September 19, 2017 – 28 Elul 5777
Offener Brief an Iris Berben

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Von Malca Goldstein-Wolf 

Liebe Iris Berben,

mit großem Erstaunen, habe ich gerade Ihr Werbevideo für den SPD-Kanzlerkandidaten Martin Schulz gesehen.

Nicht nur Juden schätzen Sie als treue Freundin Israels und als hartnäckige Kämpferin gegen Antisemitismus. Für Ihr Engagement diesbezüglich erhielten Sie sogar schon Auszeichnungen wie den Leo-Baeck-Preis des Zentralrats der Juden in Deutschland – umso entsetzter bin ich nun.

Wissen Sie nicht, dass Martin Schulz die zutiefst antisemitische Rede (über die angebliche Brunnenvergiftung durch Rabbiner, bekannt als „Wasserlüge“) des Machmud Abbas im vergangenen Jahr vor dem EU-Parlament nicht nur per Twitter als „inspirierend“ bezeichnete, sondern auch vor Ort begeistert applaudierte?
Abbas selbst hat seine Lügen im Nachhinein eingeräumt, Schulz aber hat sich von seiner begeisterten Haltung nie distanziert.

Man könnte wohlwollend von einem Versehen sprechen, gäbe es nicht immer wieder Verfehlungen mit antisemitischem Beigeschmack von SPD-Politikern.

Man kann es kaum glauben, doch am 9.Mai dieses Jahres legte Frank-Walter Steinmeier als erster Bundespräsident in der deutschen Geschichte einen Kranz am Grab des Terroristen und Mörders Jassir Arafat nieder, verneigte sich sogar. Es muss ihm bekannt gewesen sein, dass Arafats erklärtes Ziel die absolute Auslöschung Israels gewesen ist, und er um sein Ziel zu erreichen auch nicht davor zurückschreckte zahlreiche Anschläge auf unschuldige Zivilisten zu verüben. Auch wenn Arafat in den letzten Lebensjahren den Terror verbal verurteilte, hörte er nie auf ihn zu finanzieren.

Dabei hatten sich die Juden noch nicht einmal von dem Schaden erholt, den der denkwürdige Besuch des SPD-Außenminister Sigmar Gabriel in Israel angerichtet hat.

Im April 2017 bezeichnet er nicht nur ohne Not den Diktator Abbas auf seiner Facebook-Seite als „meinen guten Freund“, vielmehr besuchte er auch die, aufgrund ihrer schlecht recherchierten Kritik an der israelischen Armee, höchst umstrittene israelfeindliche Nichtregierungsorganisation „Breaking the silence“.
Es ist bekannt, dass auch die deutsche Bundeswehr schwarze Schafe unter den Soldaten in ihren Reihen hat, Soldaten, die sich nicht an die Regeln halten und kritikwürdig sind.
Wäre hierzulande, dem Demokratieverständnis eines Martin Schulz‘ zufolge, solch eine Organisation wie „Breaking the silence“ denkbar? Wohl kaum, denn Schulz findet einen Generalverdacht gegen die Bundeswehr nämlich „skandalös“.
Da fordern die Genossen von Israel offenkundig Dinge, die sie in Deutschland nicht zulassen möchten und messen – wie so oft – mit zweierlei Maß.

Als ob das nicht genug wäre, erlaubt sich Herr Gabriel dann auch noch die Relativierung des Holocausts. So schwadroniert er: „Sozialdemokraten waren wie Juden die ersten Opfer des Holocausts“.

Liebe Frau Berben,

sollte Sie meine Auflistung unerfreulicher Ereignisse noch nicht überzeugen, so möchte ich Ihnen noch von einem SPD-Statement aus dem Jahre 2012 berichten, in dem nach dem Besuch einer Fatah-Delegation bei SPD-Politikerin Andrea Nahles allen Ernstes behauptet wurde, dass die Fatah und die SPD „gemeinsame Werte“ und „gemeinsame Ziele“ hätten.
Nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass sich Herr Gabriel zuvor, nach einem Hebron-Besuch erdreistete, Israel als „Apartheid-Regime, für das es keine Rechtfertigung gibt“, zu bezeichnen.

Frau Berben, Israel braucht Freunde, wir Juden in Deutschland, wir Juden in der ganzen Welt brauchen dringend Freunde, denn wir haben viel zu wenige davon.
Eine erfolgreiche Künstlerin wie Sie kann uns eine Stimme verleihen, dort Gehör verschaffen, wo wir sonst keinen Zugang finden.
Wird Ihre Stimme allerdings unbedacht eingesetzt, kann sie uns schaden und dass Sie das wollen, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen.

Denn eines ist doch klar: Die wiederholt israelfeindlichen Handlungen durch die SPD-Führungsriege können in dieser geballten Form kein Zufall sein.

Frau Berben, wie damals in Hitler-Deutschland, werden auch heute noch im Nahen Osten Juden nicht aus politischen Gründen ermordet, sondern nur deshalb, weil sie Juden sind. Das israelische Angebot für einen eigenen Staat hat Arafat abgelehnt und 2008 auch Abbas. Terroristen geht es also nicht darum für einen eigenen Staat zu kämpfen, sie töten Israelis aus dem einzigen Grund, dass sie Juden hassen.

Und auch hierzulande ist Antisemitismus angestiegen, nicht zuletzt aufgrund der zahlreichen muslimischen Zuwanderer, die Antisemitismus bereits mit der Muttermilch aufgesogen haben.
Umso wichtiger ist ein engagierter Einsatz für Israel und gegen Antisemitismus.

Wenn eine bürgerliche Partei wie die SPD anstatt Antisemitismus zu bekämpfen, ihn auch noch schürt, dann sollten nicht nur wir Juden diese Partei nicht wählen, dann sollten auch unsere Freunde diese Partei nicht bewerben.

Vielleicht denken Sie darüber nach und auch über die Verantwortung, die Sie als Person des öffentlichen Lebens haben, wenn Sie sich für das Falsche engagieren.

Schalom,
Malca Goldstein-Wolf