November 4, 2015 – 22 Heshvan 5776
Messer, blaue Flecke und beschlagene Scheiben

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Im Krav Maga-Seminar mit Kfir Itzhaki  

Von Laura Külper

Als ich von außen durch die Glasscheiben des THE-HOME.Berlin-Studios gucken will, um mir einen ersten Eindruck vom Krav Maga-Spezial-Seminar des IDF-Elitekämpfers Kfir Itzhaki zu verschaffen, geht das leider nicht. Der einfache Grund: Die Scheiben der verglasten 100qm-Trainingsfläche sind alle beschlagen. Und zwar so dicht, dass man gerade so unklare Schemen und Schatten erkennen kann. Drinnen herrscht eine Luftfeuchtigkeit von 94 % bei 20 Grad und das Training hat erst vor 30 Minuten begonnen.

All das lässt einen sehr schnell erkennen: Hier geht es wirklich zur Sache. Die knapp 40 Teilnehmer werden von Kfir Itzhaki hart rangenommen, blaue Flecke sind Ehrensache und schweißdurchtränkte Shirts kommen einer Verpflichtung gleich. Hier sind 100 % Einsatz, Aufmerksamkeit und Respekt von den Krav Maga-Kämpfern gefordert, denn in diesem ersten offenen Deutschland-Seminar geht es um Selbstverteidigung- auch gegen Hieb- und Stichwaffen.

Krav Maga entstand in den osteuropäischen jüdischen Ghettos der 1930er Jahre als kompromissloses Selbstverteidigungssystem, welches verschiedenste Techniken kombinierte und neu erfand, um sich vor antisemitischen Übergriffen zu schützen. Das System entwickelte sich in den kommenden Jahrzehnten in Israel weiter und wurde um effektivere und kraftvolle Nahkampfmethoden ergänzt.

Heute wird es weltweit trainiert, dabei gibt es mittlerweile aber Unterscheidungen zwischen zivilem und militärischem Krav Maga. Kfir Itzhaki ist IDF-Sergeant erster Klasse und wurde trotz seines jungen Alters bald zum Krav-Maga-Chefausbilder seiner Einheit ernannt. Er wurde Teil einer IDF-Elitetruppe der verdeckt operierenden Anti-Terror-Einheit und weiß genau, was es bedeutet, sein Leben für die Sicherheit anderer zu riskieren und wie wichtig es ist, selbst in gefährlichsten Situationen einen kühlen Kopf zu bewahren. Diese ständige Präsenz und Achtsamkeit zeichnet Itzhaki aus, selbst wenn er scheinbar entspannt lachend neben einem steht, bemerkt man wie er immer einen sicheren Stand hat und unauffällig aber stetig seine gesamte Umgebung abscannt und kontrolliert. Diese Konzentration und Hingabe verlangt er auch von den Seminarteilnehmern, die sehr schnell begreifen, dass sie es nicht mit einem gemütlichen Lehrseminar, sondern mit einer körperlichen und psychischen Extremerfahrung zu tun haben.

Das militärische Krav Maga-Training ist um ein vielfaches härter, ergänzend dazu bringt Itzhaki auch viele wertvolle Erfahrung und Szenarien aus dem Alltag mit, die er den Teilnehmern vermittelt. Die Übungen sind auf stetige Steigerung und das Vertiefen von Anwendungen ausgelegt, es wird mit ständig wechselnden Partnern oder Gruppen geübt, um seine eigene Komfortzone zu verlassen. Also kann es durchaus vorkommen, dass dein nächster Übungsgegner mal eben 1,97 m groß ist und 100 Kilo wiegt. Und sich gegen so einen Gegner als 60-Kilo-Fliegengewicht durchzusetzen, ist wahres Lernen durch Überforderung. Mich beeindruckt immer wieder, mit welcher Hingabe und Ernsthaftigkeit alle Kravisten versuchen, den harten Trainingsanforderungen gerecht zu werden. Egal ob jung oder alt, männlich oder weiblich, alle geben ihr absolut Bestes, um unter Kfir Itzhakis kritischem Kennerblick zu bestehen. Nach etwa zwei Stunden hat die Gruppenstimmung eine Intensität erreicht, die sich kaum noch beschreiben lässt. Sobald Itzhaki spricht, ist es nahezu erschreckend still, alle sind zu 100 % konzentriert. Sobald er das Kommando gibt, gehen die Kravisten wie Berserker auf ihre Gegner los, es wird gerungen, gewürgt, zu Fall gebracht. Doch niemals mit Aggressivität oder Unachtsamkeit, jeder bemüht sich um absoluten Respekt und Kontrolle, egal wie intensiv die Atmosphäre auch wird. Mittlerweile zeigt jeder außer Itzhaki extreme Erschöpfungserscheinungen, dennoch will sich keiner einen Moment der Schwäche erlauben. Bevor man umkippt, lieber noch 10 Liegestütze. (…)

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