Juni 8, 2015 – 21 Sivan 5775
Nicht die schönste Nebensache der Welt

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Jüdischer Sport in Deutschland ab 1933 – eine Rezension zum neuen Buch von Henry Wahlig  

Von Ludger Joseph Heid

Über den Versuch der deutschen Juden, die seit der Inmachtsetzung Hitlers sehr bald vom allgemeinen Sportbetrieb ausgeschlossen waren, ihren geliebten Sport in eigenen – jüdischen – Verbänden zu organisieren und durchzuführen, informiert die Dissertation des Sporthistorikers Henry Wahlig in seiner tiefschürfenden Studie, mit der er zugleich eine Lücke in der Historiographie des deutschen Sports schließt.

Die Ausübung von Sport bedeutete Juden, denen lange seit den Zeiten Turnvaters Jahn die Mitgliedschaft in der deutschen Turnbewegung verwehrt war, neben der Entwicklung zu einem neuen, körperlichen Selbstbewusstsein auch ein Beitrag zur Abwehr des Antisemitismus. Jüdischer Sport war der Versuch, das weitverbreitete Vorurteil von der körperlichen Minderwertigkeit der Juden zu widerlegen, aber nicht zuletzt auch, um gesellschaftliche Anerkennung zu finden.

Die Antisemiten, in rassistische Wahnvorstellungen verfangen, besaßen tiefsitzende Vorstellungen vom „unreinen“ Juden, der z. B. durch Schwimmen das Wasser vergifte, obsessive Fantasien, die möglicherweise in direkter Linie auf das Bild des brunnenvergiftenden Juden im Mittelalter zurückzuführen sind.

Der jüdische Sport im nationalsozialistischen Deutschland hatte bereits seit dem Machtantritt der Nationalsozialisten alle Stufen der Erniedrigung durchlitten: Den entehrenden Ausschluss aus der Sportgemeinde, die Entmündigung durch die deutsche Reichssportführung, Überwachung und Maßregelung durch die Geheime Staatspolizei. Juden konnten sich allein in rein jüdischen Vereinen sportlich organisieren und nur untereinander Sportwettkämpfe austragen.

Ein Wettbewerb mit „arischen“ Vereinen war ausgeschlossen (Arier sind eigentlich ein Volk aus dem Iran). Jüdischen Vereinen wurde die Benutzung öffentlicher Sportanlagen gekündigt und ihre Sportgruppen wurden durch SA und SS schikaniert. Eine beispiellose deutsche Sportgeschichte auch insofern, als gerade für Juden das tägliche Miteinander im Verein, Seite an Seite mit den christlichen Sportkameraden ein besonderes Zeichen ihrer gelungenen Emanzipation, Integration und Assimilation in der Umgebungsgesellschaft galt. Exklusion und Inklusion – Ausgrenzung und Entrechtung auf der einen, schreibt Henry Wahlig, aber auch innerjüdische „Vergemeinschaftung“ und das Ringen um Selbstbehauptung auf der anderen Seite – bildeten die Extreme, die das jüdische Sportleben während der Jahre des Nationalsozialismus prägten. (…)

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