Ein politischer Würdenträger verhungert elendig in seinem Versteck  

  • September 9, 2016 – 6 Elul 5776
  • Geschichte
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Von Monika Winter

Ludwig Landmann war in Zeiten der Weimarer Republik von 1924 bis 1933 Oberbürgermeister der Rhein-Main-Metropole Frankfurt. Geboren wurde Landmann 1868 in Mannheim als Sohn einer armen jüdischen Familie. Seine Herkunft hielt Ludwig von einer großen Karriere ab, aber auch sein Tod im Exil in den Niederlanden war damit besiegelt.

Von 1877 bis 1886 besuchte Landmann das Mannheimer Gymnasium. 1886 begann er ein Studium der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften in Heidelberg, München und Berlin. Ludwig wollte Staatsbeamter werden, war jedoch oft antijüdische Vorurteilen in der badischen Justizverwaltung ausgesetzt. Er ging in den Kommunaldienst und wurde städtischer Jurist. Als persönlicher Referent des Oberbürgermeisters in Mannheim und 1898 als Stadtsyndikus wurde ihm eine exzellente Laufbahn eröffnet. Ab 1909 war Landmann Dozent an der Handelshochschule bis er Mannheim verließ und besoldeter Stadtrat in Frankfurt am Main wurde. Das war der Zeitpunkt, als er sich von der jüdischen Gemeinde trennte. Geholfen hat ihm dies natürlich letzten Endes nichts.

Am 26. Oktober 1916 wurde Landmann in Frankfurt mit 40 von 51 Stimmen zum Dezernenten für Wirtschaft, Wohnungswesen und Verkehr gewählt. Hier konnte er seine Methode aus Mannheim einbringen, durch eine planmäßig arbeitende Verwaltung wirtschaftliche Standortnachteile und Konjunkturrückschläge auszugleichen. Landmann erkannte auch schon früh die Gefahr einer schleichenden Rezession.

Am 2. Oktober 1924 erreichte Ludwig Landmann dann den Höhepunkt seiner Karriere und wurde zum Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt gewählt. Zusammen mit dem Stadtkämmerer Bruno Asch – ebenfalls jüdischer Herkunft – wirkten hier zwei erfolgreiche Menschen der deutschen Kommunalpolitik der Weimarer Zeit. Dazu gehörte auch Ernst May als Siedlungsdezernent, ebenfalls jüdischer Herkunft.

Landmann fühlte sich als Liberaler und war Mitglied der DDP. Die DDP war eine demokratische Partei und neben der SPD aktive Befürworterin und Stütze der Weimarer Republik. Als Hitler am 30. Januar 1933 an die Macht kam, blieb Ludwig Landmann nur noch sechs Wochen im Amt. Am 12. März wurde bereits nach Landmann gefahndet, allerdings war er auf Verwandtenbesuch außerhalb Frankfurts und die Fahndungen verliefen erfolglos. Seine Freunde rieten ihm unter Beibehaltung seiner Altersbezüge um Eintritt in den Ruhestand zu bitten.

Der neue Oberbürgermeister Frankfurts wurde nun der Nationalsozialist Friedrich Krebs. Dessen Magistrat verfügte noch im Jahr 1933, die Pensionszahlungen an Ludwig Landmann einzustellen. Das Ehepaar Landmann lebte jetzt in Berlin in der Anonymität und hoffte auf Schutz. Hier erlitt Ludwig Landmann seine erste Herzattacke, die sich sehr schnell zu einer chronischen Krankheit entwickelte.
Natürlich war auch Landmann nicht davon verschont, Zwangsabgaben wie Reichsfluchtsteuer und Judenvermögensabgaben an die Nazis zu zahlen. Die finanziellen Reserven waren schnell aufgebraucht. Ausreiseversuche scheiterten. Deshalb mussten die Landmanns fliehen, sie gingen am 11. August 1939 ins Exil in die Niederlande, der Heimat der Ehefrau. 1940 wurde das Restvermögen beschlagnahmt und Ludwig Landmann die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt. Als die deutsche Wehrmacht im Mai 1940 in die Niederlande einmarschierte, war sein Leben abermals gefährdet.

Die ständige nagende Angst vor Deportation schadete weiterhin seiner Gesundheit. Landmann wurde von Freunden und Nachbarn über den Zeitraum von mehreren Jahren versteckt. Schwer unterernährt, herzkrank und mittellos verstarb Ludwig Landmann unter elenden Bedingungen kurz vor Kriegsende und Befreiung im niederländischen Voorburg. Bruno Asch, der als Stadtkämmerer zusammen mit Ludwig Landmann wirkte, floh ebenfalls in die Niederlande nach Amsterdam und beging 1940 Selbstmord. Seine Frau und Tochter wurden nach Sobibor verschleppt und ermordet.

1987 veranlasste der Frankfurter Stadtrat Hans-Erhard Haverkamp die sterblichen Überreste von Ludwig Landmann nach Frankfurt in ein Ehrengrab auf dem Hauptfriedhof zu überführen. Eine sehr
späte Geste – aber besser als nie.

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