Juni 2, 2016 – 25 Iyyar 5776
Sächsisch-christliche Israel-Liebe

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Mein Besuch bei der Konferenz der Sächsischen Israelfreunde  

Von Chaya Tal 

 
Sachsen scheint ein Paradies zu sein. Ein Paradies für Christen, evangelische Christen, evangelisch-freikirchliche Christen, Christen, die kein Problem damit haben, christlich zu sein und sich auch damit zu identifizieren. Über 370 landeskirchliche evangelische Gemeinden gibt es in Sachsen, 26 sind evangelisch-freikirchliche Gemeinden im Landesverband Sachsen. Außerdem finden sich landesweite und lokale Organisationen aller Ausrichtungen. Die sächsische Gesellschaft hält ihre konservativen Werte hoch. Im Guten und im Schlechten. So ist Sachsen das Bundesland mit der siebthöchsten Geburtenrate in Deutschland, Werte wie Familie und Heimat  werden großgeschrieben. Amerikanisierung hält sich hier in Grenzen und Misstrauen gegenüber der offiziellen Staatsdoktrin ist seit der Wende noch nicht verlernt worden. Zum anderen ist Sachsen das Land mit der höchsten Quote an fremdenfeindlichen Vorfällen im Jahr 2015 (laut „Zeit“, Stand: November 2015) und ist eines der Bundesländer mit der höchsten Anzahl von NPD-Wählern. Aber eine sozialpolitische Analyse der deutsch-sächsischen Gesellschaft ist nicht Ziel dieses Artikels. Vielmehr möchte ich die Aufmerksamkeit auf ein zwar kleines, aber dennoch bemerkenswertes Phänomen lenken.

Denn einige dieser christlichen Gläubigen und Vereine haben ein ganz besonderes Interesse am Thema Israel – und zwar nicht unter der Überschrift „Judenmissionierung“, wie man es sonst oft in diesem Kontext erlebt, sondern als Fundament und Sprungbrett für die Suche nach den Wurzeln des eigenen Glaubens. Die Suche nach der „authentischen“ christlichen Botschaft im Angesicht der Veränderungen, die an der Lehre im Laufe der Zeit durch die Kirche durchgeführt worden waren, die Auseinandersetzung mit dem „auserwählten Volk“ im Kontext der Rückkehr von Juden aus dem Exil, der Wunsch nach Rückbesinnung auf die jüdische Thora – das Alte Testament und seine Relevanz für den christlichen Glauben – das alles scheint gläubige Christen nachdenklich gemacht zu haben, und einige von ihnen beschlossen, ihren Horizont in diesem Bereich nicht nur auf individuelle Art und Weise zu erweitern, sondern sich zusammenzuschließen und Israel und das jüdische Volk mehr „unter die Lupe“ zu nehmen.

Ein Verein, der sich dies seit 17 Jahren auf die Fahnen geschrieben hat, sind die „Sächsischen Israelfreunde“. 1999 gegründet, sind sie mit viel Motivation, einer guten Mitgliederanzahl, viel Kreativität und auch einem guten Budget „mit dem Gott Israels unterwegs“ (so Geschäftsführer und Gemeindeleiter Wilfried Gotter). Der Glaubenseinsatz ist natürlich nicht die einzige Motivation. Leitsatz der „Sächsischen Israelfreunde“, deren Zentrale sich in einem kleinen Ort namens Schönborn-Rossau befindet, ist „Gottes Leidenschaft - unser Auftrag“. Aber auch die deutsche Vergangenheit und Verbundenheit – im weniger erfreulichen Sinne – mit dem jüdischen Schicksal spielt bei der Aufgabensetzung des Vereins eine große Rolle. So ist eins der viel umworbenen Projekte der „Israelfreunde“ ein Handwerkerteam, von welchem bis zu 150 Mitglieder im Jahr nach Israel reisen, um Wohnungen von Holocaustüberlebenden zu restaurieren. Eine Geste der Versöhnung, die Israelis, sofern sie davon wissen, eigentlich als trauriges Signal dafür wahrnehmen sollten, dass die „eigenen Leute“ offenbar wenig tun, um diesen Missstand zu beheben.

Aber auch sonst reisen die Damen und Herren der „Israelfreunde“ nach Israel – über das hauseigene Reisebüro „Israelreise.de“ des stellvertretenden Vorsitzenden des Vereins, Werner Hartstock. Seit 1996 bringt dieser Reisegruppen nach Israel und führt sie zu verschiedenen Zielen – über die regulären touristischen Sehenswürdigkeiten bis hin zu Orten und Menschen, die in bekannten Reiseprogrammen eher nicht vorkommen würden – wegen politischer Streitigkeiten oder ihres „allzu religiösen“ Inhalts. So liegt Reiseleiter Hartstock, der sich erst nach der Wende seiner Vorliebe fürs Reisen und fürs Heilige Land widmen konnte, viel daran, den Eindruck geradezurücken, den die deutschen Journalisten von Israel vermitteln. Dafür bringt er die Reisegruppen auch ins „Westjordanland“, scheut nicht die Beziehung zu Siedlern und verzichtet nicht auf Erklärungen über das historische Judentum auf diesen Gebieten, entgegen der Erzählversionen der Palästinensischen Autonomiebehörde und dem relativen Schweigen über die touristischen Besonderheiten dieser Gebiete seitens der offiziellen Staatsorgane. (...)

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