10 Jahre Gaza-Räumung – Das Trauma steckt den Israelis noch heute in den Knochen  

Die Ausweisung von Israelis aus dem Gazastreifen und dem nördlichen Samaria sowie der Gaza-Abzug der IDF jähren sich in diesem Jahr zum zehnten Mal. Die Zerstörung der 21 jüdischen Ortschaften hinterließen die israelische Gesellschaft gespaltener denn je. Der Architekt des Vorhabens, Ariel Scharon, zog den waghalsigen Plan entgegen der Mehrheit seiner Regierungspartei durch. Dem Abzug folgte keine „Hand des Friedens“, die Scharon sich von den Palästinensern versprochen hatte, sondern die Wahl der fundamentalistischen Hamas, Raketen und drei Militäroperationen. Heute, 10 Jahre später – die Wunde von Gusch Katif scheint verdrängt, aber nicht verheilt.
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Im Laufe der Jahrhunderte kommt und geht die jüdische Gemeinde in Gaza, bis 1929 die großen arabischen Pogrome ihr ein Ende bereiten. 1946, zwei Jahre vor dem Unabhängigkeitskrieg, erreicht eine Gruppe junger Aktivisten den Küstenstreifen, und inmitten feindlicher arabischer Dörfer gründen sie den Vorposten Kfar Darom. Dieser hält sich bis zum Einmarsch der Ägypter im Juni 1948 und fällt im Laufe des Krieges. Im Sechstagekrieg 1967 gewinnt die israelische Armee vollends die Kontrolle über den Gazastreifen. 1968 entwickelt die israelische Regierung den „5-Finger-Plan“ – den Bau von 5 größeren jüdischen Siedlungsblöcken innerhalb der bevölkerungsreichsten Zonen im Gazastreifen, um eine Kontinuität der arabischen Besiedlung zu verhindern und mögliche Terrorpfade zu unterbinden. Die initiierten Ansiedlungen beginnen ihr Dasein zumeist als Armeeposten. Jahr für Jahr werden immer mehr Vorposten und temporäre Bauten zu eigenständigen Siedlungen erklärt.

Die Pioniere des Gazastreifens sind keine einheitliche Bevölkerung, sondern buntgemischt – säkulare ehemalige Dörfler aus dem Norden, Fischer, religiöse Bauern und Handwerker, Landwirtschafts-Fachleute und Angestellte des öffentlichen Dienstes sowie Reserveoffiziere. Die kleinen Gemeinden an der Mittelmeerküste entwickeln sich, bekommen Zulauf, weiten sich aus. Bekannt werden sie vor allem für revolutionäre landwirtschaftliche Methoden. So gelingt es, in den Gewächshäusern mit speziellen Methoden insektenfreies Gemüse zu kultivieren. Bis 2005 stammt 70 % des gesamten organischen Gemüse-Imports nach Israel aus den Gewächshäusern in Gusch Katif. Die Beziehungen zu den arabischen Nachbarn sind beispielhaft. So berichten ehemalige Einwohner, dass arabische Nachbarn aus Gaza und anderen Städten als Babysitter bei den Juden gearbeitet hätten. Einkäufe auf dem Markt in Gaza waren Alltag. Nach der Ersten Intifada verschlechtern sich die Beziehungen erheblich. Terroranschläge beginnen sich zu mehren. Die Strecken durch die arabischen Städte sind zu gefährlich, um sie zu passieren. Für die jüdischen Bewohner werden drei Übergänge in den Gazastreifen geöffnet. Und dann folgt die Zweite Intifada im Jahr 2000, und mit ihr fallen die Raketen und Granaten auf die Siedlungen und den Süden Israels. Über 5.000 Raketen und andere Geschosse landen in Gusch Katif und dem Süden Israel bis zum Abzug der IDF 2005. Arabische Scharfschützen schießen auf Einwohner. (...)

„Etwa einen Monat vor der Räumung fuhr ich nachts nach Hause und siehe da, plötzlich war das Tor am Kissufim- Übergang zu! Ein Soldat kam näher und sagte: ‚Gib mir deinen Ausweis.‘ ‚Was? Ich will doch nur nach Hause fahren‘, antwortete ich (...). ‚Gib mir sofort den Ausweis, oder du kommst nicht rein‘, erhob er seine Stimme. Plötzlich sah ich dutzende Soldaten auf beiden Seiten der Straße in Reihen stehen... Da begriff ich zum ersten Mal, dass diese Soldaten nicht gekommen waren, weil es Warnungen vor Terroristen gegeben hatte, sondern meinetwegen...“ (Tal Neumann, „Tagebuch des Schmerzes“, aus: Makor Rishon 17. Juli 2015)
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