September 8, 2017 – 17 Elul 5777
Kalter Anschlag

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Neue Zeiten brauchen neue Begriffe  

Von Gerd Buurmann

Am 23. August 2017 wurde in Rotterdam ein Konzert der US-Band „Allah-Las“ nach konkreten Terrorwarnungen abgesagt.

Am 2. Juni 2017 wurde das Festival „Rock am Ring“ wegen möglicher Terrorgefahr unterbrochen.

Im Januar 2017 wurde der Rosenmontagszug in Langenberg abgesagt. Der Grund waren die Anti-Terror-Auflagen von Polizei und Ordnungsamt.

Am 17. November 2015 wurde das Länderspiel Deutschland gegen die Niederlande in Hannover kurzfristig abgesagt. Es gab einen konkreten Hinweis auf einen Sprengstoffanschlag.

Im Januar 2015 wurde der Bau eines geplanten Mottowagens im Kölner Karneval zu „Charlie Hebdo“ gestoppt aus Angst vor Anschlägen. Die Stadt Braunschweig sagte wegen Terrorgefahr gleich den ganzen Faschingszug ab.

Dies sind nur ein paar Beispiele von vergangenen Einschnitten in den Alltag unserer freien Gesellschaft. Diese Einschnitte wurden jedoch nicht durch Explosionen verursacht, sondern durch die bloße Angst vor terroristischen Explosionen. Genau mit dieser Angst arbeitet der Terrorismus.

Für Terroristen sind auch abgesagte Veranstaltungen ein Erfolg!

Im 20. Jahrhundert sind wir mit dem Begriff „Kalter Krieg“ großgeworden. Für das 21. Jahrhundert sollten wir den Begriff „Kalter Anschlag“ in unseren Wortschatz aufnehmen, denn auch „kalte Anschläge“ sind für Terroristen ein Erfolg.

Wir sollten jedes Konzert, jede Sportveranstaltung, jeden Markt und jedes Festival, das aus Angst vor dem Terror abgesagt wird, jedes Wort, das nicht gesagt wird, jedes Stück, das nicht gezeigt wird, jede Karikatur, die nicht gedruckt wird, aus Angst vor Anschlägen und jeden Mann und jede Frau, die aus Angst vor Islamisten nicht mehr ohne Personenschützer das Haus verlassen können, mit dem passenden und deutlichen Begriff beschreiben: Es sind kalte Terroranschläge!

Oft ist es wichtig, neuen Symptomen ein passendes Wort zu geben, damit sie erkannt, eingeordnet und bekämpft werden können. Für den Begriff „Kalter Anschlag“ ist die Zeit mehr als reif, denn unabhängig davon, ob in den jeweiligen Momenten tatsächlich eine konkrete Terrorgefahr bestand, schon die pure Angst vor Anschlägen, bringt uns dazu, unsere Freiheit einzuschränken.

Das sind kalte Anschläge!

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