Dezember 8, 2017 – 20 Kislev 5778
Lichtige und … ölige Chanukka

image

Warum am Chanukka Pfannkuchen gegessen werden und welche Bräche rund um dieses Fest noch entstanden sind  

Von Rabbiner Elischa Portnoy

Es gibt einen bekannten Witz über die jüdischen Feiertage: „Die Zusammenfassung alle jüdischer Feste würde lautet: unsere Feinde wollten uns vernichten, wir haben sie besiegt, lass uns essen!“
Und tatsächlich sind unsere Feiertage fest mit dem Essen verbunden: Matza am Pessach, Käsekuchen am Schawuot, Apfel, Honig und gefilter Fisch am Rosch Haschana, Wein am Purim sind untrennbar mit diesem Festen assoziiert. 

Und natürlich Chanukka! Auch wenn man während des Jahres Latkes (Kartoffelpuffer) oder Sufganijot (Berliner Pfannkuchen) isst, denkt man unfreiwillig an Chanukka. Denn auch diese Gerichte stehen sinnbildlich für dieses Winter-Fest. 
Doch warum ausgerechnet Latkes und Sufganijot, und warum gerade am Chanukka? Welche Bräuche sind im Laufe der Geschichte in Verbindung mit diesem Feiertag noch entstanden? Und wie unterscheidet sich das Feiern von heute, von dem, was unsere Weisen bei der Einführung dieses Festes vorhatten? 

Wenn man den bekanntesten jüdischen Gesetzkodex „Schulchan Aruch“ liest, der im 16.Jahrhundert von Rabbi Josef Karo (1488-1575, Safed) verfasst wurde, dann wird man überrascht feststellen, dass unsere Weisen für das Chanukka-Fest überhaupt kein Essen vorgesehen hatten! 

Schon im 1. Paragraphen des 670. Kapitels, das über die Gesetze von Chanukka spricht, schreibt der Verfasser, dass eine festliche Mahlzeit am Chanukka keine Pflicht sei, jedoch freiwillig eingenommen werden darf. Wenn man mit der Geschichte des Festes ein wenig vertraut ist, so fragt man sich gleich, warum hier eine solche Mahlzeit keine Pflicht ist.
Denn für den vergleichbaren Feiertag Purim, der ja ebenfalls nicht aus der Thora stammt, sondern von unseren Weisen vor mehr als 2.500 Jahren eingeführt wurde, ist ja von diesen Weisen auch eine große und freudige Mahlzeit geboten. Warum also nicht auch zu Chanukka?

Der berühmte Rabbiner des 20. Jahrhunderts, Rabbi Israel Meir haKohen („Chofetz Chaim“, 1839-1933, Radin) erklärt in seinem bekannten Kommentar zu „Schulchan Aruch“ den Grund dafür: Während der Purim-Geschichte gab es durch Dekret von Haman die Gefahr einer totalen Vernichtung des jüdischen Volkes. Das Ziel des Antisemiten Haman war es alle Juden zu vernichten, egal ob sie ihren Glauben behalten oder nicht. Beim Kampf gegen Haman ging es also um die physische Existenz unseres Volkes. 

Bei der Chanukka-Geschichte ist es jedoch komplett anders: die antiken Griechen, die das Land Israel in dieser Zeit besetzt hielten, hatten nichts gegen die Juden an sich und wollten das jüdische Volk auch nicht ermorden. Worum es ihnen ging, war die jüdische Religion (Monotheismus). Hätten die Juden ihren Glauben aufgegeben, hätte die Verfolgung seitens der Griechen aufgehört. Hier gab es keine physische, sondern vor allem eine geistliche Gefahr. 
Und dort, wo es um das existenzielle Überleben geht (Purim), haben unsere Weisen auch „physisches“ Feiern mit Wein und Fleisch angeordnet. 

Im Fall des „spirituellen“ Triumphes jedoch wäre das Essen beim Feiern einfach unnötig: man ist schließlich auf andere Dinge fokussiert, wie z.B. das Entzünden von Lichtern zu Chanukka.
Aber warum essen heutzutage sogar die frömmsten Juden Latkes und Sufganijot am Chanukka?
Den Grund dafür finden wir im gleichem Kapitel von „Schulchan Aruch“: Rabbi Mosche Isserles (Ramo) aus Krakau merkt an, dass es unter unseren Weisen einige gibt, die meinen, dass sehr wohl auch am Chanukka eine schöne Mahlzeit geboten ist.

Für jede Meinung unseren Weisen gibt es gute Gründe, und auch für diese Idee gibt es einen ziemlich interessanten Grund, der wiederum in der „Mischna Brurah“ offenbart wird: in der Thora, im 2. Buch Moses wird erzählt, dass G’tt Mosche befohlen hat, eine Mischkan (einen mobilen Tempel) zu bauen. Dieser Befehl wurde am 11. Tischrej (nach jüdischem Kalender) gegeben und schon in knapp zweieinhalb Monaten zum 25. Kislew wurde der Mischkan fertiggebaut. Jedoch sagte G’tt, dass man mit der Einweihung der Mischkan bis 1. Nisan warten soll. Die Überlieferung besagt, dass der Monat Kislew deswegen traurig wurde und vor G’tt klagte, dass er sich deswegen benachteiligt fühlt: warum soll dieser Monat so ein Verdienst verlieren? G’tt hatte seinen Einspruch akzeptiert und dem Kislew versprochen, dass er in Zukunft ein Fest bekommen wird (was mit Chanukka tatsächlich erfüllt wurde). Jedoch sagen unsere Weisen, dass die Tatsache, dass die Mischkan im Kislew fertig gebaut wurde, schon ein Grund ist, um eine Seuda (festliche Mahlzeit) zu veranstalten.

Wenn also das Essen am Chanukka doch seinen Platz hat – was soll dann gegessen werden?
Ramo merkt an, dass es den Brauch gibt Speisen mit Öl zu essen, um an das Wunder mit dem acht Tage lang brennenden Öl in der Menora des Tempels zu erinnern. Deshalb sind Latkes und Pfannkuchen, die mit viel Öl gebraten werden, sehr gut dafür geeignet.

Außerdem schreibt Ramo, dass es einen weiteren Brauch bzgl. des Essens gibt: es ist passend am Chanukka Käse zu essen, was auch einen – ziemlich dramatischen – Grund hat.
Jedoch haben wir am Chanukka auch Bräuche, die nichts mit Essen zu tun haben.

Nicht alle wissen, dass selbst die Art und Weise, wie wir heutzutage die Chanukka-Lichter zünden, eigentlich ein Brauch ist. Unsere Weisen haben, als sie das Chanukka-Fest einführten, verordnet, dass während der acht Nächte des Festes mindestens eine Leuchte angezündet wird. Jedoch wird in unsere Zeit mehr gezündet: in der ersten Nacht eine Kerze, in der zweiten Nacht zwei Kerzen und so weiter, bis am achten Tage acht Kerzen angezündet werden. In der Halacha wird diese Herangehensweise „Mehadrin min haMedrin“ (perfekte Ausführung) genannt, jedoch zünden jetzt alle Menschen die Kerzen auf diese perfekte Weise an, und nicht wie früher nur wenige sehr fromme Menschen. (…)

Komplett zu lesen in der Druck- oder Onlineausgabe der Zeitung. Sie können die Zeitung „Jüdische Rundschau“ hier für 39 Euro im Papierform abonnieren oder hier ein Onlinezugang zu den 12 Ausgaben für 33 Euro kaufen.


Sie können auch diesen Artikel komplett lesen, wenn Sie die aktuelle Ausgabe der "Jüdischen Rundschau" hier online mit der Lieferung direkt an Sie per Post bestellen oder jetzt online für 3 Euro statt 3,70 Euro am Kiosk kaufen.

Brief an die Redaktion schreiben