August 3, 2018 – 22 Av 5778
Masel tov, „Atze“ Brauner!

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Zum 100. Geburtstag des deutsch-jüdischen Filmproduzenten und West-Berliner Wahrzeichens Artur Brauner  

Von Björn Akstinat

Es ist etwas ganz Besonderes, wenn jemand seinen hundertsten Geburtstag feiern kann. Wenn es dazu noch ein prominentes Mitglied der Jüdischen Gemeinde Berlins ist, kann man sich doppelt freuen. Artur Brauner gehört weltweit unbestritten zu den Erfolgreichsten seiner Zunft. Ihm verdanken wir über 250 unvergessliche Kinoproduktionen. Darunter sind Monumentalfilme wie „Der Tiger von Eschnapur“, Karl May-Verfilmungen wie „Old Shatterhand“, die Dr. Mabuse-Reihe, Edgar Wallace-Gruselklassiker und aufrüttelnde Dramen über die Nazi-Zeit wie „Der 20. Juli“ oder „Hitlerjunge Salomon“. Artur Brauner erblickte am 1. August 1918 als Sohn des jüdischen Holzgroßhändlers Mosche Brauner und seiner Frau Brana im polnischen Lodz/Lodsch das Licht der Welt. Schon 1946 gründete er im stark zerstörten West-Berlin seine Firma „CCC“ (Central Cinema Company) und errichtete wenig später eigene Filmstudios auf einem Gelände in Berlin-Spandau.

Viele Schauspielerinnen wurden durch ihn bekannt: Senta Berger, Elke Sommer, Caterina Valente oder auch Sonja Ziemann. Er machte in der Nachkriegszeit aus Berlin wieder eine Filmmetropole. Sein Schaffen und seine Werke würdigte man zigfach mit Preisen und Auszeichnungen. Unter anderem erhielt „Atze“, wie ihn Freunde nennen, mehrere Goldene Berlinale-Bären, die Goldene Kamera, das Bundesverdienstkreuz erster Klasse, zwei Golden Globes und fünf Oscar-Nominierungen. Die israelische Gedenkstätte Yad Vaschem ehrt ihn seit 2009 auf besondere Weise durch die regelmäßige Vorführung seiner über 20 Filme, die einen Bezug zur Judenverfolgung haben.

Unterhaltung statt schwerer Kost war gefragt
Sein erster Film dieser Art war „Morituri“ im Jahr 1947, eine Produktion über die Verfolgung von Juden, die sich in polnischen Wäldern versteckten. Das erinnerte teils an seine eigene Lebens- und Leidensgeschichte. Doch die Deutschen wollten nach dem Krieg keine schwere, sondern eher leichte Kost. So kam es, dass ihm der Film Schulden statt Gewinne bescherte. Nur durch die Herstellung von zwei Komödien konnte er die Schulden tilgen und weitere Filme produzieren.

Große Monumentalstreifen kamen meist durch die Beteiligung mehrerer ausländischer Ko-Produzenten zustande. Zu Spitzenzeiten beschäftigte er rund 500 Mitarbeiter und Techniker in den CCC-Studios. Seine größten Kassenschlager waren „Der brave Soldat Schweijk“ und „Old Shatterhand“. Sie gehören auch zu seinen Lieblingsfilmen – neben „Es geschah am hellichten Tag“ und „Hitlerjunge Salomon“. Letzterer bereitete ihm freudige und traurige Momente gleichermaßen. „Hitlerjunge Salomon“ hatte in den USA Millionen Zuschauer und bekam den Golden Globe. Dass die CCC-Produktion 1992 von Deutschland nicht für den Oscar in der Kategorie „Bester fremdsprachiger Film“ nominiert wurde, ärgert ihn allerdings verständlicherweise bis heute. Es ist bislang nicht geklärt, warum die deutsche Auswahljury trotz der Favoritenrolle von „Hitlerjunge Salomon“ damals gar keinen deutschen Film für den Academy Award in Los Angeles vorschlug.

Mit der Realisierung der Anti-Nazifilme wollte und will er insbesondere die Erinnerung an die Gräueltaten der 30er und 40er Jahre wachhalten. In einem Interview mit der JÜDISCHEN RUNDSCHAU erklärte er: „Wie soll man sich vorstellen können, dass dreißigjährige Männer Säuglinge zwischen die Augen schießen und zum Teil zwei Köpfe zusammenlegen, um eine Kugel zu sparen. Oder wie soll man für möglich halten, dass Jungs, die nach den Eltern schrien, in eine Jauchegrube geworfen werden.“

Brauners emotionale Bindung an Israel ist sehr stark. Er hat auch schon einige Male an eine Auswanderung dorthin gedacht. Die Berichterstattung vieler deutscher Medien über Israel sieht er äußerst kritisch. In den negativen Berichten steckt seiner Meinung nach ein Teil der aufgestauten Missgunst in Bezug auf den Erfolg des nun 70-jährigen Staates.

Bis November 2018 zeigt das Berliner Kino "Astor Film Lounge" am Kurfürstendamm einige von Brauners besten Filmen. Mehr hier: www.berlin.astor-filmlounge.de

Das Jüdische Museum Berlin präsentiert in seiner Bibliothek dauerhaft die "Artur-Brauner-Sammlung". Man kann sich dort insbesondere Brauners Filme zur Nazizeit anschauen. Mehr hier: www.jmberlin.de/sammlung-artur-brauner

Ein Auszug aus Artur Brauners Filmografie:

1947: Morituri
1949: Man spielt nicht mit der Liebe
1950: Fünf unter Verdacht
1950: Maharadscha wider Willen
1955: Der 20. Juli
1955: Liebe, Tanz und 1000 Schlager
1958: Das indische Grabmal
1958: Es geschah am hellichten Tag
1959: Der Tiger von Eschnapur
1959: Peter schießt den Vogel ab
1960: Der brave Soldat Schwejk
1960: Die 1000 Augen des Dr. Mabuse
1961: Es muß nicht immer Kaviar sein
1961: Diesmal muß es Kaviar sein
1961: Im Stahlnetz des Dr. Mabuse
1961: Die unsichtbaren Krallen des Dr. Mabuse
1962: Das Geheimnis der schwarzen Koffer
1962: Im Schatten einer Nacht
1962: Der Tod fährt mit
1962: Das Ungeheuer von London-City
1962: Der Fluch der gelben Schlange
1962: Sherlock Holmes und das Halsband des Todes
1962: Das Testament des Dr. Mabuse
1963: Old Shatterhand
1963: Der Würger von Schloss Blackmoor
1963: Scotland Yard jagt Dr. Mabuse
1963: Der Henker von London
1964: Das Phantom von Soho
1964: Das 7. Opfer
1964: Die Todesstrahlen des Dr. Mabuse
1964: Der Schut
1964: Freddy und das Lied der Prärie
1964: Fanny Hill - Memoiren eines Freudenmädchens
1965: Der Schatz der Azteken
1965: Durchs wilde Kurdistan
1965: Die Pyramide des Sonnengottes
1965: Im Reich des silbernen Löwen
1966: Die Nibelungen 1 - Siegfried
1967: Die Nibelungen 2 - Kriemhilds Rache
1967: Geheimnisse in goldenen Nylons
1968: Winnetou und Shatterhand im Tal der Toten
1968: Kampf um Rom 1
1968: Kampf um Rom 2
1968: Himmelfahrtskommando El Alamein
1969: Das Geheimnis der schwarzen Handschuhe
1970: Black Beauty
1970: Der Garten der Finzi Contini
1971: Der Todesrächer von Soho
1971: Jungfrauen-Report
1971: Der Teufel kam aus Akasava
1971: X 312 ... Flug zur Hölle
1972: Das Geheimnis des gelben Grabes
1974: Ein Unbekannter rechnet ab
1980: Speed Driver
1982: Die Spaziergängerin von Sans-Souci
1983: S.A.S. Malko - Im Auftrag des Pentagon
1983: Eine Liebe in Deutschland
1987: Hanussen
1990: Hitlerjunge Salomon
1990: Der Hammermörder
1996: Von Hölle zu Hölle

Einige Auszeichnungen:

1955: Goldener Bär, Berlinale
1956: Goldener Bär, Berlinale; Bundesfilmpreis
1960: Golden Globe
1983: Bundesfilmpreis
1990: Filmband in Gold (für seinen hervorragenden Beitrag zur deutschen Filmkultur)
1992: Golden Globe; Ehrenbürgerschaft der Stadt Lodz; ARTUR-Filmpreis Polen
1993: Bundesverdienstkreuz 1. Klasse

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