August 4, 2017 – 12 Av 5777
Noch sieben Wochen weder Wahl noch Kampf

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In 50 Tagen sind Bundestagswahlen – und keiner merkt’s.  

Von Matthias Heitmann

Wenn Angela Merkel öffentlich Olaf Scholz von der SPD verteidigt, dann wird eines klar: Es ist Bundestagswahlkampf, allerdings ohne Wahl und auch ohne Kampf. Zeitgeisterjäger Matthias Heitmann und „Antenne Frankfurt“-Moderator Tim Lauth reden in der aktuellen Ausgabe der Radio-Kolumne „Der Wochen-Wahnsinn“ über die politische Langeweile neun Wochen vor den Wahlen.

Das Erschütterndste an der Ödnis aber ist: Früher konnte man sich wenigstens auf das Ende des Wahlkampfs freuen. Auch das fällt nun flach.

Tim Lauth: Wir gehen wir auf Zeitgeisterjagd im WochenWahnsinn mit dem Mann, der das Hardcover-Buch und das E-Book Zeitgeisterjagd geschrieben hat: Matthias Heitmann. Matthias; was gibt’s denn Neues?

Matthias Heitmann: Neues? Das Interessanteste ist die Langeweile. In neun Wochen sind Bundestagswahlen, und keiner merkt’s. Erinnerst Du Dich noch daran, wie alle möglichen Gruppierungen noch vor eineinhalb oder zwei Jahren dem Termin zur Abwahl von Angela Merkel entgegengefiebert haben? Und nun? Friedhofsruhe.

Lauth: Ja, da hast Du Recht. Und es ist scheinbar auch völlig egal, ob da halbe Stadtviertel in Hamburg verwüstet oder ob Anschläge verübt werden – offensichtlich beeinflusst das die Menschen kaum. Woran liegt das?

Heitmann: Ich denke schon, dass das die Menschen beeinflusst – aber halt nicht ihre parteipolitischen Haltungen. CDU und SPD setzen alles daran, Politik weiterhin als etwas Stabiles, Vorhersehbares und Tiefgefrorenes darzustellen. Es gab zwar alle möglichen Veränderungen – die Wahl von Trump, der Brexit, die Wahlen in Frankreich –, doch all das wird bei uns entweder als rückschrittlich abgetan oder ignoriert. Angela Merkel gibt sich als Madame Alternativlos, und das kann sie gut: Wenn keiner nach dem Weg fragt, fällt es nicht auf, wenn man selbst auch nicht weiß, wo es langgeht.

Lauth: Aber woran liegt es, dass Schulz und seine SPD keine Alternative sind?

Heitmann: Die SPD war von den letzten 20 Jahren selbst insgesamt 15 Jahre an der Regierung, und damit länger als die CDU! Warum sollte sich also Grundlegendes ändern, wenn man SPD wählt? Angela Merkel ist sich ihrer Sache so sicher, dass sie sogar Hamburgs Olaf Scholz von der SPD gegen Rücktrittsforderungen aus der Union verteidigen kann…!

Lauth: Und Grüne, Linke oder AfD – ist von denen auch nichts zu erwarten?

Heitmann: Die Grünen sind so öde, dass die Medien sogar Jutta Ditfurth wieder ausgraben und in Talkshows setzen mussten. Offensichtlich ist sonst niemand in der Lage, Herrn Bosbach vom Bildschirm zu vertreiben. Die Linke hofft immer noch auf die Wiederauferstehung des Gottkanzlers Martin Schulz und schweigt. Und die AfD hat es in vier Jahren nicht geschafft, etwas zu erreichen. Dabei lief alles optimal für sie: Flüchtlingskrise, Übergriffe, Terroranschläge, Krawalle. Derzeit liegen die Deutschalternativen bei 8 Prozent – vor vier Jahren lagen sie bei knapp 5. Das ist wirklich schwach. Nicht, dass ich Mitleid mit der AfD hätte – aber man fragt sich schon, wie viele Steilvorlagen die eigentlich noch brauchen.

Lauth: Apropos Chancentod. Möchtest Du noch etwas zur Frauen-Fußball-EM sagen, Matthias?

Heitmann: Nein, ich interessiere mich nicht für Frauenfußball. Ich habe eh den Eindruck, dass sich der Männerfußball, was Aggressivität, Zweikampfverhalten und Intensität angeht, dem Frauenfußball immer mehr anpasst. Daher brauche ich in der Sommerpause keinen zusätzlichen Zickenterror.

(Zuerst veröffentlicht auf „Achse des Guten“)

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