September 8, 2017 – 17 Elul 5777
„Muss ich als Jüdin gegen Trump sein?“

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Offener Brief an die jüdischen Verbandsfunktionäre der USA
  

Von Pam Leeds-Ragborg (Israellycool)

Es macht mich krank zu hören, dass „ich als Jüdin“ ja gegen Trump sein müsse. Hier ist meine Antwort an meine jüdischen Glaubensgenossen, die nach Charlottesville den Kopf des Präsidenten rollen sehen wollen:

Er hätte nicht sagen sollen, dass auf beiden Seiten gute Leute sind. Ich habe aber kein Zweifel daran, dass er sich dabei auf diejenigen Leute bezog, die sich einfach nur dafür starkmachten, dass die Denkmäler für Südstaaten-Soldaten an dem Platz bleiben, wo sie sind. Ich stimme weiter zu, dass diese Leute in dem Moment hätten nach Hause gehen sollen, als sie Hakenkreuzfahnen bei anderen Demonstranten erblickten, die ebenfalls für die Beibehaltung dieser Denkmäler demonstrierten. – Ganz genau wie Ihr den „Women’s March“ hättet verlassen sollen, als Ihr mitbekommen habt, dass er von Linda Sarsour angeführt wird.

Wie viele von Euch haben sich empört als jüdische LGBT-Aktivisten vom Dyke-Marsch (Anm. d. Red.: Ein Marsch speziell für Lesben) ausgeschlossen wurden, weil sie eine Israel-Fahne mit sich führten?

Ihr habt Trump dafür in eine Reihe mit den Schlechtesten der Gesellschaft – Nazis und ähnlichen – gestellt, dass er gesagt hat, dass es Gewalt auf beiden Seiten gab.
Wenn Ihr nicht seht, dass die Antifa bewaffnet mit Schlagstöcken, Pfefferspray und urin-gefüllten Wasserbomben anrückte, und diese Waffen auch großzügig benutzte – dann gibt es keine Möglichkeit für eine echte Unterhaltung zwischen uns.

Die schwarze Republikanerin Parson Hicks fasste es in der „New York Times” gut zusammen, als sie den „Post-Charlottesville-Aufschrei“ beschrieb:

„Aus Ms. Hicks Sicht hat der Präsident einfach eine Tatsache beschrieben. Die ‚Linken‘ trugen ebenfalls einen Teil der Verantwortung dafür, dass es zu Gewalttaten kam…die wahnsinnigen Überschriften dieser Empörungswoche erschienen ihr wie Nachrichten von einem anderen Planeten. ‚Ich fühle mich wie in einem Bizarro-Universum, wo niemand außer mir mehr logisch denkt.‘, sagte sie. ‚Diese ganze Unterhaltung ist so aus den Fugen geraten!‘ “

Wenn Ihr, als Juden, Euch über den „Rassismus“ des Donald Trump aufregt, aber schweigt, wenn „Black Lives Matter“ Israel als „Apartheidsstaat“ bezeichnet, dann müssen wir getrennte Wege gehen.

Ihr besitzt die Kühnheit mir zu erzählen, dass jetzt die Zeit gekommen sei „Widerstand zu leisten“. Aber Ihr habt im April geschwiegen als die terroristische Mörderin Rasmea Odeh (Anm. d. Red.: 1969 war die „Palästinenserin” Odeh in Jerusalem an der Ermordung zweier Juden durch ein Bombenattentat beteiligt und saß dafür 10 Jahre in Haft) sich in Chicago von einer jubelnden Menge dafür feiern ließ, dass sie ankündigte „weiter die ‚Zionisten‘ herausfordern“ zu wollen – sie tat dies im Rahmen einer Veranstaltung, die von der jüdischen Organisation „Jewish Voice for Peace“ ausgerichtet wurde!

Eure Seiten und Kanäle in den sozialen Medien waren ganz still als sich der Antisemitismus an amerikanischen Universitäten breitmachte, angeführt von den „Students for Justice in Palestine“.

Ihr habt geschwiegen als „Black Lives Matter“ begann sich BDS anzuschließen.

Ihr habt geschwiegen als Barack Obama leugnete, dass bei dem Angriff auf den koscheren Supermarkt 2015 Juden das Ziel waren. Ihr habt auch geschwiegen als Obama behauptete, dass die moslemische Terrorattacke von Fort Wood in Wirklichkeit nur ein Fall von Gewalt am Arbeitsplatz gewesen sei.

Ihr habt geschwiegen als im letzten Monat ein Imam in Kalifornien für die Auslöschung der Juden plädiert hat.

Und schlussendlich entscheidet Ihr Euch Eure jährliche Telefonkonferenz mit dem Präsidenten vor den Hohen Feiertagen abzusagen. Das zeigt mir, dass Ihr entgegen der Tradition von Jom Kippur die Bereitschaft vermissen lasst mit denjenigen zu reden, die Euch Unrecht getan haben. Ihr habt Euch von der Idee verabschiedet, dass schwierige Unterhaltungen einen Wert haben können. Ich werde weiterhin nach solchen schwierigen Unterhaltungen suchen, aber die werde ich nicht mit Euch führen.

Ich schäme mich dafür, dass die Führung der jüdischen Institutionen, die ich einst respektiert habe, zu dem geworden sind, was sie heute sind. Ich habe genug von Eurer selektiven Empörung und Eurer politischen Agenda, bemäntelt mit der majestätischen Größe meiner Glaubenstradition. Ich habe genug von Politik, die von der Kanzel gepredigt wird.

Ich bin eine Jüdin, die ihr nicht dazu bringen werdet sich zu unterwerfen!

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