Tayseer Abu Sneine, Bürgermeister der Stadt Hebron, wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt und aus israelischem Gefängnis freigekauft, erfährt herzlichen Empfang in Mannheim.  


Von Stefan Frank

Am 2. Mai 1980 hatte Abu Sneine – ein Mathematiklehrer, der an der Universität Amman in Jordanien studiert hatte – in der Nähe von Hebron zusammen mit Komplizen einen akribisch geplanten und militärisch vorbereiteten Mordüberfall auf eine Gruppe israelischer Juden verübt. Sie hatten sich von Jordanien aus nach Hebron geschlichen und lauerten dort Schülern einer Jeschiwa (Talmud-Hochschule) auf, die nach dem Gebet an der Höhle der Patriarchen auf dem Weg zum Hadassah-Krankenhaus in Hebron waren. Das wussten Abu Sneine und die anderen Terroristen, weil sie die Gruppe religiöser Juden aus Hebrons Vorort Kirjat Arba über einen längeren Zeitraum beobachtet und erkannt hatten, dass sie nach dem Gebet immer denselben Weg nahmen. Als die Juden nahe genug waren, beschossen die Terroristen sie von Dächern aus mit Sturmgewehren und warfen Handgranaten. Es gelang ihnen, sechs Juden zu töten und 20 zu verletzen. Die israelische Armee konnte einige der Täter auf ihrem Rückweg nach Jordanien ergreifen und bald darauf auch die anderen aufspüren, die sich versteckt hatten. Die PLO, die damals ihr Hauptquartier in Beirut hatte, bezichtigte sich der Tat. Die Mörder wurden zu lebenslangen Haftstrafen verurteilt, kamen aber im Zuge verschiedener Gefangenenaustausche frei – Abu Sneine schon nach drei Jahren.

Ein Video zeigt Bürgermeister Tayseer Abu Sneine auf einem Hügel mit Blick auf die jüdischen Viertel. Er erklärt, sichtlich stolz, wie er und weitere Fatah-Mitglieder den Terroranschlag auf die jüdischen Studenten durchgeführt haben.

38 Jahre später ist Abu Sneine im Ort seines Verbrechens zum Bürgermeister gewählt worden und war am 19. Juli zu Gast in Mannheim. Die Mannheimer Stadtverwaltung meldet auf ihrer Internetseite:

„2013 hat die Stadt Mannheim ein Memorandum of Understanding mit der palästinensischen Stadt Hebron abgeschlossen und arbeitet seither in enger Kooperation, insbesondere im Bereich der Existenzgründungsförderung mit Hebron zusammen. Im Rahmen dieser Projektpartnerschaft ist derzeit eine Delegation kommunaler Fachexperten, unter Leitung des neu gewählten Bürgermeisters der Stadt Hebron, Tayseer Abu Sneine, zu Besuch in Mannheim“.

Oberbürgermeister Dr. Peter Kurz (SPD) und „das palästinensische Stadtoberhaupt“ hätten einen Vertrag „für das bislang größte entwicklungspolitische Projekt der Stadt Mannheim“ unterzeichnet. Es sei „das bislang finanziell größte durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) geförderte kommunale Entwicklungsprojekt in den palästinensischen Gebieten und das derzeit einzige kommunale Projekt für Entwicklungszusammenarbeit in Palästina, bei dem die Förderung innovativer Unternehmensgründungen explizit im Fokus“ stehe. Die Projektfördersumme liege bei rund 210.000 Euro. (…)

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