August 5, 2016 – 1 Av 5776
Mit Gebeten gegen Nagelbomben

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Margot Käßmann fern des Lebens  

Von Monty Aviel Ott

Es gibt Menschen, die sagen, dass Liebe immer die Antwort sein muss – auf alles. Eine ehrenwerte Botschaft. Wirklich. Aber es gibt Menschen, die walzen Liebe mit Terror nieder. Und bedingungslose Liebe beantworten sie mit dem Abschneiden des Kopfes. Die deutschen Friedensgefühle sind bei Massenmördern fehl am Platz. Der Terror in einer Kirche in der Normandie zeigt uns genau das.

Eine klassische Notwehrdefinition aus dem Talmud lautet: „Wenn jemand kommt, um dich zu töten, dann töte ihn zuerst.“ Das Leben steht im Judentum immer an erster Stelle, man soll alles tun, um das Leben zu erhalten – das Leben jedes Menschen. Aber bei den Rabbinen findet auch eine ganz klare Abwägung statt. Und wenn sich jemand dazu entschlossen hat, das Leben eines anderen Menschen gewaltsam zu beenden, dann hat man manchmal keine Wahl.

Der Terror des IS sucht aktuell seinesgleichen. Dabei gibt es Terror gegen Andersdenkende, Andersliebende etc. beispielsweise auch im Iran, in Nordkorea, in China oder anderen Diktaturen. Die Attentate der Terrormiliz aber stechen mitten in die westliche Welt. Bei den Angriffen von Paris zeigte sich nicht nur die dezidiert antiwestliche, sondern auch antisemitische Stoßrichtung – und die aktuellsten Ereignisse erweitern das Repertoire. Wieder einmal traf es Frankreich.

Es geschah am letzten Dienstag im Juli. Eine Attacke auf eine Kirche in Saint-Etienne-du-Rouvray in der Normandie. Die Geschehnisse lassen die Erinnerung an die schrecklichen Videos aufleben, die lange Zeit ziemlich regelmäßig im Netz kursierten. Doch die Terroristen schafften es tatsächlich, nach all dem Grauen, noch eine neue Dimension des Terrors zu erreichen. Gegen halb zehn hatten sich zwei Attentäter durch einen Hintereingang Zugang zu der Kirche verschafft. Sie nahmen während der Morgenmesse fünf Geiseln. Die Polizei konnte informiert werden, weil es einer Frau gelang die Flucht zu ergreifen. Die Sicherheitskräfte bildeten einen Riegel um das Kirchengebäude. Als die Attentäter dann das Gebäude verließen, neutralisierte eine Sondereinheit der Polizei beide.

Nachdem Karikaturisten, Kunden eines jüdischen Supermarktes, junge Konzertbesucher im „Bataclan“ und Menschen, die den Nationalfeiertag besuchten, zum Ziel genommen wurden, traf es zum ersten Mal einen Vertreter der katholischen Kirche. Der neuerliche Angriff lässt die Stimmung im Multikulti-Frankreich weiter hochkochen. Der Regionalpräsident erklärte bereits, dass verhindert werden muss, dass die Gesellschaft „in Flammen aufgeht“. Während diverse christliche Gemeinden im Nahen Osten mit dauerhafter Verfolgung leben müssen oder teilweise schon nahezu ausgerottet sind (die Niederlassung der Palästinensischen Bibelgesellschaft in Gaza-Stadt wurde beispielsweise Ziel diverser Attacken: 2006/2007 gab es Bombenattentate auf den Buchladen; 2007 wurde der Geschäftsführer entführt und ermordet; 2008 wurde das christliche Jugendzentrum in die Luft gesprengt), werden nun auch christliche Institutionen in Europa vermehrt zum Ziel des islamistischen Terrors. (…)

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