Unterkunft. Das Gelände ist weitläufig. Unsere Madrichot teilen uns noch mit, wo wir uns einfinden sollen. Am Sammelpunkt sind die Lagerhäuser, und auf der Straße stehen Militärfahrzeuge. Ringsherum sieht man flache Bungalows. Alles wirkt einfach, aber funktionell. Auf unserer Basis gibt es auch einen kleinen Shop. Inmitten der Basis ist ein großer Platz, wo allmorgendlich der Appell stattfindet und die israelische Flagge gehisst wird.

Wir bekommen unseren Schlafraum zugewiesen. Es ist ein großer Raum mit sechs Doppelstockbetten aus Eisengestellen – ja, es ist jetzt kein Zimmer im Renaissance-Hotel in Tel Aviv. Wir schlafen zu sechst in diesem Raum. Sheila macht uns darauf aufmerksam, dass sie laut schnarcht. Zum Glück habe ich Oropax mitgenommen.
Wir legen erstmal alles ab und gehen zum Lagerhaus, wo wir unsere Uniformen und Matratzen sowie Schlafsäcke entgegennehmen. Mit Augenmaß und etwas Glück erhalten wir auch eine einigermaßen passende Uniform. Ohne Gürtel wäre mir allerdings meine Uniformhose von der Hüfte gerutscht. Noch schnell ein Foto für Facebook in israelischer Uniform und dann zurück zum Lagerhaus. Unsere Madrichot erklären uns den täglichen Ablauf und was unsere Aufgaben sind.
Es ist Kaffeezeit, vor einem Lagerhaus steht auf einem Teewagen ein Heißwasserboiler, Kaffeepulver sowie Schokokuchen. Die US-Amerikaner sind irritiert, was den Kaffee anbelangt, da dieser türkisch gebrüht ist und nicht gefiltert. Wir sind von der Reise alle noch etwas erschöpft. Die Amerikaner und Kanadier haben eine 10-stündige Flugzeit hinter sich und möchten sich etwas ausruhen. Es ist noch Zeit bis zum Abendbrot, und wir begeben uns zurück in unsere Unterkünfte.

Im Speisesaal
Der Cheder Ochel ist ein großer Speisesaal. Es gibt dort unzählige Plätze. Viele junge Soldaten sitzen schon beim Abendbrot zusammen und unterhalten sich. Es ist ziemlich laut, aber ich mag das. An den Wänden hängen Bilder von dem Kommando, auf dem wir uns befinden. Es ist gut klimatisiert. Das Geschirr ist aus Kunststoff, ebenso die Trinkbecher. Als Dinner wird heute Schnitzel aus Hähnchenfleisch und Shakkshukah angeboten. Shakkschukka ist eigentlich ein israelisches Frühstück und besteht aus gegarten Tomaten und Spiegeleiern, sehr lecker! Ich mache den Soldaten, der das Essen ausgibt, mit einem Zwinkern darauf aufmerksam, dass es mir schmeckt. Er lacht und sagt mir, man esse Shakkshuakka auch zum Abendbrot. Außerdem gibt es quadratische Theken mitten im Saal, die mit Humus, Salat, Gemüse und Obst gefüllt sind. Ich sitze mit den Damen aus meinem Zimmer an einem Tisch. Es gesellen sich auch die männlichen Freiwilligen zu uns. Viele der Freiwilligen machen dieses Programm schon zum wiederholten Male und erzählen uns von ihren Erfahrungen. Ich höre nur mit halbem Ohr hin, weil ich es viel spannender finde, die vielen jungen Soldaten zu beobachten. Frauen und Männer sitzen gemeinsam an den Tischen, lachen und unterhalten sich. Alle wirken sehr gelassen. Ich erinnere mich, wie mir mal jemand sagte, die israelische Armee sei eine Armee mit den attraktivsten Soldaten und Soldatinnen – und das stimmt wirklich! Ich sehe unterschiedliche Käppis und frage nach deren Bedeutung. Sie sagen etwas über die Zugehörigkeit zu einem Kommando aus, erfahre ich von Soldaten, die am Nachbartisch sitzen. Einige wenige tragen schwarze Sportkleidung, sie erzählen mir, dass sie im Fitness-Raum trainieren. Auf Nachfrage war es mir leider nicht erlaubt dort mitzutrainieren. Schade! – denke ich, aber in den folgenden Tagen sollte ich feststellen, dass ich abends doch zu müde war, als dass ich noch hätte trainieren wollen.

Es ist 6 Uhr morgens. Ich nehme meine Kulturtasche und mein Handtuch und gehe raus an die frische Luft zum Badehaus. Dort befinden sich die Toiletten nebst Duschen. Alles ist sehr sauber, aber erinnert ein bisschen an Waschräume auf Campingplätzen. Um 7 Uhr treffen wir uns in Uniform zum Frühstück im Cheder Ochel. Es gibt Gwina Lewina, klein geschnittene Tomaten, Paprika und Gurken. Gwina Lewina ist körniger weißer Käse. Außerdem gibt es noch sehr leckeren, sahnigen Quark, gut gewürzt, Omelett und Weißbrot. Die frischen Orangen dürfen nicht fehlen. Leider vermisse ich Kaffee zum Frühstück. Hin und wieder liegen auch Halwa-Riegel in der Theke. Halwa ist eine süße israelische Spezialität aus Sesam.

Um 8.00 Uhr versammeln wir uns gemeinsam mit den Soldaten zum Appell und zum Hissen der israelischen Flagge. Das ist für uns ein sehr emotionaler Akt und eine große Ehre. Wir singen die israelische Nationalhymne Hatikva. Immer dann, wenn ich die Hatikva höre oder singe, bin ich sehr gerührt und fühle eine Ergriffenheit in mir, die ich mit Worten nicht beschreiben kann. Danach erfahren wir von unseren Madrichot die Neuigkeiten aus aller Welt und den Wetterbericht für Israel.

Tagesaufgabe
Wir treffen uns vor den Büros des Kommandos gegenüber den Lagerhäusern und trinken Kaffee mit den Soldatinnen und Soldaten. So gegen 9 Uhr erfahren wir unsere Aufgaben für den Tag. Wir packen die Feldrucksäcke, kontrollieren den Inhalt und sortieren aus, was nicht mehr in Ordnung ist. Wir bekommen kurz erklärt, was wo einzusortieren ist. Übrigens wiegt so ein Rucksack geschätzte 25 Kilogramm. Wir Frauen dürfen diese Rucksäcke nur zu zweit tragen.

Es wird sortiert, gezählt, geschwitzt, gelacht und gepackt. So manches Mal ist es gar nicht so einfach alles in dem Rucksack unterzubringen und es braucht dann manchmal Improvisation, um mit vereinten Kräften den Reißverschluss zuzuziehen.

Um 12 Uhr treffen wir uns wieder zum Lunch im Cheder Ochel. Die Soldaten warten geduldig in einer langen Schlange vor dem Speisesaal. Das ist die Gelegenheit mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Sie sind neugierig und fragen uns woher wir kommen. Sie erzählen uns von sich und seit wann sie schon ihren Dienst bei der Zahal (IDF) machen und wo sie in Israel leben oder, dass sie nach dem Ende ihrer Wehrpflicht erst einmal reisen wollen, ein Studium beginnen oder auch noch gar nichts geplant haben.

In Israel müssen Frauen seit Kurzem 2 Jahre und 4 Monate Wehrdienst leisten, Männer 2 Jahre und 8 Monate. Man sieht die Freude bei den Soldatinnen und Soldaten, wenn sie hören, dass wir von weither kommen, um sie zu unterstützen. Immer wieder dankt man uns dafür.

Wir haben eine Stunde Mittagspause. Ab 13 Uhr nehmen wir unsere Arbeit wieder auf. Es ist warm, und wir sind froh, dass die Lagerhäuser klimatisiert sind. Zwischendurch legen wir immer mal eine Kaffeepause von 5-10 Minuten ein. Wir werden bei der Wärme auch regelmäßig von unseren Madrichot daran erinnert genügend zu trinken.

Plötzlich heißt es „Feierabend!“ und wir haben gar nicht gemerkt, wir schnell die Zeit vergangen ist. Um 16 Uhr begeben wir uns zu unserem Bungalow. Wir ruhen uns aus, machen uns frisch und schreiben Nachrichten an unsere Freunde und Familien oder schlafen ein wenig. Denn die Wärme und die Arbeit machen wirklich müde.

In Gedanken gehe ich den Tag noch einmal durch und sortiere meine Eindrücke. Dabei wird mir bewusst: So einfach die Tätigkeit auf dem ersten Blick auch scheinen mag, so wichtig ist sie aber auch! Wenn die Logistik nicht funktioniert, kann es für Soldaten lebensbedrohlich werden. (…)

Komplett zu lesen in der Druck- oder Onlineausgabe der Zeitung. Sie können die Zeitung „Jüdische Rundschau“ hier für 39 Euro im Papierform abonnieren oder hier ein Onlinezugang zu den 12 Ausgaben für 33 Euro kaufen.


Sie können auch diesen Artikel komplett lesen, wenn Sie die aktuelle Ausgabe der "Jüdischen Rundschau" hier online mit der Lieferung direkt an Sie per Post bestellen oder jetzt online für 3 Euro statt 3,70 Euro am Kiosk kaufen.

Brief an die Redaktion schreiben