September 5, 2015 – 21 Elul 5775
Jom Kippur

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Respektiert Eure Mitmenschen! 

Von Rabbiner Abraham Radbil

Wir nähern uns den hohen Feiertagen. Mit Rosch haSchana wo wir den einzigen G-tt anerkennen, Jom Kippur, wo wir um Vergebung für unsere Sünden beten, Sukkot, wo wir aus unseren Häusern rausgehen, um in der Sukka zu sitzen als Zeichen dafür, dass wir bereit sind alles Materielle zu verlassen. Weil wir der Überzeugung sind, dass unser Schutz von G-tt abhängt und nicht von den dicken Wänden unserer Häuser. Am Rosch haSchana wird die ganze Welt gerichtet, wer leben wird und wer sterben, wie viel Geld jeder von uns nächstes Jahr verdienen wird und welche Krankheiten und Naturkatastrophen die Menschheit befallen werden. Bis Jom Kippur haben wir während der Bußtage Zeit das Urteil zu beeinflussen, doch am Jom Kippur wird es endgültig festgelegt.

Am Sukkot wird die Welt über das Wasser gerichtet. Wie viel Wasser wird jedes Land im kommenden Jahr abbekommen? In Deutschland nehmen wir vielleicht nicht die enorme Bedeutung und Wichtigkeit von diesem Urteil wahr, doch in Ländern wie Israel, wo der Regen ein so knappes Lebensgut ist, werden die Gebete für den Regen in einem ganz anderen Ton gesprochen. Also liegt auf unseren Schultern sowohl unser eigenes Wohlergehen als auch das Wohlergehen der ganzen Welt im nächsten Jahr. Doch wenn wir ehrlich mit uns selbst sind, weiß jeder von uns ganz genau, dass er nicht ganz „artig“ im vergangenen Jahr gewesen ist. Jeder von uns hat Sachen getan, die weniger gut waren, und vieles, das wir uns letztes Jahr am Rosch haSchana und Jom Kippur vorgenommen haben, wurde im Verlauf des Jahres einfach vergessen oder von uns vernachlässigt.

Wie können wir dann auf ein gutes Urteil vertrauen? Schließlich geht es um einen Richter, der allmächtig und allwissend ist und an dem die kleinste Sünde nicht vorbeiziehen kann ohne bemerkt zu werden. Man kann diesen Richter auch nicht bestechen, so wie man es vielleicht bei einem Richter aus Fleisch und Blut machen könnte. Wie sollen wir es dann schaffen das nächste Jahr zu überleben?

Unsere Weisen zeigen uns eine Hintertür, wie man manches umgehen kann und womit man sich manches verdienen kann. Der Talmud sagt an verschiedenen Stellen, dass derjenige, der seine Mitmenschen immer gnädig beurteilt, auch von G-tt gnädig beurteilt wird. Die Weisen sagen uns auch wie wir schneller gesund werden können, indem wir für die Gesundheit unserer Mitmenschen beten. Genau dasselbe sagen die Weisen über jemanden, der seine zweite Hälfte schneller finden möchte. Er soll für seinen Freund beten, dass er schneller seine zweite Hälfte findet. Denn unsere Aufgabe in dieser Welt ist es, in den Wegen G-ttes zu gehen. Und wie schafft man das? Indem man genauso wie Er uneigennützig Gutes tut, sagt der Talmud. Und was kann mehr die Nächstenliebe eines Menschen bezeugen als die Tatsache, dass er um die Lösung der Probleme seiner Mitmenschen bittet, obwohl er selbst dieselben Probleme hat?

Viele Menschen konzentrieren sich währen der Feiertage auf ihren G-ttesdienst – was ja auch sehr gut ist. Doch sehr oft werden unsere zwischenmenschlichen Beziehungen vernachlässigt. (…)

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