Juni 2, 2016 – 25 Iyyar 5776
Mel Brooks zum Neunzigsten

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Jüdische Komik als Stil-Prinzip  

Von Gerhard Haase-Hindenberg

Als er schon „der Brooks“ war, lud er seine Mutter Kate ein mit ihm nach Kiew zu reisen – dorthin, wo sie im Schtetl einen Teil ihrer Kindheit verbracht hatte. Die alte Dame überlegte kurz und sagte dann: „Ach weißt du, ich glaube, ich will doch lieber nach Hawaii!“ Hätte der Brooks seinen Vater Max an den Ort von dessen Kindheit eingeladen, wäre die Reise ins ehemals preußische Danzig gegangen. Der Vater aber war gestorben, als Mel Brooks noch Melvin Kaminsky hieß und gerade mal drei Jahre alt war.

Es war Montag, der 28. Juni 1926, als der kleine Melvin in Brooklyn das Licht der Welt erblickte. Neuneinhalb Jahre später wird ein paar Blocks weiter Allan Stewart Konigsberg geboren, den die Welt als Woody Allen kennenlernen wird. Es ist eine Gegend, in der auch heute noch viele jüdische Kinder in dem Glauben aufwachsen, dass die ganze Welt jüdisch sei. Wer damals dort groß wurde, machte – als in Europa die Schoa vorbei war – Witze über die Nazis. Zumindest, wenn man sich als professionellen Komiker verstand und keinen Auschwitz-Überlebenden in der eigenen Familie hatte. Woody Allen, der wie Mel Brooks seine Karriere als Stand-up-Komiker begann, sagte in seinen frühen Programmen: „Immer wenn ich Wagner höre, habe ich das Gefühl, ich müsse Polen überfallen!“ Und Mel Brooks machte 1967 in seinem ersten Film „The Producers“ einen schwulen Hitler zur Broadway-Parodie. Im Kalkül zweier betrügerischer Produzenten sollte die Show zwar ein Flop werden, um mit dem Geld ihrer Anleger durchzubrennen. Erstaunlicherweise aber wurde das Stück (in der Filmhandlung) ein Erfolg – wie Mel Brooks Filmdebüt selbst auch und 35 Jahre später das gleichnamige Broadway-Musical.

In Mel Brooks Leben lief es nicht anders, wie bei vielen anderen erfolgreichen Karrieren im amerikanischen Show-Business auch – er lernte im richtigen Augenblick die richtigen Leute kennen. Als er noch als Stand-up-Komiker durch die Clubs tingelte, war es Sid Caesar, der ihn entdeckte und als Sketch-Schreiber engagierte – wie später auch Woody Allen und Neil Simon. Der ehemalige Saxophonist war da bereits mit der wöchentlichen Fernseh-Komödie „Your Show of Shows“ landesweit bekannt. Sid Caesar schätzte an seinem neuen Sketch-Autor, dass dieser, wie er selbst auch, in einem Milieu des hintergründigen jüdischen Humors aufgewachsen war. Das verband. Bei „Your Show of Shows“ traf Mel Brooks dann Carl Reiner, einem als Schauspieler, Regisseur und Produzent tätigen Multitalent, der ihn 1961 ins Plattenstudio einlud. Mehrere gemeinsame Comedy-Scheiben entstanden. Schließlich traf Mel Brooks den Drehbuchautor Buck Henry („Die Reifeprüfung“) und erfand mit ihm gemeinsam die TV-Serie „Mini-Max“. Und weil die Serie sehr erfolgreich war, gelang es Mel Brooks eben 1967 einen Produzenten für den Film „The Producers“ zu finden, der in Deutschland unter dem Titel „Frühling für Hitler“ in die Kinos kam. Nun erst, mit fast 40 Jahren, schuf er den Grundstein dafür, dass aus Mel Brooks in den Siebzigern „der Brooks“ wurde. (...)

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