April 6, 2018 – 21 Nisan 5778
Jiddisch im Berliner Jargon

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Maloche, Mischpoke, Mauschelei – das Jiddische im Berliner Sprachgebrauch 

Von Jan Bentz

„Hallo Kalle! – Kommste gerade von de Maloche?“, „Nee“, antwortet Kalle, „ich komme vom Zocken!“ „Was sagt’n deine Mischpoke dazu?“ „Wenn ich genügend Moos mit nach Hause bringe, nimmt meine Ische den Schlamassel in Kauf, wenn nicht, dass gibt’s Zoff!“

Eine Unterhaltung, wie man sie in Berlin an der Straßenecke vor dem Zeitungs-Kiosk zufällig mithören könnte.

Mit umgangssprachlichen Wendungen unterhält sich der Berliner meist lässig, manchmal auch grob und ungehalten. Und wer kennt sie nicht, die Berliner „Schnauze“, deren Klang man bereits in ganz Deutschland zu Ohren bekommt: Wer war nicht schon einmal „beschickert“? Oder wer hat nicht schon einmal versucht, seinen „Ramsch“ auf Ebay zu versteigern? „Pech“ gehabt hat sicher jeder schon einmal im Leben; und vielleicht wurde einem schon mal „Mumpitz“ erzählt. Großes Pech hat derjenige, der im „Knast“ landet und dann hat es mit der „Kasperei“ ein Ende…

So verschieden diese Ausrücke auch sein mögen, eines haben sie alle gemeinsam: Sie wurzeln alle im Jiddischen.

Die ca. 1000 Jahre alte Sprache der aschkenasischen Juden, gesprochen in Europa, hat ihre Wurzeln im Mittelhochdeutschen, dem Hebräischen, Aramäischen, Romanischen und Slawischen und hat besonders den Berlinern ein reiches Erbe von ausdrucksstarken Begriffen beschert.

Obwohl auch aus dem Polnischen „Großkotz“, „Pennunze“, „Pomade“, „dalli“ und dem Lateinischen „Lokus“, „Moneten“, „Palaver“, „Pelle“, „famos“, „fatal“, „kapieren“ usw. übernommen wurden, bildet das Jiddische eine zentrale Wurzel des Berliner Jargons.
„Maloch“ stammt vom hebräischen „Malacha“, was „Arbeit“ heißt. Jemand, der „malocht“, geht seiner Arbeit nach.
Das „Zocken“ leitet sich vom „Zrokken“ ab, beides vom hebräischen Wort „sachek“ abgeleitet, was mit „spielen“ übersetzt werden kann.
Die „Mischpoke“ stammt von der „Mischpacha“ ab, der „Familie“.
„Masel“ oder „Glück“ zu haben ist wiederum mit hebräischen „mazal“ verwandt, was auch als Glücksausruf „Masel Tow“ bekannt ist. So erklärt sich auch das „Unglück“ oder das „Schlamassel“, ein schlechtes „Masel“ eben.
„Ische“ heißt einfachhin „Frau“ und leitet sich vom hebräischen Wort „Ischa“ ab.
Das Moos hat hingegen nichts mit dem Bodenwuchs des Waldes zu tun, sondern geht auf das hebräische „Moess“ zurück, was „Geld“ heißt.
„Zoff“ ähnelt dem hebräischen Wort für „Schluss“ oder Ende.

Auch alle anderen genannten Wörter lassen sich auf ihren hebräischen oder jiddischen Sprachursprung zurückführen.
Erklärt und zusammengefasst hat das ganze Andreas Nachama, in seinem Buch „Jiddisch im Berliner Jagon“. Er gibt nicht nur Auskunft über die verschiedenen umgangssprachlichen Redewendungen, sondern bietet auch Einblick in religiöses Vokabular vom offensichtlichen „Halleluja“ und „Ja und Amen“ bis zum „Abracadabra“, dem „Menetekel“, dem „Paradies“ und „koscher“ und ihrer jeweiligen geschichtlichen Abstammung in der jüdischen Sprache.

„Beschickert“ leitet sich von „schickor“ ab, dem hebräischen Terminus für den Zustand des Angetrunkenseins.
Der „Ramsch“ geht auf „ramo“ zurück, dem hebräischen Wort für „betrügen“.
„Pech haben“ geht hingegen auf „pachot“ zurück, das wohl am besten mit „schadhaft“ übersetzt werden kann.

Den seltsam anmutenden „Mumpitz“ erzählt man, weil man „mum“ erzählt, einen „Fehler“ oder etwas „Falsches“.
Im „Knast“ sitzen oder einen „Knacks“ weghaben lässt sich durch „Knass“ erklären, das „Strafe“ bedeutet.
Herum-Kasperei oder ein „Kasper“ sein bedeutet, nicht die Wahrheit zu sagen. Stammen tut dies von „kassow“, das „lügen“ heißt. (…)

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