Fast alle Juden der Welt lebten einige Jahrhunderte lang in Polen. Das einstmals größte Land Europas wurde bekanntermaßen aufgeteilt zwischen Preußen, Österreich und Russland.

Die ersten Namengesetze erließ der österreichische aufgeklärte Kaiser Josef II. schon 1782. In Preußen folgte man dem österreichischen Vorbild, und gab den Juden, die vorher vor allem Vatersnamen wie z.B. „Ben Nathan“ trugen, unveränderbare Familiennamen.

Sehr interessant ist die Herleitung einiger eingedeutschter Namen und deren Ursprünge im Hebräischen und Jiddischen:

So wählten Menschen namens „Abraham“ (der Stammvater) gerne den Namen „Baum“ (Stammbaum), „Isaak“ (der laut Bibel 180 Jahre alt wurde) wurde zu „Leblang“, und „Jakob“ wurde bisweilen zu „Wurm“, gemäß Jesaja 41,14: „Fürchte dich nicht, du armer Wurm Jakob, du Würmlein Israel! Ich selber werde dir helfen - Spruch des Herrn. Der Heilige Israels löst dich aus.“

Klemperer (wie Victor Klemperer) war ursprünglich der „Klopfer“, der in der ostjüdischen Gemeinde als Gemeindediener morgens an die Türen der Frommen klopfte, um sie an ihr Frühgebet zu erinnern.

Als jüdischer Familienname bezieht sich „Hirsch“ wohl auf das Alte Testament (Genesis 49,9-27), wo Jakob seine Söhne Juda, Naftali und Benjamin mit Löwe, Hirsch und Wolf vergleicht.

Weil (wie Kurt Weil) wiederum ist ein Anagram von Levi. „Roth“ sind Nachfahren des jüdischen Stammes Ruben, „Grün“ vom Stamme Simeon.

Der jüdische Familienname Teitelbaum (wie Natanel Teitelbaum, Landesrabbiner von Bremen) ist eine mittelhochdeutsche Variante von Dattelbaum (Dattelpalme).

Baruch (der Gesegnete) wurde eingedeutscht zu Seligmann (Rafael Seligmann).

„Katz“ ist gebildet aus „Cohen-Zedek“ (Priester der Gerechtigkeit). Der Name Engländer leitet sich von Engel, nicht von England ab. „Oppermann“ kommt von „Opfermann“, gemeint ist „Cohen“.

Von „Cohen“ oder „Kohn“ kommt auch der Namen „Schiff“. Bei „Kohn“ wurde nur ein Vokal ausgetauscht (Vokale gibt es im Hebräischen ohnehin nicht) zu „Kahn“, und aus „Kahn“ wurde „Schiff“!

Henry Kissingers Vorfahren kommen (man ahnt es schon) aus Bad Kissingen in Franken. Herr oder Frau Schapiro oder Schapira (Esther Schapira) haben Vorfahren aus Speyer, der Name „Dreyfuss“ deutet auf eine Herkunft aus Trier hin.

Diese Namen sind alle vorzeigbar, manche sogar auffallend schön. In Galizien, dem sehr jüdisch geprägten Nordosten des österreichischen Kaiserreiches, machten die dortigen Beamten Geld mit den neuen jüdischen Namen – zum eigenen Vorteil und nicht gerade zum Vorteil der Juden, die von ihnen einen Namen aufs Auge gedrückt bekamen.

Es gilt als sicher, dass sich wohlhabende Juden einen „schönen“ Namen kaufen konnten, andere aber, die nicht zahlen konnten oder wollten, mit Ekelnamen „bestraft“ wurden.

Man nahm es mit dem berühmten jüdischen Humor und machte Witze über sich selbst: Als Itzig von der Namenkommission nach Hause kommt, fragt ihn seine Frau: „Sag, wie heißt denn unser neuer Name?“ – „Schweißloch“ antwortet Itzig. „Auwai, konntest du nicht zahlen für einen schöneren Namen?“ „Hab' ich doch. Allein das W hat mich hundert Taler gekostet.“ Diese Auswüchse blieben glücklicherweise aber auf die Provinz Galizien beschränkt.

In Preußen wurde den Juden ausdrücklich empfohlen, unauffällige Namen zu wählen, damit „ungewiß bleibe, ob jemand Jude sei oder nicht“ (wie es Wilhelm von Humboldt empfahl).

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