Oktober 7, 2015 – 24 Tishri 5776
Old Shatterhand und Hitlerjunge Salomon

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Exklusiv-Interview von Björn Akstinat mit dem deutsch-jüdischen Filmproduzenten Artur Brauner 

Er gehört weltweit unbestritten zu den Erfolgreichsten seiner Zunft. Ihm verdanken wir über 250 unvergessliche Kinoproduktionen. Darunter sind Monumentalfilme wie „Der Tiger von Eschnapur“, Karl May-Verfilmungen wie „Old Shatterhand“, die Dr. Mabuse-Reihe, Edgar Wallace-Gruselklassiker und aufrüttelnde Dramen über die Nazi-Zeit wie „Der 20. Juli“ oder „Hitlerjunge Salomon“. Artur Brauner erblickte 1918 als Sohn des jüdischen Holzgroßhändlers Mosche Brauner und seiner Frau Brana im polnischen Lodz/Lodsch das Licht der Welt. Schon 1946 gründete er im stark zerstörten West-Berlin seine Firma „CCC“ (Central Cinema Company) und errichtete wenig später eigene Filmstudios auf einem Gelände in Berlin-Spandau. Viele Schauspielerinnen wurden durch ihn bekannt: Senta Berger, Elke Sommer, Caterina Valente oder auch Sonja Ziemann. Er machte in der Nachkriegszeit aus Berlin wieder eine Filmmetropole. Sein Schaffen und seine Werke würdigte man zigfach mit Preisen und Auszeichnungen. Unter anderem erhielt „Atze“, wie ihn Freunde nennen, mehrere Goldene Berlinale-Bären, die Goldene Kamera, das Bundesverdienstkreuz erster Klasse, zwei Golden Globes und fünf Oscar-Nominierungen. Die israelische Gedenkstätte Yad Vaschem ehrt ihn seit 2009 auf besondere Weise durch die regelmäßige Vorführung seiner über 20 Filme, die einen Bezug zur Judenverfolgung haben.

Björn Akstinat sprach mit Artur Brauner und seiner Tochter Alice über den rund 70-jährigen Werdegang der CCC-Filmgesellschaft und ihr Leben als Juden in Deutschland.

Björn Akstinat: Herr Brauner, wann haben Sie entschieden, ins Filmgeschäft einzusteigen? Gab es dafür ein Schlüsselerlebnis?

Artur Brauner: Ja, die Konfrontation mit den Augen eines 10- bis 12-jährigen toten jüdischen Jungen, der noch in den letzten Tagen vor Kriegsende von der mörderischen SS umgebracht wurde. Zu diesem Zeitpunkt habe ich entschieden, meine Jugendträume zu verwirklichen. Meine Absicht war, einen Film über die unschuldigen Opfer, über die Vertilgung eines ganzen Volkes zu produzieren. 1947 entstand der erste Film zu diesem Thema namens „Morituri“. Inzwischen sind wir beim 25. Film über die Millionen Naziopfer.

Sie sind in Polen aufgewachsen und fanden laut mehrerer Medienberichte während der Nazizeit in der Sowjetunion Unterschlupf. Wie ist es Ihnen dort gelungen, zu überleben?

Artur Brauner: Ich bin zwar in Polen aufgewachsen, fand aber in der Nazizeit keinen Unterschlupf in der Sowjetunion. Sämtliche kursierende Variationen der Berichte sind nur teilweise der Wahrheit nahe.

Alice Brauner: Vielleicht erfährt man dazu bald mehr in einer neuen Autobiographie oder Biographie über meinen Vater.

Sie haben in Berlin kurz nach dem Krieg Ihre Firma „CCC-Film“ gegründet und Filmstudios in Spandau aufgebaut. Das verschlang viel Geld. Hinzu kam, dass Ihr erster größerer Film „Morituri“, eine Produktion über die Verfolgung von Juden, die sich in polnischen Wäldern versteckten, Ihnen Schulden statt Gewinne brachte. Wie sind Sie in den ersten Jahren finanziell über die Runden gekommen?

Das eigentliche Kapital für die Rückzahlung der Schulden aus dem politisch wichtigen Filmprojekt „Morituri“ und für die weitere Existenz habe ich nur durch die Herstellung von zwei Komödien einspielen können. Diese haben sowohl die Deckung der pendenten Kosten, die Vorbereitung des nächsten Films und die Etablierung der CCC ermöglicht.

Wie haben Sie entschieden, in welchen nächsten Filmstoff Sie jeweils Zeit und Geld investieren?

Zunächst war es mir immer wichtig, Wunschfilme zu realisieren. An zweiter Stelle kamen die Filme, die unsere Ateliers füllen sollten. Außerdem interessierten mich Filme mit ausländischen Co-Produzenten, das waren insgesamt rund 100. Mir lag ebefalls viel daran, das Fernsehen in einige Filme zu involvieren und somit auch die Ateliers zu füllen.

Welche Ihrer Filme lieben Sie am meisten? Gibt es auch welche, die Sie gar nicht mögen?

Ich kann bei den rund 250 Filmen gar nicht aufteilen, welche wirkliche Wunschfilme waren und welche hauptsächlich gedreht wurden, um Studiokosten und Mitarbeitergehälter zu decken. Eines steht bei mir fest: Die Filme über die Opfer des verbrecherischen Nazisystems waren Wunschfilme und die habe ich auch fertig produziert – bis auf einen, der noch offen ist und der den nicht unbedingt originellen Titel „Der Chinese“ hat. Es gibt einen großen Teil von Filmen, die mir nicht am Herzen liegen, die ich also „nicht mag“. Solche Filmprojekte habe ich aber überhaupt nicht erst angefasst. Als ich zum Teil rund 500 Mitarbeiter und Techniker in den CCC-Studios beschäftigte, war ich allerdings gezwungen, die Ateliers zu füllen und somit auch öfter Filme hereinzunehmen, die einfach die Weiterexistenz der Studios sicherten.

Welcher Ihrer Filme war der finanziell erfolgreichste?

Die erfolgreichsten Filme waren für uns gleichermaßen „Der brave Soldat Schweijk“ und „Old Shatterhand“. Filme, die mir am meisten am Herzen lagen oder als Produzent besonders gefielen, waren „Hitlerjunge Salomon“, „Der brave Soldat Schweijk“, „Old Shatterhand“ und „Es geschah am hellichten Tag“.

Was waren für Sie die schönsten Momente Ihres Filmlebens und was die weniger angenehmen?

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